Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank hat gestern Nachmittag beschlossen, das Zinsniveau um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent zu reduzieren. Die Mehrheit der Marktbeobachter hatte hingegen angesichts der weiter verschlechterten Wirtschaftslage eine Reduzierung um 50 Basispunkte erwartet. Beflügelt von starken Vorgaben aus Übersee hat sich der deutsche Aktienmarkt dennoch mit kräftigen Kurszuwächsen aus dem Handel verabschiedet. Der
Dax schloss am Ende mit 6,07 Prozent im Plus bei 4.381,92 Indexpunkten (XDAX: 4.343,37 Punkte; +4,13 Prozent). Der
MDAX kletterte gleichzeitig um 5,93 Prozent auf 4.800,26 Zähler. An der Wall Street waren zum Xetra-Schluss ebenfalls kräftige Zuwächse auszumachen. Insgesamt mehren sich die Hoffnungen, dass zumindest die Talsohle der Rezession bald erreicht sein könnte. So ist der Auftragseingang der US-Industrie im Februar unerwartet deutlich angewachsen.
Die Aktien der beiden Autobauer Daimler und BMW gewannen mit an der Indexspitze 15,6 bzw. 14,8 Prozent. Beide Konzerne haben wie auch der Konkurrent Volkswagen (+4 Prozent) im März in den USA weniger Fahrzeuge verkauft. Im Vergleich zum Februar haben allerdings alle drei Unternehmen wieder mehr Autos auf die Highways bringen können. Aus demselben Grund konnten bereits die japanischen Autobauer in Tokio deutlich zulegen.
Die Deutsche Bank hat nach den Worten ihres Konzernchefs Joseph Ackermann im März ein solides Ergebnis erzielt. In einem Presseinterview erklärte der Vorstandsvorsitzende, dass man im Monat März eine solide Entwicklung bei den Betriebseinnahmen zu verzeichnen hatte. Die Aktie schoss um 14,6 Prozent in die Höhe. Für die Allianz ging es um 9,4 Prozent und für die Hannover Rück um 7,7 Prozent nach oben. Titel der Commerzbank schlossen 3,2 Prozent fester. Das Finanzinstitut will im Rahmen der kommenden Hauptversammlung Mitte Mai die Aktionäre über die Umsetzung der Beteiligung des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) abstimmen lassen.
Der Salz- und Düngemittelkonzern K+S gab die Übernahme von Morton International bekannt. Es handelt sich hierbei um einen Produzenten von Consumer-, Gewerbe- und Auftausalzen in Nordamerika. Die Transaktionssumme wurde auf 1,68 Mrd. Dollar beziffert. Die Akquisition werde sich ab dem Jahr 2010 deutlich positiv auf das Ergebnis je Aktie auswirken. K+S gewannen gestern 11,2 Prozent. Mit zu den Favoriten zählten zudem ThyssenKrupp (+16,2 Prozent), Salzgitter (+12,7 Prozent) und MAN (+9,2 Prozent).
Titel der Deutschen Börse zogen im Mittelfeld um 5,5 Prozent an. Der Börsenbetreiber hat am Vorabend die Handelszahlen für März veröffentlicht. Dabei war der Orderbuchumsatz auf Xetra deutlich rückläufig. Außerdem wurde bekannt, dass die beiden Hedgefonds TCI und Atticus ihre Beteiligungen an der Börse deutlich zurückgefahren haben.
Im MDAX lagen gestern Pfleiderer mit +16,2 Prozent vorne. Titel des Verpackungsspezialisten Gerresheimer, der im ersten Geschäftsquartal einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis zu verzeichnen hatte, gingen mit -0,5 Prozent in den Feierabend.
Der Markt heute:
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.343 Punkten.
Konjunktur- und Wirtschaftstermine:
In Deutschland stehen heute die Außenhandelspreise zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Italien die Erzeugerpreise und in der EU die Einzelhandelsdaten bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Arbeitsmarktdaten und der ISM-Service-Index gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Blyth Inc. und EquityStory AG an.
Die US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Gewinnen. Während der Dow Jones mit 7.978,08 Punkten um 2,79 Prozent zunahm, zog die Nasdaq um 3,29 Prozent auf 1.602,63 Zähler an. Die Futures notieren derzeit im Minus. Gegen 08:15 Uhr tendiert der NASDAQ Future bei 1.295 Punkten (-0,5 Prozent) und der S&P Future bei 831 Zählern (-0,5 Prozent).
Devisen, Gold und Rohstoffe:
Rohöl (WTI): 53,00 Dollar; Euro: 1,3421 Dollar; Gold: 903,15 Dollar
Wichtige Meldungen:
Der amerikanische Speicherchip-Hersteller Micron Technology Inc. meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das zweite Fiskalquartal 2008/09. Dabei konnte der Konzern seinen Verlust leicht reduzieren, wenngleich der Umsatz branchenbedingt zurückgegangen ist.
Der kanadische BlackBerry-Hersteller Research In Motion Ltd. (RIM) (ISIN CA7609751028/ WKN 909607) gab am Donnerstag nach US-Börsenschluss bekannt, dass er Umsatz und Gewinn im vierten Fiskalquartal 2008/09 gesteigert hat und damit die Erwartungen übertreffen konnte.
Aktuellen Presseberichten zufolge will nach der Pleite der Qimonda AG (ISIN US7469041013/ WKN A0KEAT) der Freistaat Bayern die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Chipkonzerns von Dresden nach München holen. Dies berichtet das "Handelsblatt" am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe.
Aktuellen Presseberichten zufolge greifen der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone Group plc (ISIN GB00B16GWD56/ WKN A0J3PN) und der spanische Wettbewerber Telefonica S.A. (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775) nach dem deutschen DSL-Anbieter Hansenet. Dies berichtet die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe. (03.04.2009/ac/n/m)