WARSCHAU/PRAG/BUDAPEST (dpa-AFX) - Die wichtigsten osteuropäische Börsen sind uneinheitlich in die Woche gestartet. Während die meisten
Aktien in Prag und Warschau dem europaweit schwächeren Trend folgten, zeigte die Budapester
Börse eine Gegenreaktion auf jüngste Verluste.
Ungeachtet eines doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie zuletzt geplant kletterte der ungarische Leitindex BUX um 3,48 Prozent auf 16.668,12 Punkte. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums des finanziell angeschlagenen EU-Mitgliedsstaats lag der Fehlbetrag im abgelaufenen Jahr bei 1,73 Billionen Forint (etwa 5,5 Milliarden Euro). Das Defizit liege 252 Prozent über der ersten Jahresschätzung der Regierung in Budapest und 110 Prozent über der jüngsten Schätzung, hieß es.
Die Ratingagentur Fitch hat bereits am Freitag die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Nach Einschätzung der KBC Analysten war dieser Schritt aber erwartet worden. Die KBC-Experten halten die ungarischen Titel mittlerweile für günstig. Für einen Einstieg sei es aber aufgrund der Dickköpfigkeit und Trägheit der ungarischen Politiker sowie weiterer möglicher Krisenwellen verbunden mit der Euro-Schuldenkrise zu früh, schreiben die Analysten.
Starke Kursgewinne wiesen MTelekom mit plus 5,19 Prozent auf 506 Forint aus. Magyar Olay es Gazipari (Mol) gewannen 2,88 Prozent auf 16.770 Forint und OTP Bank (Orságos Takar És Ker BK ON) zogen um 4,96 Prozent an auf 3.107 Forint. FHB Land Credit & Mortgage Bank befestigten sich um 0,88 Prozent auf 454 Forint.
An der Prager Börse fiel der Leitindex PX dagegen um 1,01 Prozent auf 885,4 Punkte. Zum Wochenstart standen aktuelle Konjunkturdaten im Fokus der Akteure. Demnach ist die Arbeitslosigkeit in Tschechien im Dezember 2011 im Monatsvergleich um 0,6 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent angestiegen - den höchsten Stand seit April 2011. Damit befanden sich zum Ende des Vorjahres 508.451 Menschen im 10,5-Millionen-Land auf Jobsuche. Im Dezember 2010 lag die Arbeitslosenrate mit 9,6 Prozent aber höher als zum Vorjahresende.
Für November wurden hingegen überraschend starke Industriedaten veröffentlicht. Die Industrieproduktion legte zum Vormonat um 2,7 Prozent zu und kletterte zum Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent. Der wichtigste Beitrag für die deutlichen Zuwächse kam laut Einschätzung der Analysten von KBC Securities aus dem Automobilbereich. Die AAA-Papiere reagierten auf die positiven Branchennachrichten mit minus 1,28 Prozent auf 17,70 Kronen.
Verkaufsdruck gab es europaweit im Finanzbereich zu beobachten. Die Titel der Erste Group sackten um 6,32 Prozent auf 312,90 Kronen ab. Komercni Banka verbuchten einen Kursrückgang in der Höhe von 2,87 Prozent auf 3.150 Kronen. Im Energiesektor konnte hingegen Ceske Energeticke Zavody (CEZ) (CEZ AS) um 3,04 Prozent auf 793,0 Kronen zulegen.
Der polnische Leitindex WIG-20 ging mit einem Verlust von 1,42 Prozent auf 2.126,71 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste WIG-Index (WIG) sank um 1,05 Prozent auf 37.341,29 Punkte. Eine verhaltenes europäisches Börsenumfeld drückte auch in Warschau auf die Kurse, nachdem dort am Freitag nicht gehandelt worden war. Die PGE-Papiere verabschiedeten sich mit minus 2,55 Prozent auf 20,60 Zloty aus dem Handelstag. Die Analysten von der BRE Bank stuften die Titel von "Buy" auf "Accumulate" herab. Gleichzeitig wurde das Kursziel für den Energieversorger von 23,93 auf 23,07 Zloty nach unten revidiert.
Tauron schlossen mit minus 0,92 Prozent auf 5,4 Zloty. Hier bekräftigte die BRE Bank ihre Kauempfehlung für das Energieunternehmen. Das Kursziel wurde aber von 9,09 Euro auf 7,44 Zloty nach unten gesetzt. Im Finanzbereich gab es überwiegend Kursverluste zu beobachten. PKO verbilligten sich um 3,52 Prozent auf 31,00 Zloty. Bank Pekao fielen um 1,15 Prozent auf 137,70 Zloty. /ste/APA/ag