29.11.2012 09:36
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Vorteil Europa

In den vergangenen Wochen haben die deutschen Börsen die Wall Street deutlich abgehängt.
Während der DAX nur rund zwei Prozent unter seinem Jahreshoch notiert, sind es beim Dow Jones fast sieben Prozent. Auch seit Jahresbeginn lassen die deutschen Blue Chips mit einem Zuwachs von über 20 Prozent ihre US-Pendants, die nur ein Plus von fünf Prozent schafften, weit hinter sich. Diese Entwicklung hat einen guten Grund.

Vollgas und Konsolidierung

Probleme gibt es dies- und jenseits des Atlantiks. Man hat jahrelang über die Verhältnisse gelebt. Jetzt laufen die Staatsfinanzen aus dem Ruder, die Wirtschaft neigt zur Schwäche. Die Lösungsansätze weisen aber erhebliche Differenzen auf. In den USA wird seit einigen Jahren monetär Vollgas gegeben. Seit 2007 beläuft sich das staatliche Defizit auf über eine Billion Dollar (nicht insgesamt, sondern jedes Jahr). Für 2012 sehen die aktuellen Planungen eine Defizitquote von 7,0 Prozent vom BIP vor. Gleichzeitig pumpt die Federal Reserve massiv Gelder in den Markt.

Durch den Aufkauf von Schulden versucht die Notenbank, die Zinsen zu drücken und damit die Anleger in die Kaufhäuser zu bringen. In Europa dagegen wird - unter dem Druck von Deutschland und wenigen anderen soliden Ländern - ein harter Konsolidierungskurs gefahren. Fast im Wochentakt werden neue Sparprogramme aufgelegt, der Gürtel enger geschnallt. Die EZB hat die Märkte zwar auch gestützt und Anleihen gekauft bzw. den Finanzinstituten mit Liquidität beigestanden. Die Eingriffe waren (zumindest bislang) aber weit geringer als die der Federal Reserve.

Schlechte Karten

Kein Land kann dauerhaft über seine Verhältnisse leben. Auch die USA werden mittelfristig auf einen Konsolidierungskurs einschwenken müssen.

Die Entwicklung in Europa zeigt, dass hier schmerzhafte Einschnitte drohen. Ob die bereits zum Jahreswechsel umgesetzt oder noch etwas nach hinten verschoben werden, müssen die anstehenden Budgetverhandlungen (Stichwort: Fiscal Cliff) zeigen. Europa hat hier bereits einen Teil des Wegs zurückgelegt. Erste Erfolge zeigen sich: Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft haben Krisenländer wie Griechenland und Spanien zuletzt deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Obwohl Europa also besser dasteht als die USA, sind die Aktien-Bewertungen in Übersee deutlich höher. Die Outperformance des DAX sollte sich also fortsetzen.

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der „Aktien-Strategie“ (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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