aktualisiert: 03.07.2012 15:53
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Kuka: Diese Trennung könnte sich lohnen

Kuka kann`s: 2011 schaffte der Konzern das beste Ergebnis in der Firmengeschichte
Attraktiver Roboterkonzern
Der Roboterkonzern will seine Abhängigkeit von der Autobranche reduzieren. Geht der Plan des Vorstands auf, steigt die Gewinnmarge deutlich.
€uro am Sonntag

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Stolz bilanzierten Vorstandschef Till Reuter und der scheidende Finanzvorstand Stephan Schulak im März die Sanierung des einst finanziell angeschlagenen Augsburger Roboterbauers Kuka: „Mission erfüllt“, meldete Schulak. Im Branchenrekordjahr 2011 schaffte der Konzern das beste Ergebnis in der Firmengeschichte. Und auch 2012 sind die Schwaben gut gestartet. Im Mai wurde die Umsatzprognose von mindestens 1,44 auf 1,5 Milliarden Euro erhöht, etwas mehr als im Rekordjahr 2011.

Erstmals seit dem Einstieg der Grenzebach-Maschinenbau-Gruppe, die den Kuka-Vorstand im Jahr 2009 verschlankte und neu besetzte, schreibt der Konzern wieder schwarze Zahlen. Ab diesem Jahr soll Kuka wieder in der Lage sein, regelmäßig Dividende zu zahlen. Doch der Vorstand hat mehr vor: Die Gewinnmargen sollen steigen.

Großaktionär hilft im Hintergrund
Noch immer sind die Augsburger, die 75 Prozent ihres Umsatzes mit der Autoindustrie machen, stark abhängig von einer Branche und noch immer sucht Kuka einen Partner für seine Anlagenbausparte Systems.

Dort liefert Kuka schlüsselfertige Produktionsstraßen, jüngst eine Fertigungsstraße für Volkswagen in China und eine automatisierte Schweißanlage für einen russischen Hersteller von Güterwaggons. Mit einem Partner soll die Profitabilität des Kuka-Anlagebaus verbessert werden. Die für 2012 geschätzte operative Marge der Sparte liegt bei 4,5 Prozent. Das ist viel niedriger als in der Robotik mit 9,3 Prozent.

Kuka-Großaktionär Grenzebach, der 24,5 Prozent der Anteile hält, arbeitet im Hintergrund bereits an einer möglichen Lösung für Kukas Mission. Der mittelständische Hersteller von Maschinen und Steuerungsanlagen für die Flachglas- und Baustoffindustrie erhöhte Ende Mai seinen Anteil am Logistikspezialisten Swisslog auf elf Prozent. Die beiden Unternehmen haben in der Schweiz und Italien inzwischen gemeinsame Projekte gestartet.

Berenberg-Bank-Analyst Stephan Klepp sieht in Grenzebachs schweizerischem Vorstoß auch „die Chance, Kukas verbliebene Probleme auf einen Schlag zu lösen. Mit klaren Vorteilen für beide, Kuka und Swisslog“. Der Clou wäre, Kukas Systems-Sparte „unter dem Dach der Swisslog unterzubringen und die Augsburger im Gegenzug via Aktien an Swisslog zu beteiligen“, sagt Klepp.

Der schuldenfreie Schweizer Konzern mit einer soliden Eigenkapitalquote ist ein Spezialist für Logistikroboter und automatisierte Warenlager für Konzerne wie Walmart, Coca-Cola, Ikea, Pfizer oder Roche. Es gäbe also keine Überschneidungen mit Kukas Anlagenbausparte.

Swisslog würde seinen Umsatz und operativen Gewinn damit mehr als verdoppeln. Die Nummer 4 mit drei Prozent Marktanteil bei automatisierten Warensystemen würde ­ihren Abstand auf die Nummer 1 ­Dematic, mit acht Prozent, deutlich verkürzen. Kukas Beteiligung an Swisslog „würde zwischen 30 und 49 Prozent liegen“, erwartet Klepp.

