Geld drucken oder bankrottgehen
Alle bisherigen Maßnahmen samt Rettungsschirm führten weder aus der Schuldenkrise, noch sorgten sie für notwendiges Wachstum. Es sei höchste Zeit, dass die Notenbanken für mehr Liquidität sorgen.
Der Eurozone droht 2012 eine Rezession. Spätestens wenn in Deutschland der Abschwung spürbar wird, wächst der Druck auf die Europäische Zentralbank EZB, die Staatshaushalte zur Konjunkturankurbelung zu finanzieren. Noch in diesem Jahr wird die EZB gezwungen sein, ähnlich wie die USA, Japan und Großbritannien, für mindestens 500 bis 1.000 Milliarden Euro Staatsanleihen schwacher EU-Länder sowie Bankanleihen zu kaufen. Denn ohne die Hilfe der Zentralbank können weder Regierungen noch Banken ihre Verbindlichkeiten bedienen. Sonst droht der Super-GAU. Entweder lassen die Notenbanken die Weltwirtschaft in Geld ertrinken oder sie riskieren eine Neuauflage der großen Depression der 30er-Jahre —mit sinkendem Wohlstand, Massenarbeitslosigkeit, noch höheren Staatsschulden und sozialen Unruhen.
Massive Käufe von Staatsanleihen durch die EZB führen weder zu einer starken Inflation noch zu einer Währungsreform. Ökonomen, die das behaupten, betreiben reine Panikmache. Einzig eine boomende Wirtschaft mit gleichzeitig starken Reallohnerhöhungen und einer damit verbundenen Steigerung der Massenkaufkraft könnten einen stärkeren Anstieg der Inflation hervorrufen.
Wachsen und mehr Liquidität schaffen ist besser, als einen Bankrott der Weltwirtschaft zu riskieren. Durch rigoroses Sparen wird es zu keinem Schuldenabbau kommen. Ganz im Gegenteil, die Staatsschulden werden, wie in der 30er-Jahren, weiter ansteigen.
Jedes Wachstum beruht auf
Krediten und Verschuldung
Wir brauchen Wachstum und nicht Stillstand. Sonst ufert die Schuldenkrise noch weiter aus. Die Weltwirtschaft gleicht einem verschuldeten Unternehmen. Entweder muss sie expandieren oder irgendwann den Konkurs anmelden. Jede Rezession aber bringt den Schuldenturm zum Einsturz. Wir sind zum Wachstum verdammt, sonst können wir die andauernd steigende Schuldenlast nicht mehr bezahlen.
Und: Jedes Wachstum in einer freien Wirtschaft beruht auf immer mehr Krediten und höherer Verschuldung. Wird dieser Prozess aufgehalten, verzichtet man automatisch auf mehr Wohlstand. Auch unser Rentensystem basiert auf Wachstum. Soll dies alles zusammenstürzen, nur weil die Inflation phasenweise steigen kann? Eine Welt ohne immer mehr Schulden ist eine Illusion, die Konsequenz wäre eine erneute Depression.
Trotz Inflation erhöhte sich seit 1950 in allen Industriestaaten der Wohlstand. Die kontinuierliche Schuldenaufnahme hat Wachstum und Wohlstand geschaffen. Das soll jetzt zu Ende sein? Solange der Wert der Summe aller produzierten Güter gleich schnell oder schneller wächst als die angehäuften Schulden, besteht keine Gefahr. So gab es in der Vergangenheit in Deutschland immer wieder Inflationsschübe. In D-Mark gerechnet hat unsere Währung seit 1948 bis heute rund 95 Prozent an Wert verloren. Trotzdem hat sich der reale Wohlstand erhöht. Diese Tatsache wird von vielen Ökonomen verschwiegen.
Auch im Jahre 2012 werden die Turbulenzen an den Finanzmärkten weitergehen oder sich sogar verstärken. Sicherheit und damit Werterhalt bleiben bei der Geldanlage oberste Prämisse. Wir als Vermögensverwalter wollen mit ausreichender Liquidität jederzeit auf mögliche Gewinnchancen reagieren können. Anleger sollten sich mit ihrem Depot vorübergehend in eine Art „Warteposition“ bringen und keine größeren Risiken eingehen.
Viele Aktien sind günstig bewertet und locken momentan mit hohen Dividendenrenditen zum Einstieg. Solange aber nicht eine Gesamtlösung der Weltschuldenkrise in Aussicht steht, bleibt diese Anlageklasse zu riskant. Auch vermeintlich preiswerte Aktien können schließlich noch billiger werden. Edelmetalle wie Gold sowie andere Rohstoffe bleiben bei uns untergewichtet. Erst wenn eine echte Chance auf eine weltweite Erholung der Wirtschaft besteht, sollten Anleger wieder stärker investieren.
