Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt ist gestützt auf positive Vorgaben aus Übersee und Hoffnungen auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama mit kräftigen Kursgewinnen in die neue Woche gestartet. Angesichts der jüngsten Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor bröckelten die Kurse im gestrigen Tagesverlauf aber zusehends ab. Der
Dax verlor letztendlich 1,15 Prozent und schloss bei 4.316,14 Indexpunkten (XDAX: 4.331,24 Punkte; -0,98 Prozent). Gleichzeitig büßte der
MDAX 1,56 Prozent ein auf 4.999,88 Zähler. Am Nachmittag mussten die Anleger auf Impulse aus New York verzichten. An der Wall Street fand aufgrund des "Martin Luther King Day" kein Handel statt.
Die EU-Kommission geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr den stärksten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg erleidet. Demzufolge wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt infolge des schwächeren Welthandels gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent zurückgehen. Zuvor war noch eine stagnierende Wirtschaft in Aussicht gestellt worden. Jedoch gebe es auch Anzeichen dafür, dass schon im zweiten Halbjahr eine Erholung einsetzen könnte. Für die Eurozone prognostiziert die Kommission einen BIP-Rückgang um 1,9 Prozent in 2009.
Ohne weitere Nachrichten avancierten Infineon mit einem satten Plus von 15,6 Prozent zum größten Gewinner im DAX. Mit zu den Favoriten zählten außerdem Merck (+3,8 Prozent), FMC (+3,3 Prozent) und die Deutsche Telekom (+2,5 Prozent). Siemens entwickelten sich mit +1,3 Prozent ebenfalls besser als der Gesamtmarkt. Hier stützte insbesondere ein Pressebericht, demzufolge der Konzern zuversichtlich ist, im Korruptionsskandal einen höheren Millionenbetrag aus einer vor Jahren abgeschlossenen Versicherung zu erhalten.
Titel der Deutschen Post legten 0,6 Prozent zu. Wie der Logistikkonzern gestern bekannt gab, hat er sein Gewinnziel für 2008 dank eines strikten Kostenmanagements und einer klaren Cash-Fokussierung erreicht. Die Aktie des Nutzfahrzeugherstellers MAN, der vom saudi-arabischen Molkereikonzern Almarai einen Großauftrag zur Lieferung von 168 Lkw erhalten hat, verlor dagegen nach einem starken Auftakt leicht. Daneben schlossen SAP mit 1,2 Prozent im Minus. Dabei hat der Software-Konzern von der Bundesagentur für Arbeit einen Großauftrag erhalten.
BASF traf es gestern mit -4,6 Prozent noch deutlich härter. Zuvor hat der Chemiekonzern in Zusammenhang mit der enttäuschenden Geschäftsentwicklung im Monat Dezember sowie im Januar Kurzarbeit für einige Standorte angekündigt. Außerdem rechne BASF in den kommenden Monaten nicht mit einer konjunkturellen Besserung.
Am Indexende brachen Papiere der Deutschen Postbank um 13,3 Prozent ein. Anteile der Deutschen Bank rauschten um 10,6 Prozent in die Tiefe. Die Aktie der Commerzbank, die kurzzeitig mit über 10 Prozent im Plus lag, verlor letztendlich 2,1 Prozent. Einem Medienbericht zufolge drohen den deutschen Finanzinstituten weitere Verluste in Milliardenhöhe. So hätten die Institute erst einen Bruchteil ihrer faulen Wertpapiere rund um amerikanische Hypothekendarlehen und Studentenkredite abgeschrieben. Darüber hinaus wurde bekannt, dass die Royal Bank of Scotland im abgelaufenen Fiskaljahr nach vorläufigen Berechnungen einen Rekordverlust von bis zu 28 Mrd. Britischen Pfund erlitten hat. Der Wert knickte in London um rund 60 Prozent ein.
Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf gab bekannt, im ersten Quartal eine Umsatz- und Ergebnisverbesserung erzielt zu haben. Für das laufende Fiskaljahr wurden die Prognosen bestätigt. Die Aktie gewann im MDAX gegen den schwachen Trend mehr als 8 Prozent. Auf der anderen Seite stachen Papiere der Aareal Bank mit -24 Prozent ins Auge.
Der Markt heute:
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.318 Punkten.
Konjunktur- und Wirtschaftstermine:
In Deutschland stehen heute die ZEW Konjunkturerwartungen zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Großbritannien die Verbraucherpreise und in Japan das Verbrauchervertrauen bekannt gegeben. In den USA steht heute die Vereidigung des neuen Präsidenten an.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei CSX Corp., International Business Machines Corp., Johnson & Johnson und State Street Corp. an.
Die US-Börsen:
An der Wall Street fand gestern aufgrund des "Martin Luther King Day" kein Handel statt. Die Futures notieren derzeit uneinheitlich. Gegen 08:00 Uhr tendiert der Nasdaq Future bei 1.184 Punkten (-0,1 Prozent) und der S&P Future bei 840 Zählern (+0,2 Prozent).
Devisen, Gold und Rohstoffe:
Rohöl (WTI): 40,96 Dollar; Euro: 1,3005 Dollar; Gold: 829,95 Dollar
Wichtige Meldungen:
Der italienische Automobil- und Industriekonzern Fiat S.p.A. befindet sich Presseberichten zufolge in Verhandlungen mit dem angeschlagenen US-Autobauer Chrysler LLC über eine Kooperation sowie über mögliche Beteiligung.
Das amerikanische Verlagshaus New York Times Co. (ISIN US6501111073/ WKN 857534) befindet sich Presseberichten zufolge in Verhandlungen mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim über eine Ausweitung von dessen Beteiligung an dem Unternehmen.
Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) will im laufenden Tarifstreit mit der Deutsche Lufthansa AG (ISN DE0008232125/ WKN 823212) noch in dieser Woche mit Warnstreiks beginnen.
Der US-Halbleiterkonzern Advanced Micro Devices Inc. (AMD) (ISIN US0079031078/ WKN 863186) geht in Zusammenhang mit der Übernahme des Grafikchip-Herstellers ATI Technologies von hohen Einmalbelastungen aus. (20.01.2009/ac/n/m)