Weniger Auto, höhere Marge
Kukas Systems-Sparte ist auf Fertigungsstraßen für Autokarosserien, -motoren und -getriebe konzentriert. Ihre Ausgliederung würde die Abhängigkeit des Konzerns von der Automobilindustrie erheblich reduzieren. In der Robotik machen die Schwaben die Hälfte ihres Geschäfts mit Kunden außerhalb der Autoindustrie. Über die Beteiligung bliebe Kukas Einfluss auf den Roboteranlagenbau aber erhalten.

Die Schwaben würden 58 Prozent des für 2013 erwarteten Umsatzes und 30 Prozent des operativen Gewinns (Ebit) abgeben. Auf der Haben-Seite könnten sie jedoch höhere Margen verbuchen. „Die operative Marge würde von sechs auf gut zehn Prozent steigen“, schätzt Analyst Klepp. Grund: Kukas Beteiligung würde als Einkommen gewertet, und es fielen weniger Steuern und Zinsen an. An der Börse würde die Fokussierung auf Roboter eine höhere Bewertung rechtfertigen und Kurspotenzial freisetzen. Die Mission wäre auch aus Sicht des Großaktionärs erfüllt.

Investor-Info

Kuka – Der Konzern
Autoindustrie beflügelt

Der hohe Auftragseingang aus der Autoindustrie sorgt für Optimismus beim Augsburger Roboterbauer. Im ersten Quartal stiegen die Bestellungen um mehr als 50 Prozent auf 603 Millionen Euro. Wegen der Modellwechsel im ersten Halbjahr profitiert davon vor allem Kukas Anlagenbausparte Systems, die komplette Fertigungsstraßen liefert. Rund 80 Prozent des Spartenumsatzes kommt mittlerweile aus der Autobranche. Diese ist mit 1.200 Robotern pro 10.000 Mitarbeiter am stärksten automatisiert. In anderen Industrien sind es maximal 350 Roboter. Die Angebotspalette von Kuka-Systems mit 890 Millionen Euro Umsatz (1,5 Milliarden Euro im Gesamtkonzern) soll um Luftfahrtkunden und Logistiklösungen erweitert werden. Diesen Schritt würde Kuka-Chef Till Reuter auch mit einem Partner gehen, etwa dem Logistikspezialisten Swisslog. Mit 14.500 Robotern pro Jahr ist Kuka mit ABB zweitgrößter Hersteller nach Fanuc in Japan mit 18.000 Robotern.

Kuka – Die AKtie
Auf Erholungskurs

Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 15 Prozent zugelegt. Die jüngsten Sorgen über ein Abflauen des Autobooms dürften sich, wenn überhaupt, mit Verzögerung auf das Geschäft des Roboterbauers auswirken. Für 2012 erwarten Analysten beim Nettogewinn ein Plus von 50 Prozent auf 45,1 Millionen Euro, für 2013 nur noch elf Prozent mehr. Der Umsatz soll im laufenden Jahr um fünf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigen. Bei der für 2013 erwarteten Wiederaufnahme der Dividendenzahlung wird mit 20 Cent pro Aktie gerechnet. Kaufen.

Swisslog – Der Konzern
Solide Bilanz

Das Kursniveau, aktuell weniger als ein Euro, sagt wenig über die Qualität des Unternehmens aus. Die Eigenkapitalquote liegt bei guten 38 Prozent, Swisslog ist schuldenfrei, und die Anlageinvestitionen sind im Vergleich zum Umsatz (umgerechnet 530 Millionen Euro) gering. Rund 65 Prozent davon werden mit Logistiksystemen für 2.000 Kunden erwirtschaftet, darunter große Namen wie Pfizer, Walmart und Coca-Cola. Weitere 35 Prozent bringen Warensysteme in weltweit 3.000 Krankenhäusern.

Swisslog – Die Aktie
Schweizer Ehrgeiz

Nach einem Kursplus von 45 Prozent seit Jahres­anfang folgten moderate Gewinnmitnahmen. Die Schweizer haben ein Programm gestartet, um die operative Marge (Ebit) von 3,2 auf nachhaltig fünf Prozent zu heben. Der historische Durchschnitt liegt bei 4,1 Prozent. Hohe Dividendenrendite. Kaufen.

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