Wenn Preis und Lage stimmen, können Immobilien für den Eigenbedarf sinnvoll sein. Immobilien als Kapitalanlage sind angesichts hoher Preise dagegen nicht ratsam. Das Renditeniveau ist selbst in Top-Lagen verschwindend gering. Von der Idee, ein Depot à la Markowitz zu diversifizieren, halten wir nicht viel. Wer breit streut, erhöht damit keineswegs die Sicherheit. Vielmehr gilt es, sich vorübergehend immer noch auf hochliquide Staats- und Unternehmensanleihen von Schuldnern mit bester Bonitätsnote zu konzentrieren. Es ist zwar schmerzhaft, auf viel Geld zu geringen Zinsen zu sitzen, aber wesentlich schmerzhafter wäre es, damit Dummheiten anzustellen.
Zugegeben, die internationalen Finanzprobleme zu Jahresbeginn 2012 sind gewaltig. Doch im Grunde nicht viel anders als zu Zeiten Julius Cäsars, der Medici, der Fugger oder der Rothschilds. Das Geld war krank, die Staaten überschuldet und der Steuerzahler wurde nach allen Regeln der Kunst geschröpft. Heute wie damals sind private Vermögen fast immer noch denselben Gefahren ausgesetzt. Wir haben aus unserer langen Erfahrung heraus trotz aller Gefahren für die Weltwirtschaft keinerlei Weltuntergangsängste.
Warten, bis ein Euro für
50 Cent zu kaufen ist
Wirtschafts- und Finanzkrisen haben in der Vergangenheit immer wieder eine neue Generation von Millionären hervorgebracht. Wer Bargeld in sicherer Form besitzt und einsteigen kann, wenn die Preise für Aktien, Immobilien und andere Sachwerte weiter fallen, kann sich heute schon zu ihnen rechnen. Die größten Chancen für Investoren ergeben sich für den weitsichtigen Investor nur dann, wenn es an den Finanzmärkten donnert und blitzt. Doch die meisten Anleger verlässt in solch stürmischen Zeiten meist der Mut.
Eines unserer Grundprinzipien lautet: Wer mit Aktien dauerhaft Geld verdienen will, muss an der Börse geduldig warten, bis er einen Euro für 50 Cent einkaufen kann. Nur wer Qualitätsaktien zu vernünftigen Preisen kauft, kann auch über das Jahr 2012 mit diesen das meiste Geld verdienen.
Geduld zu haben und den richtigen Augenblick zu nutzen, bedeutet im Finanzgeschäft alles. Erst bei einem drohenden Konkurs der Weltwirtschaft hören Politiker, Notenbanken und Ökonomen auf zu träumen. Aus Angst vor politischen Folgen einer Massenarbeitslosigkeit werden sie erfahrungsgemäß zum Handeln gezwungen. Und steht ihnen wieder einmal das Wasser bis zum Hals, werden sie die Notenpresse voll in Gang setzen.
Erst wenn sich handfeste Lösungsansätze zur Bewältigung der Krise herauskristallisieren — was schon bald passieren könnte — sind wir bereit, an den Finanzmärkten zu investieren. Für kluge Investoren sind Finanzkrisen oftmals der beste Nährboden für hohe Kapitalgewinne. Es reichen auch in Zukunft wenige Entscheidungen an den Finanzmärkten, um ein Vermögen dauerhaft zu vermehren. Für erfahrene Investoren entstehen aus der Weltschuldenfalle genug neue Chancen.
Kredit und Leistung
Die Historie zeigt: Zwar sind die Staatsschulden seit 1955 deutlich angestiegen (hier das Beispiel der USA), allerdings verlief die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, also der Wirtschaftsleistung, bis zum Jahr 2000 noch besser – trotz Zeiten mit starker Inflation. Nun ist die Politik gefragt. Denn ohne Wachstum, auch durch Kredite, droht Rezession, die eine Entschuldung unmöglich macht.
(PDF)
Zur Person:
Eckart Langen von der Goltz,
Gründer und
Gesellschafter
von PSM
Geboren in Berlin und aufgewachsen in München, studierte Langen von der Goltz an
der dortigen Universität Volkswirtschaft. 1965 gründete er die PSM Vermögensverwaltung.
Die Münchner PSM ist eine der ältesten bankenunabhängigen Vermögensverwaltungen Deutschlands. Aktuell verwaltet PSM rund 800 Millionen Euro Kundengelder. Bis auf 2011 mit einem Minus von 0,35 Prozent erzielte das PSM- Privatdepot seit dem Beginn im Jahr 1999 eine stete Wertsteigerung ohne ein Verlustjahr.



