aktualisiert: 22.01.2013 21:13
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Kursrutsch: Bei Apple ist der Wurm drin

Angefressen
Das hohe Innovationstempo der kalifornischen Kultfirma ist verpufft. Erstmals seit vielen Jahren könnten die Gewinne wieder sinken. Warum Apple-Aktionäre dennoch cool bleiben sollten.
€uro am Sonntag

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Apple wird zu Fallobst. Für Fans und Aktionäre war es ein Schock: Die Aktie des kalifornischen Kultkonzerns rutschte unlängst erstmals seit elf Monaten wieder unter die 500-Dollar-Marke. Berichte über reduzierte Bestellungen von Displays für den Verkaufsschlager, das iPhone, waren der Auslöser. Der Wunderapfel wurde an der Börse kräftig angenagt: Seit dem Kurs­hoch im September 2012 hat der Konzern inzwischen rund 180 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt.

Seit Langem waren die erfolgsverwöhnten Apple-Aktionäre nicht mehr so nervös. Laut „Wall Street Journal“ soll Apple für sein iPhone 5 statt 65 Millionen Displays nur noch die Hälfte bei den Lieferanten ­geordert haben, weil die Nachfrage sich schwächer als geplant entwickle. Werden die Quartalszahlen am morgigen Mittwoch, 23. Januar, nun ein Desaster?

Optimisten meinen, dass die Zahlen viel besser ausfallen könnten als erwartet. Ihre Erklärung dafür: Der Konzern teste lediglich eine neue Displaytechnik. Lagerbereinigungen bei Bauteilen waren eine weitere Interpretation, über die bereits vor dem Jahreswechsel spekuliert wurde. Die Abbestellung der Bauteile, so diese Stimmen, hätten wenig bis gar nichts mit dem laufenden Absatz der Smartphones zu tun.

Skeptiker hingegen befürchten, dass die Technologie-Ikone ihren glänzenden Ruf, den vor allem der verstorbene Firmengründer und Vorstandschef Steve Jobs aufgebaut hatte, unter Nachfolger Tim Cook nur allzu rasch verlieren könnte. In den vergangenen Jahren lieferte das Unternehmen tolle Produkte und stets hohe Wachstumsraten bei Gewinn und Umsatz.

Dividende lockt Value-Investoren
Zum ersten Mal seit Jahren ist der ­Gewinn im Weihnachtsquartal laut dem Schnitt der Analystenschätzungen gesunken. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten indes weiterhin mit einem — wenn auch bescheideneren — Plus beim Profit. Dass sich das Wachstum abschwächt, ist allerdings keine neue Botschaft. Apple wird allmählich vom Wachstums­titel zum Value-Wert — dieses Signal gab die Unternehmensführung bereits im August 2012: Erstmals seit 17 Jahren beteiligten die ­Kalifornier ihre Aktionäre am Gewinn. Vorstandschef Cook billigte die Dividendenausschüttung mit Blick auf den hohen Cashflow und die rund 120 Milliarden Dollar Cashreserve.

Die professionellen Investoren haben sich auf den Wandel bereits eingestellt. Der Anteil der Value-Fonds, die Apple-­Papiere halten, stieg laut einer Befragung der US-Bank Sanford Bernstein 2012 von 29 auf 40 Prozent. „Höhere Dividenden oder Aktienrückkäufe werden noch mehr Value-Investoren überzeugen“, sagt Sanford-Analyst Toni Sacchonagi. Nach seiner Schätzung wächst Apples Barreserve bis 2015 auf fast 250 Milliarden Dollar.

Während die Cashstrategie für Investoren durchaus ihre Reize hat, sind die Fans erst mal enttäuscht. Eine Million Aktien bekam Jobs-Nachfolger Cook bei seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer. ­Einen echten Innovationscoup, der des Gründers würdig gewesen wäre, konnte Cook bislang nicht liefern. „Steve hat dem Apple-Design für mindestens drei weitere Jahre seinen Stempel aufgedrückt. Ich warte noch auf Cooks Touch“, grummelt Steve Wozniak, der die Firma einst mit Jobs gründete.

