13.05.2013 14:00
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DAX: Angst vor der Crashmarke

DAX: Angst vor der Crashmarke
Anlagestrategie
DAX-Rekord: Die Skepsis gegenüber Aktien ist nach wie vor groß, doch niedrige Zinsen und die Geldschwemme drängen Investoren in den Markt. Deshalb könnte diese Hausse andauern.
€uro am Sonntag

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Am 13. Juli 2007 herrschte ein angenehmes Klima in Frankfurt. 23 Grad warm war es in der Mainmetropole. Alle Barometer standen an jenem Sommertag vor nahezu sechs Jahren auf Hoch — auch an der Börse. Auf 8.152 Punkte kletterte der deutsche Leitindex damals. Seit vergangener Woche ist die Höchstmarke Geschichte. Bei 8.358 Punkten lag der DAX-Rekord bis Redaktionsschluss nach fulminanter Rally.

Und jetzt? Rein? Oder doch lieber raus? Fragt man Charttechniker, so ist die Antwort auf die Schlüsselfrage ziemlich klar: Das Allzeithoch ist ein Kaufsignal. Eines der stärksten, das die Analytiker historischer Kursverläufe kennen.
Die meisten Anleger haben da so ihre Zweifel. Sie wissen schließlich um den Fortgang der Geschichte, die an jenem Freitag, dem 13. des Monats, so verheißungsvoll begonnen hatte. Nach dem Hoch ging es mit dem DAX im August 2007 erst mal kräftig abwärts. Um das Jahresende unternahm der Index zwei weitere Anläufe auf die Bestmarke. Doch es wurde nichts mit einem neuen Ausbruch: Die US-Immobilienkrise und ihre Folgen verhinderten eine nachhaltige Rally. Im März 2009 fiel der DAX unter 3.600 Punkte. Mancher Börsianer interpretiert die neuen Spitzenstände denn auch nicht als Ein-, sondern als Ausstiegszeitpunkt. Schließlich stürzte der Index auch im Jahr 2000 nach seinem damaligen Allzeithoch bei 8136 Punkten ab. Vor allem Privatanleger haben mit diesen DAX-Höhen schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Der Schock der beiden Crashs sitzt tief: Die Zahl der privaten Aktien­investoren ist nach dem Crash im Jahr 2000 von gut sechs beinahe kontinuierlich auf zuletzt etwas über vier Millionen gesunken.

Profis noch in Deckung
Auch bei vielen Fondsmanagern und Vermögensverwaltern ist die Vorsicht groß. „Von Euphorie kann überhaupt keine Rede sein. Die Stimmung unter institutionellen Inve­s­toren ist für ein Allzeithoch ­ gedämpft“, sagt Gianni Hirschmüller vom Analysehaus Cognitrend. Die Frankfurter ermitteln für die Deutsche Börse jede Woche das sogenannte Sentiment für den DAX. Allenfalls leichten Optimismus macht Hirschmüller in aktuellen Befragungen unter Finanzprofis aus.

Nicht die Angst vor der unberechenbaren Börse, sondern konjunkturelle Daten nähren den Pessimismus der Profis. Viele europäische Staaten sind stark verschuldet. Südeuropa hängt in den Seilen. Neben Spanien, Portugal, Griechenland ­sowie fünf weiteren Ländern aus der Euro-Zone droht jetzt auch Frankreich in die Rezession zu schlittern. Die Industrieproduktion des wichtigsten deutschen Handelspartners sank im März dreimal so stark wie erwartet gegenüber dem Februar.

Auch die Konjunktur der Lokomotive Deutschland schwächelt. Im ­April fiel der Ifo-Geschäftsklima­index zum zweiten Mal in Folge. Drei Rückgänge des wichtigen Frühindikators gelten bereits als negative Trendwende. Die starke Produktion in der deutschen Industrie im März bestätigte zumindest die Erwartung, dass es im ersten Quartal für ein leichtes Wachstum gereicht hat.

Internationale Indikatoren sehen zurzeit alles andere als rosig aus. Der Kupferpreis etwa, der als Barometer für die künftige globale Konjunkturentwicklung gilt, ist seit Februar im Abwärtstrend. Die Notierung des Industriemetalls geriet ­unter Druck, weil die Wirtschaften großer Nachfrager wie China zuletzt an Wachstumstempo einbüßten.

Das Rekordhoch der Börse passt also nicht ins fundamentale Bild. Und dennoch könnte dem DAX womöglich ein anhaltender Frühling bevorstehen. Das wichtigste Argument für eine Fortsetzung der Hausse: Geld ist in Hülle und Fülle vorhanden. Die Zentralbanken in Europa, den USA und in Japan haben ihre Zinsen auf Rekordniedrigstände gesenkt, zuletzt schraubte die EZB den Leitsatz auf nie gesehene 0,5 Prozent herunter. Selbst in den USA, wo sich die Wirtschaft nach der tiefen Krise allmählich erholt, dürften die Zinsen noch geraume Zeit im Keller bleiben.

Achtung Anlagenotstand Großinvestoren setzt das gewaltig unter Druck: Wohin bloß mit all dem Geld? Die niedrigen Leitzinsvorgaben drücken die Habenzinsen von Sparkonten oder Tagesgeldern. Staatsanleihen sind teils riskant und bringen, falls solide, mickrige Renditen. Ähnliches gilt für Unternehmensanleihen: Die Renditen sind vergleichsweise klein, das Risiko ist mancherorts schon unappetitlich hoch. „Die Notenbanken zwingen die Investoren in risikoreichere Anlageklassen wie Aktien“, sagt Carsten Klude, Stratege bei M.M. Warburg.

