NEW YORK (dpa-AFX) - Der sich zuspitzende Schuldenstreit in den USA dürfte die Wall Street am Freitag einmal mehr belasten. Zudem fiel das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal niedriger als erwartet aus. Der Future auf den
Dow Jones Industrial (
Dow Jones) stand eine halbe Stunde vor dem Handelsstart 1,09 Prozent tiefer. Damit steuert der Leitindex den fünften Verlusttag in Folge an. Der Future auf den Technologiewerte-Auswahlindex
Nasdaq 100 (
NASDAQ 100) gab um 0,79 Prozent nach. Im frühen Handel könnten noch der Chicago Einkaufsmanagerindex und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan Impulse geben.
Den Politikern in Washington rennt die Zeit davon. Auch vier Tage vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft ist keine Einigung in dem erbitterten Ringen in Sicht. Die Republikaner mussten am Donnerstagabend wegen internen Streits eine Abstimmung über eine Erhöhung des Schuldenlimits im Abgeordnetenhaus vertagen. Das Votum der Republikaner hätte aber ohnehin nur symbolischen Charakter gehabt: Präsident Obama hatte bereits ein Veto gegen das Gesetz angekündigt. "Es ist eine schwierige Zeit für Aktien", kommentierte Aktienstratege Thomas Lee von JPMorgan Chase & Co. Da die Auswirkungen einer Zahlungsunfähigkeit auf Wertanlagen schwierig einzuschätzen seien, hielten die Investoren sich von riskanten Anlageklassen fern.
Auch einige Unternehmenszahlen dürften einen Blick wert sein. Der zweitgrößte amerikanische Pharmakonzern Merck & Co (Merck) hat den Umsatz im zweiten Quartal erwartungsgemäß gesteigert und auch beim Gewinn zugelegt. Zudem will das Unternehmen sich mit einem weiteren Stellenabbau für die zunehmende Konkurrenz durch Generikahersteller rüsten. Dennoch gaben die Aktien vor dem Handelsstart marktkonform nach.
Für die Starbucks-Titel (Starbucks) ging es indes vorbörslich um ein halbes Prozent hoch, nachdem die Kaffeehauskette im dritten Geschäftsquartal beim Gewinn um gut ein Drittel und damit deutlich stärker als beim Umsatz zugelegt hatte. Börsianer hatten nicht mit einem so starken Abschneiden gerechnet. Zudem geht das Management davon aus, dass der gute Lauf im kommenden Geschäftsjahr anhält.
Derweil belasteten Ausgaben für Forschung und Entwicklung den Quartalsgewinn des weltgrößten Biotechkonzerns Amgen. Experten hatten allerdings einen noch stärkeren Rückgang erwartet. Zudem fühlt Amgen sich finanziell so gut ausgestattet, um erstmals in der 21-jährigen Geschichte des Unternehmens eine Quartalsdividende zu zahlen, und ist nun etwas optimistischer als bisher für das Gesamtjahr. Die Aktien gewannen schon vor dem Handelsstart knapp drei Prozent.
Dagegen gaben Chevron moderat nach, obwohl der Ölkonzern angesichts der steigenden Ölpreise im zweiten Quartal seinen Gewinn kräftig gesteigert und die Erwartungen von Analysten übertroffen hatte. An den vergangenen Tagen hatten bereits die Konkurrenten ExxonMobil (Exxon Mobil) , Shell (Royal Dutch Shell Grou a) und ConocoPhillips kräftige Gewinnzuwächse gemeldet.
Der Handy-Hersteller Motorola Mobility kommt indes auf keinen grünen Zweig, was die Papiere vorbörslich mit deutlichen sechs Prozent ins Minus drückte. Obwohl die Smartphones boomen und sich auch der Tablet-Computer Xoom immer besser verkauft, steckt das Unternehmen in den roten Zahlen. Grund waren überbordende Kosten, die Motorola trotz einer satten Umsatzsteigerung von 28 Prozent nicht in den Griff bekam./gl/tih