So etwa im Frühjahr der Jahresabschluss der Commerzbank. Das krisengeplagte Finanzinstitut zeigt, wie beliebig Bilanzierung inzwischen geworden ist: Man meldete für 2011 sowohl einen Gewinn von 638 Millionen Euro als auch einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro. Der Gewinn entstand nach den internationalen Bilanzierungsregeln IFRS und sollte die Anleger in die anstehende Kapitalerhöhung locken.
Mit dem Milliardenverlust nach HGB vermied man gleichzeitig Zinszahlungen auf die Hilfsgelder des Staates, die nur bei einem Gewinnausweis (nach HGB) fällig werden. Schon im Vorjahr waren die Banken negativ aufgefallen. Wegen der finanziellen Schieflagen, in denen etliche Häuser steckten, notierten die eigenen Anleihen deutlich unter ihrem Nennwert. Die Differenz verbuchte man kurzerhand als Gewinn. Je schlimmer es um ein Institut stand, desto höher damals der ausgewiesene Gewinn. Vielleicht sollte man im Interesse des Anlegerschutzes ein paar Bilanzierungsregeln überdenken. Derzeit sind die Bilanzen der Finanzhäuser nicht das Papier wert, auf dem sie stehen.
Kurskapriolen
Einen Blitzstart ins Jahr 2012 schaffte die Aktie von Loewe. Das früher im SDAX notierte Papier brauchte nur vier Wochen, um sich zu verdoppeln.
Einen fundamentalen Grund für den Kurshype, der sich bis Mitte März fortsetzte, gab es nicht. Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme von Apple mussten als Erklärung herhalten, haben sich bislang aber nicht bestätigt. Und fundamental bleibt die Branche schwierig, wie die jüngste Ergebniswarnung des Fernsehherstellers zeigt. Wer auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist, kam unter die Räder. Der Titel ist fast wieder auf sein Ausgangsniveau zurück gefallen.
Sippenhaft
Wer aufs Zocken verzichtet und sich streng auf fundamentale Daten konzentriert, liegt aber auch nicht immer richtig. Zu spüren bekommen das derzeit vor allem China-Aktien. Firmen wie Joyou, United Power Tech oder China Speciality Glass wachsen seit Jahren prozentual zweistellig und erwirtschaften Renditen von weit über zehn Prozent. Die Aktien notieren dennoch mit Abschlägen von rund 50 Prozent zum Buchwert.
Anleger fürchten weitere Skandale um China-Unternehmen. „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt an den Finanzmärkten nicht.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur der „Aktien-Strategie“ (früher Global
Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf
deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und
bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes
deutlich. So schaffte das Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter
www.aktien-strategie.de
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