13.08.2012 03:00
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Investmentbanker Manley: Ein Schuss Wahnsinn

Investmentbanker Manley steht auf seine Ranch
Auf Ranchbesuch
Der Chairman und Gründer von Atlantic-Pacific Capital, Jim Manley, hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt: eine Ranch in den Rocky Mountains. Doch das Cowboyspielen reicht ihm nicht mehr. Aus seinem Landsitz will er die beste Lodge Amerikas zimmern.
von Michael Hannwacker, €uro am Sonntag

Die Sonne scheint in nachmittäglich geneigtem Winkel und wirft dramatische Schatten auf die unberührte Landschaft im Südwesten des US-Bundesstaats Montana. Noch ist es ist nicht zu spät für eine Wanderung in Richtung „Top of the World“. So hat Jim Manley (58) den nicht mal höchsten Gipfel seines weitläufigen Landbesitzes getauft — wegen des erhabenen Rundblicks. Bevor wir losgehen, setzt er sich einen breitkrempigen Stetson auf und schnallt sich seinen Colt um — eine Replik einer historischen 45er. „Wir könnten auf Berglöwen stoßen“, behauptet er, „oder auf einen Grizzly.“ Aber eigentlich ist klar, dass der Chairman und Gründer von Atlantic-Pacific Capital nur ein bisschen Cowboy spielen will. Schließlich hat er sein ganzes Leben davon geträumt. Jedenfalls mehr als davon, Investmentbanker zu werden.

Manleys Unternehmen preist sich als weltweit „größte unabhängige globale Platzierungs- und Beratungs­gesellschaft für alternative Investmentfonds“. Er selbst nennt es etwas bescheidener eine „Boutique-Investmentbank“. Im Lauf der Jahre hat Atlantic-Pacific Capital Geschäf­te im Wert von 50 Milliarden Dollar abgewickelt, auch in Deutschland. Vor einem Jahr etwa wurde der Immobilienfonds Activum SG II geschlossen, nachdem Investoren 238 Millionen Euro zugesagt hatten — 38 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Der Fonds investiert vornehmlich in deutsche Immobilienwerte, die unter Druck ­geraten sind und deshalb umstrukturiert werden.

Hauptsitz der Investmentgesellschaft ist Greenwich, Connecticut, die inoffizielle Hedgefonds-Hauptstadt der USA (und seit vergangenem September auch Wohnsitz der Familie zu Guttenberg). Filialen unterhält sie in Manhattan, Chicago, San Francisco, London und Hongkong.

Aber eigentlich, hat Manley festgestellt, lässt sich die Firma, zumindest sporadisch, auch von seiner über 24 Quadratkilometer großen Ranch „in the middle of nowhere“ führen — 15 Meilen entfernt von der nächsten Ortschaft: Philipsburg, 914 Einwohner.

Per Telefon und E-Mail kontrolliert er dann sein Imperium von einem kleinen Blockhaus am Rock Creek aus. Klar, er hat in seiner Jugend zu viel „Bonanza“ geschaut, die berühmte Westernserie um Hoss und Ben Cartwright und ihre Ponderosa-Ranch. Aber wie auch nicht? „Damals, in den frühen Sechzigern“, erinnert sich Manley, „waren die meisten Fernsehserien Western.“ So ist er infiziert worden. „Ich wollte immer Cowboy sein.“ Am liebsten auf einer eigenen Ranch.

In bester Gesellschaft
Manley ist nicht der einzige wohlhabende Amerikaner, der sein Geld in die urtümliche Wildnis der Vereinigten Staaten steckt. Ted Turner hat schon vor 25 Jahren damit angefangen. Der legendäre Gründer des Nachrichtensenders CNN gilt als zweitgrößter Grundbesitzer in den USA. Über 8.000 Quadratkilometer sollen ihm gehören, verstreut über sieben Bundesstaaten.

Manley suchte eher Klasse statt Masse. Leicht jedenfalls hat er es sich mit der Suche nach seiner Ranch nicht gemacht. „Ich habe gut 20 Jahre damit zugebracht und bestimmt über 500 Farmen gesehen.“ Allerdings hatte der vierfache Vater auch jede Menge Vorgaben, hinter die er ein Häkchen machen wollte: Sein Land sollte frei sein von giftigen Schlangen (eine Bedingung seiner Frau), kein nicht in den Wilden Westen passendes Bauwerk durfte von irgendeinem Punkt der Ranch die Aussicht trüben, und ein Fluss sollte mitten durch das Grundstück fließen — ganz so wie in Robert Redfords ­oscarprämiertem Fliegenfischerepos „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ aus dem Jahr 1992.

Dann, 2007, rief ihn ein Makler an und sagte: „Jim, ich glaube, ich habe gefunden, was du suchst.“ Noch am selben Tag flog er in Richtung Rocky Mountains nach Missoula, Montanas zweitgrößte Stadt, setzte sich für die eineinhalbstündige Fahrt ins Auto, ritt, schritt und flog einen Tag lang kreuz und quer über die Ranch am Rock Creek — und schlug zu.

