Ausblick: Schwächere Eröffnung erwartet
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Indizes sind am Freitagnachmittag gehörig durchgeschüttelt worden.
(Börsenkurse) Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten schoss der
DAX in der Spitze um 2 Prozent in die Höhe. Gut eine Stunde später lag der deutsche Leitindex dann im Minus. Letztendlich gewann das Aktienbarometer dann aber doch 0,24 Prozent auf 5.077,03 Punkte. Die übrigen Indizes boten ein ähnliches Bild. Der
MDAX schloss am Ende 0,42 Prozent fester bei 5.922,01 Zählern. Der
SDAX gab indes 0,13 Prozent ab auf 2.956,32 Punkte. Der
TecDAX gewann 0,41 Prozent auf 651,41 Zähler.
Die Bundesbank befürchtet für das laufende Jahr eine schlechtere Wirtschaftsentwicklung als von der Bundesregierung in Aussicht gestellt. Wie aus dem Monatsbericht hervorgeht, rechnen die Währungshüter mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,2 Prozent. Die Regierung und führende Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass das BIP in 2009 um 6,0 Prozent schrumpfen wird.
Die in den USA am Freitagnachmittag vorgestellten Arbeitsmarktdaten fielen durchwachsen aus. Wie erwartet hat sich die Arbeitsmarktsituation in der weltgrößten Volkswirtschaft im Mai weiter verschlechtert. Laut Angaben des Arbeitsministeriums stieg die Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent auf 9,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 26 Jahren. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 9,2 Prozent gerechnet. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 345.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten sogar einen Stellenabbau um 520.000 Beschäftigte befürchtet. Die durchschnittlichen Stundenlöhne wuchsen wie prognostiziert um 0,1 Prozent an. Nach den jüngsten Daten herrschte an der Wall Street offenbar Ratlosigkeit.
Zu den Favoriten im DAX zählten Papiere der Deutschen Post mit einem Plus von 2,9 Prozent. Presseinformationen zufolge plant der Logistikkonzern Personalkürzungen. So sollen in den kommenden Jahren jeweils bis zu 5.000 Stellen wegfallen. Dabei wolle man vor allem die normale Fluktuation nutzen. Vorstandschef Frank Appel strebe zudem Gespräche mit der Gewerkschaft ver.di an. Um die Produktivität zu steigern, wolle der Manager die Beschäftigten ohne Lohnausgleich länger arbeiten lassen. BMW gewannen als Spitzenreiter 3,3 Prozent. ThyssenKrupp gewannen 1 Prozent. Hier stand ein Pressebericht im Blick, dem zufolge der Stahlkonzern drastische Stellenstreichungen in Duisburg durchführen wird. Demnach entfallen 90 Prozent der 2000 Stellen, die ThyssenKrupp in seiner Stahlsparte ThyssenKrupp Steel abbauen will, auf den Hauptsitz der mit deutschlandweit 19.000 Mitarbeitern wichtigsten Konzerntochter. Wie der Energieversorger RWE bekannt gab, hat er seine Mehrheitsbeteiligung an dem US-Wasserversorger American Water reduziert. RWE fließt durch die Transaktion ein Erlös von rund 200 Mio. Dollar zu. Gleichzeitig führen die Amerikaner eine Kapitalerhöhung durch, womit die RWE-Beteiligung an American Water von rund 60 Prozent auf etwa 49 Prozent sinkt. Durch die Entkonsolidierung von American Water in der Bilanz sinke die Nettoverschuldung der Essener um rund 4,5 Mrd. Euro. Die Aktie von RWE schloss mit 0,7 Prozent im Minus. Für Titel des Mitbewerbers E.ON ging es leicht nach unten. Der Konzern übernimmt knapp 25 Prozent am sibirischen Gasfeld Yushno Russkoje. Im Gegenzug geht die Beteiligung von 49 Prozent an der russischen Gesellschaft ZAO Gerosgaz, die knapp 3 Prozent der Aktien des russischen Ölkonzerns Gazprom hält, auf Gazprom über. SAP (+0,1 Prozent) traten quasi auf der Stelle. Einem Pressebericht zufolge hat der Software-Hersteller 2,5 Mrd. Euro für Akquisitionen zur Verfügung. Zudem sei SAP in der Lage, sich Kreditlinien in gleicher Höhe zu sichern. Jedoch wolle SAP nicht dem Beispiel des US-Konkurrenten Oracle folgen, der für rund 7,4 Mrd. Dollar Sun Microsystems übernimmt. Die Walldorfer Software-Schmiede bleibe bei einem Modell, das eine Mischung von sowohl organischem als auch anorganischem Wachstum vorsehe. Die Aktie der Commerzbank gab 0,7 Prozent ab. Wie das Finanzinstitut bekannt gab, hat man die Vereinbarung mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) wie vorgesehen finalisiert. Demnach hat der SoFFin die rund 295 Millionen Aktien aus der Kapitalerhöhung zu 6 Euro je Aktie übernommen und hält damit eine Beteiligung in Höhe von 25 Prozent plus einer Aktie an der Commerzbank. Mit -2,4 Prozent lag die rote Laterne bei Volkswagen.
