Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach einem freundlichen Start ist der deutsche Aktienmarkt gestern mit massiven Verlusten aus dem Handel gegangen. Der
Dax brach bis Sitzungsende um 4,63 Prozent ein und schloss bei 4.422,35 Punkten (XDAX: 4.422,34 Punkte; -4,73 Prozent). Für den
MDAX ging es gleichzeitig um 4,25 Prozent in die Tiefe auf 5.123,36 Zähler. Die Lage an der Wall Street spitzt sich ebenfalls zu. Nach der Pleite des kanadischen Netzwerkausrüsters Nortel Networks und enttäuschenden Daten zum Einzelhandelsumsatz haben die Bären einmal mehr das Ruder auf dem New Yorker Börsenparkett übernommen. Zum Xetra-Schluss lag der
Dow Jones mit 3 Prozent im Minus.
Wie das Statistische Bundesamt gestern Morgen mitteilte, hat sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt. Nach vorläufigen Berechnungen erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real nur noch um 1,3 Prozent. Zuvor war das BIP in 2007 noch um 2,5 Prozent angezogen. Wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zudem verkündete, haben die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer im November 2008 einen drastischen Rückgang bei der Auftragslage verzeichnet.
Die Aktie der Deutschen Bank lastete mit einem Abschlag von 9 Prozent schwer auf dem Gesamtmarkt. Wie gestern Vormittag bekannt wurde, erwartet das Finanzinstitut für das vierte Quartal angesichts der Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten einen Verlust nach Steuern in der Größenordnung von 4,8 Mrd. Euro. Später wurde bekannt, dass der Finanzriese und die Deutsche Post ihre Vereinbarung in Zusammenhang mit dem Verkauf der Post-Tochter Deutsche Postbank angepasst haben. Im Zuge des Geschäfts steigt die Deutsche Post bei der Deutschen Bank mit 8 Prozent ein. Die "Aktie Gelb" hielt sich mit -2,5 Prozent im Vergleich zum Postbank-Papier (-17,4 Prozent) äußerst wacker. Commerzbank-Titel fielen um 10,7 Prozent zurück.
Für Siemens ging es um 12 Prozent nach unten, nachdem der Industriekonzern seine Prognosen für das erste Quartal 2009 konkretisiert hat. Für das erste Quartal rechnet man mit einem rückläufigen Auftragseingang, während der Umsatz gesteigert werden soll. Papiere des Nutzfahrzeugherstellers MAN (-9 Prozent), der seine Ergebnisprognosen für das Fiskaljahr 2008 bestätigt hat, kamen ebenfalls kräftig unter die Räder. Gestützt auf eine positive Analystenstudie ist die Aktie von Infineon gestern deutlich fester in den Tag gestartet. Angesichts der katastrophalen Stimmung verlor der Titel aber 3,8 Prozent. Merck profitierten unterdessen von positiven Studienergebnissen und hielten sich mit -0,8 Prozent besser als der Gesamtmarkt.
In der zweiten Reihe brachen GEA nach einer Umsatzwarnung um über 7 Prozent ein. Arcandor gaben ebenfalls mehr als 7 Prozent ab. Dabei verzeichnete das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Quartal einen soliden Geschäftsverlauf. Bei Südzucker schlug indes ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche. Der Konzern konnte Umsatz und EBIT in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres steigern.
Der Markt heute:
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.396 Punkten.
Konjunktur- und Wirtschaftstermine:
In Deutschland stehen heute die Verbraucherpreise und das DIW Konjunkturbarometer zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Italien die Verbraucherpreise und in der EU die Verbraucherpreise sowie die Zinsentscheidung der EZB bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Erzeugerpreise, der NY Empire State Index und der Philadelphia Fed Index gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Briggs & Stratton Corp., Genentech Inc., Intel Corp., JPMorgan Chase & Co., Marshall & Ilsley Corp., Shaw Communications Inc., Accor S.A., SinnerSchrader AG und Sulzer AG an.
Die US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Mittwoch mit Verlusten. Während der Dow Jones mit 8.200,14 Punkten um 2,94 Prozent abnahm, ging die Nasdaq um 3,67 Prozent auf 1.489,64 Zähler zurück. Die Futures notieren derzeit im Plus. Gegen 08:00 Uhr tendiert der NASDAQ Future bei 1.148 Punkten (-1,5 Prozent) und der S&P Future bei 833 Zählern (-0,8 Prozent).
Devisen, Gold und Rohstoffe:
Rohöl (WTI): 44,31 Dollar; Euro: 1,3186 Dollar; Gold: 810,88 Dollar
Wichtige Meldungen:
Die Xilinx Inc. hat am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen für das dritte Fiskalquartal 2008/09 vorgelegt. Dabei verzeichnete der US-Chip-Hersteller aufgrund von Einmaleffekten einen Gewinnanstieg.
Der Festplattenhersteller Seagate Technology Inc. (ISIN KYG7945J1040/ WKN 164367) hat massive Stellenstreichungen angekündigt.
Der amerikanische Agrarkonzern Monsanto Co. (ISIN US61166W1018/ WKN 578919) hat eine Dividendenerhöhung angekündigt.
Die amerikanische Drugstore-Kette Walgreen Co. (ISIN US9314221097/ WKN 855826) hat für das laufende Jahr 2009 die Streichung von rund 1.000 Stellen angekündigt. (15.01.2009/ac/n/m)