Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Belastet von Gewinnmitnahmen und schwachen Vorgaben der Wall Street ist der deutsche Aktienmarkt gestern kräftig unter die Räder gekommen. Für den
Dax ging es letztendlich um 1,77 Prozent nach unten auf 4.937,47 Indexpunkte (XDAX: 4.923,55 Punkte; -2,08 Prozent). Gleichzeitig verlor der
MDAX 1,38 Prozent auf 5.780,34 Zähler. Zahlreiche Hiobsbotschaften drückten die Stimmung der Anleger auf dem New Yorker Börsenparkett. So hat der Aluminiumhersteller Alcoa am Dienstagabend bekannt gegeben, angesichts der globalen Wirtschaftsschwäche mehr als 13.500 Stellen abzubauen und die Produktion weiter zurückzufahren. Zu allem Überfluss hat gestern auch noch der weltgrößte Chip-Konzern Intel eine Umsatzwarnung ausgesprochen.
Zudem hat die Beschäftigung in den USA im Dezember laut Angaben des Arbeitsmarkt-Dienstleisters ADP unerwartet deutlich abgenommen. Wie die Bundesagentur für Arbeit gestern Morgen mitteilte, hat sich auch hierzulande die Arbeitsmarktsituation eingetrübt. Die Arbeitslosenquote kletterte im Dezember um 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent.
Dabei brachen Papiere der Commerzbank nach einer negativen Analystenstudie um 4,8 Prozent ein. Hier dürfte aber auch ein Zeitungsbericht belastet haben, demzufolge der neue aus der Commerzbank und der Dresdner Bank entstehende Bankenriese wohl doch die Hilfe des Staates braucht. Titel der Dresdner-Mutter Allianz gaben gestern 3,7 Prozent ab.
Im Blick stand außerdem der sich weiter zuspitzende Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine, nachdem Russland die Gaslieferung über die Ukraine nach Westeuropa nun ganz eingestellt hat. Darunter litten die beiden Versorgerschwergewichte E.ON und RWE. Hier ging es um 3,4 bzw. um 2,1 Prozent nach unten. In der Sippenhaft von Alcoa knickten außerdem ThyssenKrupp am Indexende um 6,8 Prozent ein. Dabei hofft der Stahlkonzern einem Pressebericht zufolge auf eine baldige Erholung beim Stahlabsatz. Die Aktie des Mitbewerbers Salzgitter verlor 3,8 Prozent.
Anteilsscheine von Infineon schlossen nach einer regelrechten Berg- und Talfahrt trotz der Umsatzwarnung von Intel 1,3 Prozent fester. Hier stand ein Pressebericht im Blick, demzufolge der Freistaat Sachsen in den kommenden Tagen konkrete Vertragsverhandlungen zur Rettung der schlingernden Tochter Qimonda aufnehmen will. Von der schlechten Stimmung gänzlich unbeeindruckt markierte die VW-Aktie mit +3,5 Prozent die Indexspitze. Titel der Deutschen Postbank folgten nur knapp dahinter.
Nach dem Schock über den Tod des Großaktionärs Adolf Merckle zogen HeidelbergCement im MDAX gestern um 5,3 Prozent an. Auf der anderen Seite brachen Arcandor um rund 17 Prozent ein. Im SDAX verloren Air Berlin nach anfänglichen Gewinnen über 7 Prozent. Der Billigflieger gab zuvor bekannt, dass er in 2008 mehr Passagiere befördert und die Auslastung der Flotte verbessert hat.
Der Markt heute:
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.891 Punkten.
Konjunktur- und Wirtschaftstermine:
In Deutschland stehen heute die Außenhandelsdaten und der Auftragseingang zur Veröffentlichung an. Ferner werden in der EU die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsstimmung und das BIP bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Verbraucherkredite gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Apollo Group Inc., Chevron Corp., Great Atlantic & Pacific Tea Co. Inc., Shaw Group Inc., J. Sainsbury plc und Target Corp. an.
Die US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Mittwoch mit Verlusten. Während der Dow Jones mit 8.769,70 Punkten um 2,72 Prozent abnahm, ging die Nasdaq um 3,23 Prozent auf 1.599,06 Zähler zurück. Die Futures notieren derzeit im Minus. Gegen 08:00 Uhr tendiert der NASDAQ Future bei 1.236 Punkten (-0,3 Prozent) und der S&P Future bei 900 Zählern (-0,5 Prozent).
Devisen, Gold und Rohstoffe:
Rohöl (WTI): 47,45 Dollar; Euro: 1,3642 Dollar; Gold: 848,08 Dollar
Wichtige Meldungen:
Der amerikanische Sanitärausrüster Bed Bath & Beyond Inc. (Bed BathBeyond) gab am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das abgelaufene dritte Fiskalquartal bekannt und konnte dabei die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen.
Der US-Öl- und Gaskonzern Marathon Oil Corp. (ISIN US5658491064/ WKN 852789) hat ein neues Gasvorkommen in Woodford Shale im US-Bundesstaat Oklahoma entdeckt.
Die Deutsche Post AG (ISIN DE0005552004/ WKN 555200) soll Presseberichten zufolge daran interessiert sein, Alan Hippe, den Finanzchef des Autozulieferers Continental AG (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) abzuwerben.
Der Softwarekonzern SAP AG (ISIN DE0007164600/ WKN 716460) will an seinen radikalen Sparmaßnahmen auch im Jahr 2009 weiter festhalten. Dies berichtet der "Mannheimer Morgen" in seiner Donnerstagausgabe. (08.01.2009/ac/n/m)