19.12.2012 12:04
Bewerten
 (2)

Asmussen fordert Weiterentwicklung der Währungsunion im Jahr 2013

    FRANKFURT (dpa-AFX) - EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat die Wirtschafts- und Währungsunion als ein unvollkommenes Projekt bezeichnet und die Weiterentwicklung im Jahr 2013 gefordert. "Die Schaffung einer echten Finanzmarktunion und die Stärkung der Wirtschaftsunion müssen 2013 unsere obersten Prioritäten sein", sagte Asmussen am Dienstagabend in Frankfurt. Nach der jüngsten Beruhigung der Finanzmärkte, müssten auch die grundlegenden Herausforderungen des Euroraums angegangen werden.

 

    Zunächst gebe es jedoch Grund zu "verhaltenem Optimismus", sagte Asmussen. "Die Sorge vor katastrophalen Extremereignissen hat abgenommen." Noch zu Jahresbeginn 2012 hätten viele Ökonomen ein Ausscheiden von Ländern wie Griechenland oder Portugal aus der Eurozone erwartet. Die Beruhigung sei teilweise auf die Maßnahmen der EZB zurückzuführen und hier vor allem das Anleihekaufprogramm OMT. Aber auch wichtige Veränderungen auf der politischen Ebene des Eurogebiets hätten zu dieser Entwicklung beigetragen. "Am bedeutendsten ist hierbei die Erkenntnis der Euroländer, dass die Wirtschafts- und Währungsunion ein unvollkommenes Projekt ist."

 

    Asmussen begrüßte die Verpflichtung des Europäischen Rats in der vergangenen Woche eine echte Finanzmarktunion im Eurogebiet zu errichten. Die erzielte Einigung der EU-Finanzminister auf eine einheitliche Bankenaufsicht reiche für sich genommen aber nicht aus. "Eine Finanzmarktunion muss einen Aufsichtsmechanismus und einen einheitlichen Abwicklungsmechanismus umfassen", sagte das Direktoriumsmitglied. Mit diesem Abwicklungsmechanismus für Banken dürften die Risiken für die Steuerzahler vermindert werden. Die Kosten könnten zunächst durch einen von der Branche finanzierten Abwicklungsfonds finanziert werden. Bei einer Abwicklung sollen Mittel der öffentlichen Hand auf europäische Ebene nur im allerletzten Schritt ins Auge gefasst werden. Diese Aufgabe sollte dann der Rettungsfonds ESM übernehmen.

 

    Die zweite große Aufgabe für das Jahr 2013 sieht Asmussen im Aufbau einer Wirtschaftsunion, um die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten zu stärken. "Wir sehen einige Fälle, bei denen die rasche Umsetzung zielgerichteter Reformen sogar auf kurze Sicht eine große Wirkung zeigen könnte." So brauche Italien Gütermarktreformen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, und Spanien Arbeitsmarktreformen. Mit Reformverträgen sollten sich alle Staaten der Währungsunion zu Strukturreformen verpflichten und bei Einhaltung der Verpflichtungen finanzielle Hilfe auf europäischer Ebene erhalten.

 

    Mit Blick die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs zeigte sich Asmussen zuversichtlich. "Die Eurozone braucht ein wirtschaftlich starkes und gesundes Frankreich." Sonst kann die Währungsunion nicht funktionieren. "Das wissen die Franzosen, und daher bin ich sicher, dass sie die nötigen Reformen anpacken werden."

 

    Weiteren Handlungsbedarf von Seiten der EZB sieht Asmussen zunächst nicht. "Strukturelle Probleme können nur von den Staaten gelöst werden." Auf die Frage nach einer möglichen weiteren Leitzinssenkung sagte Asmussen. "Die Geldpolitik der EZB ist bereits sehr akkommodierend." Der Leitzins liegt derzeit bei einem Rekordtief von 0,75 Prozent. Er warnte zudem davor, den Einlagensatz in den negativen Bereich zu drücken. "Ich bin sehr zurückhaltend dies zu tun."/jsl/jkr

 

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

Nach Brexit-Entscheid: DAX geht mit kräftigem Abschlag ins Wochenende -- US-Börsen massiv im Minus -- Briten stimmen für EU-Ausstieg -- Staatsanwaltschaft durchsucht Zentrale von thyssenkrupp

Erneut Warnstreiks bei Amazon in Leipzig. Lufthansa Cargo verlangt von Mitarbeitern Gehaltsverzicht. Deutsche Post verliert Finanzvorstand Rosen. Aktiencrash hat offenbar fünf Billionen Dollar vernichtet. Brexit Step-by-step: So geht's für die Briten jetzt weiter.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Der World Wealth Report 2016
Hier ist Leben preiswert!

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Marke ist die teuerste?
Volatilität in Schwellenländern
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Welches Land gewann am häufigsten die europäische Fußballkrone?
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Am Donnerstag, den 23. Juni blicken die Anleger mit Spannung auf das EU-Referendum der Briten. Welchen Ausgang erwarten Sie?