von Andreas Höß, €uro am Sonntag
Wollen Ökonomen oder Börsianer klarmachen, dass schwere Zeiten bevorstehen, sprechen sie gern von einer „bumpy road“, die befahren werden muss. Über so eine Schlaglochpiste holperte die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2012 — und das verglichen mit den anderen Mitgliedern der Eurozone ziemlich erfolgreich. Trotz omnipräsenter Eurokrise und Konjunktursorgen legte der deutsche Leitindex DAX bis Jahresmitte um rund neun Prozent zu, der Index der mittelgroßen Werte MDAX kam sogar auf ein Plus von 16 Prozent.
Überraschend gute Zeiten für deutsche Anleger, die ihr Geld häufig in der Heimat investieren. Mit gehebelten Indexfonds auf den DAX wie zum Beispiel dem Lyxor ETF LevDAX (ISIN: LU 025 263 430 7) waren maximal 20 Prozent Gewinn in nur sechs Monaten möglich. Ein Minus in ähnlicher Größenordnung gab es dagegen mit gehebelten ETFs auf Kursverluste des DAX.
Auch mit aktiv gemanagten Fonds konnten Anleger im ersten Halbjahr 2012 ordentlich Geld verdienen. Einen leichten Vorsprung erarbeiteten sich jene Fonds, die ausschließlich auf Nebenwerte setzten. Spitzenreiter in dieser Kategorie war der DWS German Small/Mid Caps mit fast 25 Prozent Ertrag. Fondsmanager Raik Hofmann investiert im Moment die Hälfte seines 100 Millionen Euro schweren Portfolios in Papiere aus den Branchen Industrie und langlebige Konsumgüter wie etwa Continental. Im ersten Halbjahr 2012 profitieren Nebenwertefonds davon, dass Deutschland die globale Konjunkturkrise kaum zu spüren bekam. Allerdings gelten die sogenannten Small und Mid Caps als verlustanfälliger, sollte sich die Konjunktur verschlechtern.
Ähnlich hohe Gewinne wie die Nebenwertefonds konnte der HAIG MB S Plus von Hauck & Aufhäuser einfahren. Er führt die Kategorie jener Aktienfonds an, die nicht ausschließlich auf Unternehmen aus der zweiten Reihe setzen. Dass die Trendfolgemodelle in schwankungsanfälligen und von politischen Großwetterlagen geprägten Märkten schnell an ihre Grenzen stoßen, zeigt jedoch ein Blick zurück: In den vergangenen drei Jahren verlor der Fonds insgesamt 15 Prozent an Wert.
Andere Deutschland-Fonds machten in der gleichen Zeit fast 50 Prozent Gewinn. So zum Beispiel der Kapitalfonds LK Deutschland aktiv (siehe Fonds im Fokus). Er rangiert zudem mit 15 Prozent Plus im ersten Halbjahr 2012 auf Rang 4 der Kategorie Aktienfonds Deutschland. Eingerahmt wird er von zwei Fonds
der DWS, dem 2,9 Milliarden Euro schweren DWS Deutschland und dem kleineren DWS Aktien Strategie Deutschland, die beide ebenfalls langfristig erfolgreich sind.
Unter den Flops finden sich hingegen viele Fonds, die auch langfristig nicht überzeugten. Der Veri Valeur schaffte es sogar, seit Jahresbeginn acht Prozent Minus anzuhäufen. Er ist damit der einzige aktive Deutschlands-Fonds, der 2012 Verluste machte. Fondsmanager Markus Kaiser kann mit Derivaten auch auf fallende Kurse setzen, was offenbar häufiger nach hinten losging.
Aktienfonds Deutschland (pdf)
Fonds im Fokus
Kapitalfonds LK Deutschland
4,3 Prozent klingen nach wenig. Doch der Kapitalfonds LK Deutschland ist damit der einzige Fonds für deutsche Bluechips und Nebenwerte, der die vergangenen fünf Jahre ohne Verlust überstanden hat. Fondsmanager Harald Berres Erfolgsrezept: Liefern viele Indikatoren Krisensignale, kann er die Cashquote erhöhen und seinen Fonds mit Derivaten gegen Kursverluste absichern. Das war zuletzt oft nötig, um Schwankungen abzufedern. Im Moment hat Berres mehr als die Hälfte seines 50 Millionen Euro kleinen Portfolios auf Industriewerte wie Pfeiffer Vacuum und Siemens gesetzt. Ebenfalls prominent im Portfolio: die Chemie- und Pharmaunternehmen BASF und Merck sowie der IT-Konzern SAP.
Fazit: Einer der besten Deutschland-Fonds.