04.01.2013 15:00
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MTU Aero Engines: Mit konstantem Schub

Aufsteiger
Der Triebwerkhersteller MTU steht auf solidem operativen Fundament und ist auf Jahre ausgelastet - auch ohne teure Zukäufe.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Zukäufe sind im überschaubaren Oligopol der großen Flugzeugtriebwerkhersteller eher eine Seltenheit. Umso mehr schlug jüngst die Nachricht ein, dass der US-Konzern General Electric (GE) seine Triebwerksparte durch die Übernahme des italienischen Turbinenbauers Avio stärken will. 3,3 Milliarden Euro ist den Amerikanern dieser Einkauf wert — das Achteinhalbfache des Vorsteuerergebnisses 2012. Beobachter sprechen von ­einem strategischen Preis, denn GE will damit seine Lieferkette verbessern, um die stetig steigende Nachfrage in diesem Segment bedienen zu können.

Noch im Sommer kursierten Spekulationen, dass auch der Münchner Triebwerkhersteller MTU Aero an Avio Interesse haben könnte. Da hatten sich die Münchner gerade aus dem Bieterrennen um die Volvo-Luftfahrttochter Volvo Aero verabschiedet. Der britische Luftfahrtzulieferer GKN machte bei Volvo das Rennen. Die 800 Millionen Euro, die GKN am Ende bezahlt hat, waren MTU schlicht zu teuer.

Zurückhaltung bei Zukäufen
Das MDAX-Unternehmen verfolgt seit Jahren eine zurückhaltende Akquisitionspolitik, was bisher nicht geschadet hat — im Gegenteil. Seit 2009 steigerte der Konzern den Umsatz von 2,6 Milliarden Euro auf geschätzte 3,4 Milliarden im Jahr 2012. Der Gewinn legte im selben Zeitraum von 141 Millionen Euro auf erwartete rund 220 Millionen zu. Vorstand Egon Behle hält an seiner Strategie fest. „Unser Fokus liegt klar auf organischem Wachstum. Auch ohne Akquisitionen werden wir schneller wachsen als der Markt“, sagte Behle vor Kurzem dieser Zeitung. Allenfalls kleinere oder mittlere Zukäufe etwa im Wartungssegment seien denkbar. „Wir achten in jedem Fall auf eine gute Rendite bei akzeptablem Preis“, so Behle.

Beobachter sehen die Bayern durch die jüngste Konzentration in der Branche keineswegs im Hintertreffen. Durch den Zusammenschluss von GE und Avio könne sich zwar die Konkurrenzsituation für MTU etwas verschärfen, sagt NordLB-Analyst Heino Hammann. „Die Positionierung im Triebwerksmarkt ist jedoch insgesamt so gut, dass ich kaum Auswirkungen auf das Geschäft oder die Aktie befürchte“, so der Experte.

MTU entwickelt selbst keine kompletten Triebwerkprogramme wie die großen Systemführer, die Amerikaner Pratt & Whitney und GE oder die Briten von Rolls-Royce. Der größte deutsche Turbinenbauer liefert jedoch wichtige Hightechkomponenten zu und arbeitet an fast allen internationalen Triebwerkprojekten mit. So entfällt allein ein Drittel des Umsatzes der zivilen Sparte auf den Großraum-Airbus A 380 und auf den Dreamliner von Boeing. Ein weiteres Drittel soll aus dem überarbeiteten ­Mittelstrecken-Airbus A 320 kommen, der sich in diesem Jahr zum Kassenschlager entwickelt hat. Zudem profitiert MTU von Großaufträgen im Wartungsgeschäft.

Bis 2020 soll sich der Umsatz auf sechs Milliarden Euro verdoppeln und eine operative Marge von mindestens zwölf Prozent erzielt werden. Das operative Fundament des Unternehmens erwies sich auch in den zurückliegenden Krisen als tragfähig. Der Auftragsbestand von MTU liegt aktuell bei über elf Milliarden Euro. Das Unternehmen ist damit auf Jahre ausgelastet. Die langfristigen Produktionszyklen und dicken Auftragspolster der Flugzeughersteller machen den Zulieferer unabhängig von der allgemeinen Konjunkturentwicklung.

China-Triebwerk sorgt für Fantasie
Zudem werde der Luftverkehr in den kommenden Jahren weltweit weiter wachsen, wenn auch mit etwas geringeren Raten als bisher, ist MTU-Vorstand Behle überzeugt. Impulse kämen insbesondere aus Asien. Für Fantasie sorgten hier zuletzt Spekulationen, dass sich MTU schon bald am Bau eines Triebwerks in China beteiligen könnte.


Egon Behle, MTU-Vorstandschef
Das Land arbeitet derzeit mit Hochdruck am Aufbau einer eigenen Flugzeugindustrie. Die Münchner sind mit einem Joint Venture im Instandsetzungs­bereich größtes ausländisches Branchen­unternehmen vor Ort. „Wir verfolgen gemeinsam mit unseren chinesischen Partnern die Idee eines neuen Triebwerks“, äußerte sich Vorstandschef Behle zuletzt vorsichtig. Wenn sich hieraus ein Joint Venture ergeben sollte, wolle man diese Chance nutzen.
Für langfristig orientierte Anleger sind diese Perspektiven und die Konjunkturunabhängigkeit reizvoll.

Fazit: Die Aktie notiert am Allzeithochniveau von 70 Euro. Extrem lange Produktionszyklen von 40 Jahren und mehr sowie hohe Gewinnmargen im Wartungsgeschäft sorgen für relative Unabhängigkeit von der Konjunktur­entwicklung. Langfristinvestment.

ISIN: DE000A0D9PT0
Kursziel: 78,00 Euro
Stopp: 61,50 Euro

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