09.08.2013 13:00
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China: Auf dem Weg zum größten Automarkt der Welt

Die Hälfte der Millionenstädte in China ist noch unerschlossen
Audi-Strategie „Go West“
Audi-Chef Rupert Stadler sieht den chinesischen Markt noch längst nicht als ausgereizt an. Seiner Meinung nach ist die Hälfte der Millionenstädte noch unerschlossen.
von Dietmar Stanka, Euro Magazin

Mit der Strategie „Go West“ will Audi-Chef Rupert Stadler im fernen Osten einer möglichen Verlangsamung des Wachstums entgegenwirken. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft von Audi und First Automotive Works (FAW) in Changchun skizzierte Stadler die teils noch unerschlossenen Marktpotenziale im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Der Anteil von Premium-Fahrzeugen in Zentral- und Westchina liegt teilweise deutlich unter fünf Prozent. Im Landesdurchschnitt sind es neun Prozent.

Audi ist erst etwa in der Hälfte der rund 300 Stadtregionen Chinas mit mehr als einer Million Einwohnern vertreten. Dietmar Voggenreiter, Geschäftsführer von Audi China, machte deshalb deutlich, dass 50 Prozent aller Händlerneugründungen im sogenannten Hinterland stattfinden werden. Da in einigen Metropolen des Landes, etwa Peking und Shanghai, die Grenze des möglichen Wachstums durch Zulassungsrestriktionen praktisch erreicht sei, seien in den zentralen und westlich gelegenen Provinzen noch erhebliche Zuwächse möglich.

Derzeit eröffnet Audi in China im Schnitt jede Woche einen neuen Händlerbetrieb. Im Moment ist die Marke mit den vier Ringen mit 300 Handelsbetrieben in 135 Städten präsent. Bis Ende 2013 soll die Zahl auf 400 ansteigen. 2020 rechnen Stadler und Voggenreiter mit mehr als 700 Audi-Händlern im Reich der Mitte. Allein in den zurückliegenden drei Jahren verkaufte Audi dort eine Million Autos – so viel, wie in den ersten 22 Jahren nach dem Markteintritt. Allein 2012 wurden mehr als 400.000 Neufahrzeuge abgesetzt. In diesem Jahr soll dieser Rekord erneut gebrochen werden.

Dass trotz düsterer Konjunkturprognosen Aufbruchstimmung herrscht, wird in der Audi City in Peking deutlich. Am Oriental Plaza im Bereich eines Luxus-Einkaufszentrums und Fünf-Sterne-Hotels gelegen, gibt sie einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Automobilkaufs. Im zweistöckigen Showroom mit virtuellen Powerwalls können technikbegeisterte Kunden ihr Wunschfahrzeug konfigurieren und es bis ins kleinste Detail betrachten. Die starke Resonanz spiegelt sich in den Bestellungen bei den 19 in Peking angeschlossenen Handelsbetrieben wider.

Bei einem Besuch des Audi-Händlers Huanyuhengtong in Peking wird deutlich, dass trotz eines weltweit einheitlichen Auftritts der Marke regionale Unterschiede existieren. So legen Kunden in China mehr Wert auf den Blick hinter die Kulissen. Die Werkstatt ist deshalb offen gestaltet, Autobesitzer können durch eine große Glasfläche von der Wartelounge die Fortschritte der Wartungs- oder Reparaturarbeiten beobachten.

Neben dem Absatz von Neufahrzeugen gewinnt der Gebrauchtwagenmarkt in China immer mehr an Bedeutung. Geschäftsführer Voggenreiter zufolge stieg hier das Volumen zwischen 2006 und 2012 von 1,9 auf 4,8 Millionen. Mit 40 eigenen Gebrauchtwagenzentren sowie 240 Vertragshändlern hat sich Audi auf diesem Wachstumsmarkt bereits jetzt ein großes Stück des Kuchens gesichert. Im Gegensatz zu großen Gebrauchtwagenzentren, wie dem Huaxiang Trading Market in Peking, gibt es bei einem Audi-Gebrauchtwagenhändler eine 10-Punkte-Garantie, die unter anderem eine professionelle Aufarbeitung des Fahrzeugs und eine landesweite 1-Jahres-Garantie bis 20.000 km einschließt.


Audi Q3
Begonnen hatten die China-Aktivitäten der Ingolstädter 1988 mit dem in Kooperation mit FAW gebauten Audi 100. Heute laufen die eigens für den chinesischen Markt entwickelten Langversionen A6 L und A4 L in dem Werk in Changchun vom Band, außerdem der Q3 und der Q5, beide Marktführer in ihrem Segment. Für eine größere im Land produzierte Flotte werden ab Anfang 2014 die A3 Limousine sowie der A3 Sportback in Foshan produziert. Ebenfalls im Joint Venture mit FAW wird quasi nebenan der VW Golf gebaut.

Auch wenn die Jahre des stürmischen Wachstums vorbei sind, betonte Dominique Boesch, Geschäftsführer der Audi Sales Division bei FAW-Volkswagen, im Gespräch mit unserer Redaktion die Bedeutung des chinesischen Markts. So entwickelte sich aus einer Wachstumsphase von 2003 bis 2007 über eine Boomphase zwischen 2008 und 2010 nunmehr eine Reifephase mit etwas geringeren, dennoch stetigem Wachstum. Wurden 2003 gerade einmal zwei Millionen Fahrzeuge abgesetzt, werden es 2013 über 14 Millionen sein. Damit liefert sich China ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den USA um den Titel „größter Automarkt der Welt“.

Innerhalb von 25 Jahren hat sich Audi in China als Premium-Hersteller Nummer 1 etabliert. Mit der Eröffnung des zweiten Werks wird die im Land produzierte Produktvielfalt größer und damit für viele Chinesen auch bezahlbarer. Zudem wurde Anfang 2013 das Audi R&D Center Asia in Peking eröffnet. Das erste vollwertige Entwicklungszentrum außerhalb Europas kümmert sich insbesondere um die Belange asiatischer Kunden. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit der Eingabe von 43.000 chinesischen, japanischen und koreanischen Schriftzeichen über das Navigations-Touchpad.

Bildquellen: GuoZhongHua / Shutterstock.com
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