Dabei lag der Preis, den Vorbesitzer Max Watson, der ehemalige Finanzchef von BMC Software in Houston, Texas, verlangte, deutlich über Manleys Limit (genaue Zahlen verschweigt er, Quellen sprechen von 25 Millionen Dollar).

Auch dass kurz danach die Finanzkrise ausbrach, konnte seinen Elan nicht bremsen. Wie viel seiner Arbeitszeit er damals in den Ausbau seiner Wild-West-Vision gesteckt hat? „Gut 20 Prozent werden es schon gewesen sein.“

Relativ bald war klar, dass Manley seinen Privatbesitz auch als Gästehaus betreiben würde. „Irgendwann sind alle Freunde und die ganze ­Verwandtschaft zu Besuch gewesen und haben sich sattgesehen. Und dann werden Sie einsam“, erklärtber eine halbe Meile vor Top of the World. Außerdem: Ohne Dauerbetrieb würden sich die Angestellten langweilen, wenn der Besitzer nicht da ist.

Also baute Manley weitere Un­terkünfte — Holzhütten im Tal und Zelte am Ufer des rauschenden Flusses. Für die Inneneinrichtung engagierte er die für ihren teuren Western-Style gefeierte Innenarchitektin Jet Zarkadas und öffnete im Mai 2010 die Ranch at Rock Creek für zahlende Gäste (www.theranchat rockcreek.com).

Vorarbeiter aus Deutschland
Aus dem Investment ins Privatvergnügen ist inzwischen ein Unternehmen mit vehementem Interesse an schwarzen Zahlen geworden. Manley hat den Ehrgeiz, aus seiner Ranch nichts weniger als die beste Lodge der USA zu machen. Helfen sollen ihm dabei seine „German managers“, seine deutschen Vorarbeiter: Mary und Tom Kilgore, die seit Frühjahr die Geschäfte in der Ranch at Rock Creek führen.

Die Kilgores kennen sich aus mit wahr gewordenen Jungenfantasien schwerreicher Männer: Zuvor haben sie fünf Jahre lang Laucala geleitet, ein exklusives Resort auf einer privaten Südseeinsel im Besitz des österreichischen Red-Bull-Milliardärs Dietrich Mateschitz.

Bisweilen hilft Manley die entspannte Atmosphäre auf der Ranch sogar, bei Problemen mit einem Partner oder Klienten die Wogen zu glätten. Erst vergangene Woche sei dies passiert, sagt Manley, in der Regel sei dies aber die Ausnahme. Er wolle mit einem Ranchaufenthalt niemanden bestechen. Allerdings lade er ­regelmäßig Mitarbeiter von Atlantic-Pacific ein. „Das verbessert die Arbeitsatmosphäre.“

Teure Spiele
„Die Leute kommen hierher, um zu spielen“, weiß Manley aus eigener Erfahrung. Wer nicht eingeladen ist, braucht allerdings ausreichend Spielgeld: 950 Dollar kostet das preiswerteste Doppelzimmer. „River“, eine Blockhütte mit Platz für sechs Erwachsene, kostet fast das Achtfache. Hinzu kommen 20 Prozent „Ranchgebühr“, fällig bei Buchung.

Und wie hat Manley seine Raten kalkuliert? „Ich habe bei einigermaßen vergleichbaren Ranches angerufen, nach den Preisen gefragt und 200 Dollar obendrauf gesattelt.“
Fairerweise sei vermerkt, dass der Betrag nicht nur die Übernachtung für zwei Personen und drei anspruchsvolle Mahlzeiten inklusive Getränken abdeckt. Eingeschlossen sind auch sämtliche Angebote, die den Gästen den Extrakick an Cowboyromantik geben sollen. „Die Leute wollen ja beim Tontaubenschießen nicht darüber nachdenken, dass sie jeder Schuss zwei Dollar kostet. Sie wollen Spaß haben.“

Die hohen Übernachtungspreise haben — mal abgesehen von hohen Einnahmen — auch noch einen anderen Vorteil: Sie garantieren Manley, dass er bei seinen Stippvisiten unter Seinesgleichen bleibt. Bei unserem Besuch wechselten wir sozusagen die Pferde mit einem Studioboss aus Hollywood, übernahmen die Fliegenfischerangel von Teenie­star Zac Efron und verfolgten mit einer Erbin des Schlagzeugherstellers Ludwig eine Rodeo-Show.

„Wir brauchen Leute, die unseren Traum teilen“, sagt Jim Manley in typisch amerikanischer Manier und genießt den Blick vom Gipfel seiner Welt. „Nur dann lebt die Ranch.“ Und damit lebt auch der Kindheitstraum des Investmentbankers weiter.

zur Person:

James E. Manley
Im Dezember 1953 als eins von neun Geschwistern in Fair Haven, New Jersey, geboren, studierte er nach einem Bachelor of Science an der Arizona State University und begann seine Karriere bei Merrill Lynch im High Yield Bond Department. Nach einer Position als Vice President bei Prudential Securities (heute Wachovia Securities) gründete er Everest Capital Limited, eine Beratungsfirma für verschiedene Hedgefonds, und im Januar 1995 Atlantic-Pacific Capital mit Sitz in Greenwich, Connecticut.

Bildquellen: Rueth
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