Aus den niedrigen Aktienquoten dürfte sich auch der Pessimismus der Institutionellen erklären. Wer gibt sich schon euphorisch, wenn er in einem steigenden Markt an der Seitenlinie steht? Allerdings hat die Zurückhaltung der Profis auch ihr Gutes: Je weniger Großanleger investiert sind, desto weniger stehen sie als potenzielle Verkäufer bei einem Kursrutsch parat.

Gerade die Angst vor dem Risiko spricht also gegen einen Absturz. Aufwärtspotenzial dürfte hingegen dadurch entstehen, dass Finanzprofis durch die steigenden Kurse zum Kauf gezwungen werden. Fondsmanager etwa müssen sich an Indizes messen lassen. Und Vermögensverwalter können ihren Kunden nicht mehr bloß mit Festgeldern oder Staatsanleihen kommen. „Viele sind in Aktien unterinvestiert und müssen kaufen“, sagt Robert Halver, Anlagestratege der Baader Bank.

Ein Vergleich der aktuellen Bewertung zeigt, dass die vermeintliche Notlösung keine schlechte Idee sein dürfte. Die 30 Aktien im deutschen Leitindex etwa sind weitaus günstiger als im Sommer 2007. Beim bisherigen Rekordstand brachte es der DAX auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14. Jetzt liegt die Kennziffer bei moderaten zwölf. Das entspricht gerade mal dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Mit anderen Worten: Für ein Allzeithoch ist der DAX billig.

Ähnliches gilt auch für das Verhältnis des Kursstands zum Buchwert. 2007 war der Index doppelt so teuer wie alle darin enthaltenen Vermögensgegenstände der Unternehmen. Daran gemessen ist der DAX derzeit ein gutes Viertel günstiger.
Mit dem Allzeithoch hat der DAX endlich auch mit der Wall Street gleichgezogen. Der breite US-Index S & P 500 hatte bereits Mitte April ­einen neuen Rekord markiert. Auch der Dow Jones zog jetzt fast zeitgleich mit dem DAX nach.

Dabei müsste der Frankfurter ­Index längst höher notieren als die US-Pendants. Denn der deutsche Leitindex berücksichtigt auch die Dividenden der Unternehmen, ganz im Gegensatz zu den Barometern der Wall Street. Und billiger, gemessen am KGV, ist er auch.

Exportquote ist das Plus
Skeptiker müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass die Geschäfte der deutschen Großkonzerne — im Übrigen auch die der Unternehmen aus dem MDAX — trotz Flaute in Europa gut laufen. Viele Firmen weisen hohe Exportanteile aus. Vom hohen Wachstum etwa in China oder dem Aufschwung in den USA profitieren beispielsweise der Sportartikler Adidas, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer oder der Anlagenbauer Dürr.

Also jetzt investieren, auch wenn man bislang noch gar nicht drin ist? Privatanleger mit kleinerem Budget für Aktienkäufe sollten durchaus vorsichtig sein. Schließlich wäre es fatal, zum falschen Zeitpunkt zu viel zu riskieren. Das haben viele 2000 und 2007 bereits erlebt.
Ein kluge Strategie zum schrittweisen Neueinstieg in den Aktienmarkt sind Sparpläne, etwa auf Indexfonds. Anleger mindern damit ihr Risiko, weil sie nicht alles auf einmal investieren. Da lässt sich dann auch der Aktienfrühling entspannt genießen.

Investor-Info

Konjunktur
Getrennte Wege

Seit Anfang 2009 entwickelte sich der breite US-­Aktienmarkt, repräsentiert durch den S & P 500, annähernd im Gleichschritt mit dem Kupferpreis. Die Notierung des Industriemetalls gilt als recht zuverlässiger Indikator für die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Hohe Kupfernachfrage und damit -preise gelten als Indiz für Investitionen und somit für künftiges globales Wachstum. Seit Februar jedoch gehen Frühindikator und US-Markt (wie auch der DAX) getrennte Wege. Skeptiker interpretieren dies als deutliches Zeichen, dass die Börsenhausse eine vorübergehende Erscheinung bleiben dürfte — und dass der Markt irgendwann der schlechten Konjunktur mit fallenden Kursen Tribut zollen muss. 

Für Vorsichtige
Sparpläne auf Indizes

Für Neueinsteiger und Vorsichtige bietet sich die Aktienanlage per Sparplan an. Investoren können monatlich und in der Regel zu günstigen Gebühren einen konstanten Betrag in einen Wertpapiersparplan einzahlen. Anleger streuen so ihr zeitliches Risiko. Empfehlenswert sind Sparpläne auf Exchange Traded Funds (ETFs), die Indizes wie DAX (ISIN: LU 027 42 11 48 0), MDAX (DE 000 593 392 3) oder S & P 500 (IE 003 144 206 8) abbilden. ETFs sind Sondervermögen, das Emittentenrisiko entfällt im Gegensatz zu Zertifikaten. Noch ein Plus: Anleger profitieren wegen der konstanten monatlichen ­Raten davon, dass sie mehr Anteile zu niedrigeren und weniger zu höheren Kursen kaufen.

Für Mutigere
Favoriten aus DAX und MDAX

Der Sportartikelhersteller Adidas hat soeben Rekordmargen eingefahren, Umsatz und Gewinn steigen seit Jahren, weil das Unternehmen von seiner Marke, vom hohen Umsatzanteil in den USA und von den Emerging Markets profitiert. Bayer fährt auch wegen des Booms bei Agrarchemie und Saatgut dicke Gewinne ein, die Deutsche Post ist im Logistikmarkt Asien prächtig unterwegs. Im MDAX gefallen uns der ­Lackieranlagenbauer Dürr und der Roboterspezialist Kuka, die beide vom Auto- beziehungsweise Industrie­boom in China und den USA profitieren.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum
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