07.12.2012 03:00
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Reckitt Benckiser: Vitaminschub aus den USA

Reckitt Benckiser: Vitaminschub aus den USA
Attraktiver Pharmawert
Mit der Übernahme des Vitaminspezialisten Schiff Nutrition sichert sich der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser die Eintrittskarte zu einem lukrativen Wachstumsmarkt.
€uro am Sonntag

von Julia Groß, Euro am Sonntag

Eigentlich ein hübsches Vorweihnachtsgeschenk: Ende November hat der amerikanische Vitaminpillenproduzent Schiff Nutrition 17 Millionen Euro auf das Konto des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns Bayer überwiesen. Die Freude darüber dürfte sich bei Bayer-Boss Marijn Dekkers jedoch in Grenzen halten. Denn der Millionenbetrag ist nur das Trostpflaster dafür, dass der britische Konsumgüterriese Reckitt Benckiser ihm Schiff vor der Nase weggeschnappt hat. Für rund 1,1 Milliarden Euro kauft der Hersteller von Calgon, Sagrotan und Clearasil die Nahrungsergänzungsmittelfirma aus Salt Lake City. Reckitt überbot Bayer, wo man die Übernahme bereits in trockenen Tüchern wähnte, damit um gut 270 Millionen Euro.

Einmal mehr bewiesen die Briten ihren guten Riecher und die nötige Durchsetzungskraft, was Akquisitionen angeht. Der seit September 2011 amtierende Reckitt-Benckiser-Vorstandschef Rakesh Kapoor vergrößert das Gesundheits- und Hygiene­segment des Konzerns erheblich. Damit stellt er die Weichen für stabiles Wachstum in den kommenden Jahren.

Sinnvolle Diversifikation
Schiff Nutrition ist für Reckitt eine perfekte Ergänzung. Denn die in erster Linie auf dem US-Markt aktive Firma verkauft neben Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren auch die äußerst beliebten „Airborne“-Vitaminmischungen gegen Erkältungen, die in den Vereinigten Staaten häufig an der Supermarktkasse liegen. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Schiff einen Umsatz von 385 Millionen US-Dollar bei 22 Prozent Gewinnmarge vor Steuern und Abschreibungen. Für das Marktsegment, in dem Schiff sich hauptsächlich bewegt, rechnen Branchenbeobachter bis mindestens 2017 mit einem Wachstum von fünf Prozent pro Jahr.

Reckitt Benckiser kann mit dem Zukauf seine Abhängigkeit vom Haushalts- und Reinigungsmarkt reduzieren. Dieser wächst mit zwei bis drei Prozent deutlich langsamer. ­Außerdem verstärkt der Konzern durch die Übernahme sein Produktportfolio für die Märkte in den Schwellenländern. Dort wollen die Briten bis 2016 die Hälfte ihres Netto­umsatzes erzielen. „Die Nahrungsergänzungsmittel profitieren von der demografischen Entwicklung. In den Industrieländern zählen sie immer häufiger zur täglichen Versorgung einer alternden Bevölkerung. Und auch in den Entwicklungsländern achten die Konsumenten zunehmend auf Gesundheit und Wohlbefinden“, erklärt Reckitt-Chef Rakesh Kapoor.

Weltweite Liberalisierung
Weltweit ist außerdem eine Liberalisierung des Markts für rezeptfreie Medikamente zu beobachten. „Die Zahl der Medikamente, die vom rezeptpflichtigen zum rezeptfreien Status wechseln, wächst“, sagt Citigroup-Analystin Claire de Groot. „Auch Vertriebshürden fallen, der Trend geht zum Verkauf außerhalb von Apotheken.“ Selbstmedikation wird bei den Konsumenten immer beliebter. Dabei greifen sie auch gern zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren, denen eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System nachgesagt wird.

Auch bei Unternehmen aus der Pharma- und Chemiebranche weckt der attraktive Markt für rezeptfreie Medikamente neue Begehrlichkeiten. Viele Pharmakonzerne haben zuletzt ihre Aktivitäten im rezeptfreien Bereich ausgeweitet, auch durch Zukäufe. Erst vor wenigen Tagen machte BASF ein Angebot zum Kauf der norwegischen Firma Pronova, die ebenfalls Omega-3-Fettsäuren herstellt. Und der niederländische Chemiekonzern DSM gab in den vergangenen Monaten 2,4 Milliarden Euro für neun Übernahmen im Bereich Nahrungsergänzung und Nahrungszusatzstoffe aus, darunter auch die beiden Omega-3-Spezia­listen Ocean Nutrition Canada und Martek Biosciences.

Gute Erfahrungen
Reckitt Benckiser verfügt über eine ausgezeichnete Erfolgsbilanz bei der Integration von Zukäufen und der Realisation von Synergie­effekten. Bei Schiff Nutrition hat Vorstand Kapoor bereits zwei Schlüsselfaktoren identifiziert, welche die Briten nutzen wollen.

Schiff verkauft überwiegend in den USA und über große Einzelhändler wie Walmart und Costco. Reckitt ist aber auch in Drogeriemärkten stark vertreten und möchte diese Vertriebsschiene für Vitaminpillen nutzen. „Außerdem sehen wir ganz klar internationales Potenzial für Schiffs Marken“, sagt Kapoor, der schon Produktlinien wie Clearasil zu führenden Positionen in ausländischen Märkten verholfen hat. Global wird der Nahrungsergänzungsmittelmarkt auf 23 Milliarden Euro geschätzt. Da lassen sich ein paar Millionen für Bayer leicht verschmerzen.

Investor-Info

Reckitt Benckiser
Solide und beständig

Der Kauf von Schiff Nutrition zum 4,3-Fachen des Umsatzes der vergangenen zwölf Monate ist teuer, sollte sich aber lohnen. Denn das attraktive Vitaminsegment sorgt für eine Zusatzportion Wachstum in Reckitts solidem und beständigem Geschäft. Außerdem rückt er den einstigen Putzmittelriesen wieder ein Stück weiter in Richtung Gesundheits- und Körperpflegekonzern — und das rechtfertigt auch eine höhere Bewertung an der Börse. 

Bildquellen: Reckitt Benckiser, Adam Michal Ziaja / Shutterstock.com

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