Im MDAX verloren Arcandor 1,1 Prozent. Wie zuvor bekannt wurde, hat der angeschlagene Warenhaus- und Touristikkonzern einen Antrag auf Staatshilfe gestellt. Demnach will sich Arcandor im Zuge des Antrags einen Kredit über 437 Mio. Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten sichern. Unterdessen droht dem Unternehmen Presseinformationen zufolge die Überschuldung. So bescheinige ein von der Unternehmensberatung PwC im Auftrag der Bundesregierung angefertigtes Gutachten dem Unternehmen nur noch geringe Überlebensfähigkeit. Daneben kamen ProSiebenSat.1 weiter zurück. Nach dem Kursrutsch am Donnertag ging es hier um gut 7 Prozent in die Tiefe. Die Deutsche Börse nimmt mit Wirkung zum 22. Juni ESCADA (+2,1 Prozent) und Vivacon (-4,1 Prozent) aus dem SDAX. Neu aufgenommen werden dafür OVB (+4,4 Prozent) und Tipp24 (+0,6 Prozent).
Im TecDAX glänzten freenet mit einem satten Plus von 9,4 Prozent. Einem Pressebericht zufolge wird die Trennung vom DSL-Geschäft nicht der letzte Verkauf gewesen sein. So dürfte schon bald das Tochterunternehmen Strato, das Speicherplatz im Internet vermietet und rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, den Besitzer wechseln. Auf den Plätzen folgten AIXTRON mit +4,7 Prozent und Carl-Zeiss mit +4 Prozent. Kräftige Verluste von bis zu gut 5 Prozent waren bei Kontron, der Software AG und United Internet auszumachen.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Freitag uneinheitlich. Während der Dow Jones mit 8.763,13 Punkten um 0,15 Prozent zunahm, ging die Nasdaq um 0,03 Prozent auf 1.849,42 Zähler zurück. Der S&P 500 schrumpfte um 0,25 Prozent und schloss bei 940,09 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Minus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.740,00 Punkten (-22,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.489,00 Punkten (-6,00 Punkte) und der S&P Future bei 938,40 Zählern (-2,10 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute infolge der unterschiedlichen Vorgaben der US-Börsen uneinheitlich. Nach der positiven Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 0,99 Prozent bei 9.864,46 Punkten. (Börsenkurse Asien)
In China zeigen die Aktienmärkte unterschiedliche Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 0,72 Prozent im Minus bei 18.544,26 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,50 Prozent zulegt auf 2.767,63 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,09 Prozent auf 118,36 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.047 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.049,75 Zählern (-0,4 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Rohstahlproduktion und der Auftragseingang der Industrie zur Veröffentlichung an. Ferner wird in Japan die Zahlungsbilanz bekannt gegeben. Aus den USA werden heute keine marktbewegenden Konjunkturdaten gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Blyth Inc., FuelCell Energy Inc., IDT Corp. und Pall Corp. an.
Wichtige Meldungen:
Airbus, die Tochter der European Aeronautic Defence and Space Co. EADS N.V. , gab am Freitag bekannt, dass man aufgrund der Wirtschaftskrise weniger Aufträge im letzten Monat erhalten habe.
Der insolvente US-Autokonzern General Motors Corp. (GM) (ISIN US3704421052/ WKN 850000) trennt sich von einer weiteren Marke. So werden die Rechte an der Marke Saturn an die US-Autohandelskette Penske abgegeben.
Das Board of Directors des US-Einzelhandelsgiganten Wal-Mart Stores Inc. (ISIN US9311421039/ WKN 860853) hat am Freitag ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm genehmigt. DAX(08.06.2009/ac/n/m)