
Zwei Hälften
Das abgelaufene Jahr an den Börsen lässt sich grob in zwei Hälften einteilen. Bis Sommer hatten wir eine dezente Aufwärtsentwicklung, die vergleichsweise ruhig verlief. Ende Juli setzten dann die Unsicherheiten über die Schuldensituation bei den Staaten und eventuelle Auswirkungen von nötigen Sparmaßnahmen ein. Seither fahren die Kurse Achterbahn. Da die Tendenz bis heute stark von politischen Entscheidungen sowie Eingriffen der Notenbanken und Ratingagenturen abhängt, sind die Kurse kaum noch kalkulierbar. Die Unsicherheit dürfte vorerst anhalten: Die Lage in Ungarn hat sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Das Land zählt zwar nicht zu den Euro-Staaten, eine Pleite würde die Anleger aber zusätzlich beunruhigen. Auch in Italien sieht es nicht gut aus. Die Anleiherenditen zogen zuletzt wieder Richtung ihrer Hochs aus 2011 an.
Und selbst in Griechenland ist die Vereinbarung über den Schuldenschnitt noch nicht in trockenen Tüchern, eine unkontrollierte Pleite nicht ausgeschlossen. Während es aus den USA zuletzt eher positive Nachrichten von der Konjunktur gab (allerdings befeuert von einem nach wie vor extrem hohen Staatsdefizit), trüben sich die Perspektiven für Europa und Deutschland ein. Die Bundesrepublik steckt möglicherweise bereits in einer Rezession. Die zuletzt sehr schwachen Auftragseingänge sprechen dafür, dass die Wirtschaft erst einmal unter Druck stehen wird.
Besserung ab Sommer?
Daraus ergeben sich für Aktien erst einmal eher ungünstige Voraussetzungen. Dem steht aber die historisch recht günstige Bewertung von Dividendentiteln gegenüber. Dazu bieten Anleihen keine Alternative.
Zuletzt mussten Anleger bei Bundesanleihen sogar erstmals negative Renditen hinnehmen. Sobald sich die Wogen um die Schuldenkrise etwas glätten, könnten Aktien reüssieren. Gut möglich, dass die Börsen in 2012 daher nach einem schwachen ersten Halbjahr ab dem Spätsommer auftrumpfen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur der „Aktien-Strategie“ (früher Global
Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf
deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und
bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes
deutlich. So schaffte das Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter
www.aktien-strategie.de
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