Visionen bislang Fehlanzeige
iPod, iPhone, iPad — und was kommt danach? Spötter haben den Titel des Hollywood-Thrillers „Mission impossible“ für Apple bereits in „Vision impossible“ umge­münzt. Die Begeisterung für die erste Fast-Innovation, das iPad mini, war lauwarm, der Ärger der Kunden über sündteures ­Zubehör wie Adapter und Zusatzstecker dafür umso größer. Blankes Entsetzen breitete sich dann nach dem Megaflop mit Apples Kartendienst aus.

Auch die lang erwartete Offensive im Markt für Fernsehgeräte, den ein iTV mit gewohnter Bedienungsfreundlichkeit umkrempeln soll, blieb bisher aus. Die Verhandlungen mit Hollywood-Studios und Anbietern populärer TV-Serien ziehen sich hin. Anders als die einst unter digitaler Piraterie leidende US-Musikindustrie, die beim Aufbau von Apples iTunes-Store vollumfänglich kooperierte, sei das Interesse der TV- und Medienriesen an exklusiven Vereinbarungen mit Apple bisher sehr begrenzt, heißt es.

Auch das iPhone, der Profitgigant, mit dem Apple mehr als die Hälfte des ­Konzerngewinns einfährt, steht unter hartem Beschuss. Vor allem der koreanische Rivale Samsung macht den Amerikanern mit dem Smartphone Galaxy  3 das Leben schwer. Technologisch ist es auf Augenhöhe mit Apples teurerem Gerät. Samsungs neue Rekordgewinne im abgelaufenen Quartal und ein zuletzt auf 31,3 Prozent gestiegener Weltmarktanteil bei Handys sind beeindruckend, Apples Marktanteil hingegen schrumpfte auf unter 15 Prozent.

Bei der Gewinnmarge liegt Apple allerdings immer noch weltweit an der Spitze. Der Verkaufspreis eines iPhone beträgt mehr als Dreifache der Herstellungskosten. Zwar steht die Marge unter Druck, doch der Markt bietet noch einiges Potenzial. Bis 2018 soll sich das globale Volumen auf 1,4 Milliarden Smartphones verdoppeln. Überdies gibt es noch zahlreiche Telekom­anbieter, die das iPhone nur allzu gern in ihr Verkaufsprogramm aufnehmen würden — wie jüngst die Telekom-Tochter T-Mobile USA. Samsung bedient viermal so viele Kunden. Ein günstiges iPhone-Modell, das laut Gerüchten bald präsentiert werden soll, würde da gut passen.

Investor-Info

Der Konzern
iMacs, iPhones, iPads, iPods
Einen Trumpf kann Apple-Boss Tim Cook 2013 ausspielen: Es gibt noch viele Telefongesellschaften, die das iPhone ins Verkaufsprogramm nehmen wollen. Kommt etwa ein Deal mit dem größten Mobilfunker Chinas, China Mobile, zustande, dürfte der Jahresumsatz laut Morgan Stanley um fast 40 Prozent auf 214 Milliarden Dollar steigen. Auch ohne China Mobile wären es demnach 20 Prozent mehr Umsatz.

Die Aktie
Talfahrt gestoppt
Die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten für 2013 sind im Vergleich zum Vorjahr bescheiden: Die Experten rechnen mit 22 Prozent Zuwachs beim Umsatz und gut zehn Prozent Plus beim Gewinn. Die Aktie des hochprofitablen Konzerns ist — auch ohne Berücksichtigung der Cashreserven — gemessen am KGV sehr günstig. Vorsichtige warten die Zahlen ab.
ISIN: US0378331005

Bildquellen: catwalker / Shutterstock.com
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