Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt hat gestern am späten Nachmittag noch einmal Fahrt aufgenommen.
(Börsenkurse) Nach der Konsolidierung der vergangenen Tage konnte der
DAX letztendlich 2,74 Prozent zulegen auf 4.836,01 Indexpunkte. Für Werte aus der zweiten Reihe lief es noch einen Tick besser. Der
MDAX gewann 3,40 Prozent auf 5.672,35 Zähler. Für den
SDAX ging es um 1,53 Prozent nach oben auf 2.843,90 Punkte. Gleichzeitig sprang der
TecDAX um 3,61 Prozent auf 616,35 Zähler.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) geht von einer baldigen wirtschaftlichen Erholung nach der schwersten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg aus. In einigen Volkswirtschaften sehe die OECD derzeit Anzeichen für eine Stabilisierung. Demnach dürften die OECD-Staaten im Jahr 2009 ein BIP-Minus von 4,1 Prozent ausweisen. Für 2010 geht man von einem BIP-Wachstum der OECD-Länder von 0,7 Prozent aus. Im März dieses Jahres hatte man für die OECD-Staaten in 2009 noch einen BIP-Rückgang von 4,3 Prozent sowie ein Minus von 0,1 Prozent in 2010 in Aussicht gestellt.
An den US-Börsen waren zum Handelsschluss in Deutschland klar die Bullen am Ruder. Beim Dow Jones war ein Plus von 1,1 Prozent auszumachen. Nasdaq Composite und S&P 500 lagen mit 2,2 bzw. mit 1,6 Prozent vorne. (Börsenkurse USA) Dabei sind die Verkäufe neuer Häuser in den USA im Mai laut Angaben des Handelsministeriums entgegen den Erwartungen gesunken. Unterdessen ist der Auftragseingang langlebiger Güter im Mai überraschend angewachsen. So lag die Zahl der Bestellungen bei Gütern mit einer Nutzungsdauer von über drei Jahren um 1,8 Prozent über dem Vormonatsniveau, wogegen Volkswirte eine Abnahme um 0,9 Prozent prognostiziert hatten.
Das kräftige Kursplus in Höhe von 8,9 Prozent bei der Aktie des Wolfsburger Autobauers Volkswagen war in erster Linie einem positiven Analystenkommentar geschuldet. Anteilsscheine der Deutschen Bank rückten daneben nach einer Hochstufung um 6,6 Prozent vor. Für die Commerzbank ging es um 4,4 Prozent aufwärts. Titel der beiden Stahlkocher ThyssenKrupp und Salzgitter stachen mit Aufschlägen von 6,3 bzw. 4,6 Prozent ins Auge. K+S schlossen daneben mit 4,9 Prozent im Plus. Dabei geht der Salz- und Düngemittelkonzern für das laufende Fiskaljahr 2009 von einer weltweit deutlich rückläufigen Kali-Produktion aus. E.ON zählten mit einem Aufschlag von 3,2 Prozent ebenfalls zu den Favoriten. Laut einem Presseinterview mit Vorstand Christoph Dänzer-Vanotti hofft der Energieversorger, dass eine neue Bundesregierung die Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke verlängert. Ohne Kernkraft seien die Klimaziele der Bundesregierung bis 2020 nicht zu erreichen. Wie bereits am Vorabend bekannt wurde, hat der Energieversorger RWE die Freigabe der Europäischen Kommission für den Erwerb des niederländischen Wettbewerbers Essent erhalten. Die Transaktion hat ein Volumen von 9,3 Mrd. Euro. Unterdessen stehen RWE Presseangaben zufolge offenbar tiefgreifende Veränderungen der Aktionärsstruktur ins Haus. Demnach müsse die angeschlagene WestLB ihre Beteiligung an dem Versorger verkaufen, um Vorgaben der EU umzusetzen. Dies könnte jedoch eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende der Einfluss von Städten und Gemeinden im Konzern gebrochen wird. RWE gingen mit +0,2 Prozent in den Feierabend. SAP profitierten von den besser als erwarteten Zahlen des US-Softwarekonzerns Oracle und verfestigten sich um 3,2 Prozent. Bei Siemens schlug ein Plus von 2,2 Prozent zu Buche. Wie der Industriekonzern zuvor bekannt gab, hat der chinesische Stahlerzeuger Xinyu bei Siemens prozesstechnische Ausrüstung für eine Konti-Glühlinie bestellt. Das Auftragsvolumen liege im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Unterdessen hat die Deutsche Lufthansa angesichts der zuletzt gestiegenen Rohölpreise ihre Treibstoffzuschläge nach oben angepasst. Der Wert gewann 0,8 Prozent. Zu den wenigen Verlierern zählten Fresenius und FMC mit Abschlägen von 2,6 bzw. 1,6 Prozent.
Gänzlich unbeeindruckt von der guten Stimmung brachen Arcandor im MDAX als Schlusslicht um 9 Prozent ein. Presseangaben zufolge hat die Bürgschaft über 50 Mio. Euro für Quelle, die Versandhaustochter des insolventen Einzelhandels- und Touristikkonzerns, kaum noch Aussichten auf Erfolg. Das Ausfallrisiko hätte quasi bei 100 Prozent gelegen. Auf der anderen Seite gewannen mitunter Praktiker 11,9 Prozent, IVG 7,5 Prozent und LEONI 7,1 Prozent.
Im TecDax schossen Conergy nach dem Kursrutsch am Dienstag als Spitzenreiter um 11,5 Prozent in die Höhe. Auf den Plätzen folgten Wirecard mit +9,7 Prozent und SOLON mit +8,8 Prozent. SMARTRAC gewannen 7,3 Prozent. Der Hersteller und Zulieferer von RFID-Komponenten ergänzt sein Produktportfolio mit Dual Frequency PRELAM. Die Produkte eignen sich für Anwendungen wie Zutrittskontrolle, elektronische Bezahlvorgänge, automatisierte Mautzahlungen und für Multifunktionsanwendungen im Standard Kartenformat. Papiere des Biotech-Unternehmens MorphoSys, das einen Antrag für die Durchführung einer klinischen Studie der Phase 1b/2a an Patienten mit aktiver Rheumatoider Arthritis für den am weitesten fortgeschrittenen firmeneigenen Medikamenten-Kandidaten MOR103 eingereicht hat, verabschiedeten sich mit +5,2 Prozent aus dem Handel. Titel der Software AG blieben mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent hinter dem Gesamtmarkt zurück. Presseangaben zufolge soll das Unternehmen auch weiterhin unabhängig bleiben. Zuletzt hatte es Medienberichte über angebliche Übernahmepläne des Software-Konzerns SAP gegeben. Größter Verlierer waren Phoenix Solar (-5,1 Prozent). (Aktienkurse)
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Mittwoch uneinheitlich. Während der Dow Jones mit 8.299,86 Punkten um 0,28 Prozent abnahm, zog die NASDAQ um 1,55 Prozent auf 1.792,34 Zähler an. Der S&P 500 kletterte daneben um 0,65 Prozent und schloss bei 900,94 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.323,00 Punkten (+67,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.456,75 Punkten (+9,50 Punkte) und der S&P Future bei 904,80 Zählern (+6,80 Punkte). (Börsenkurse USA)
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute trotz der durchwachsenen Vorgaben der US-Börsen mehrheitlich stärker. Nach der positiven Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 2,12 Prozent bei 9.793,44 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte unterschiedliche Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 2,17 Prozent im Plus bei 18.280,71 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,31 Prozent nachgab auf 2.913,12 Punkte. (Börsenkurse Asien)
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,14 Prozent auf 119,98 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Verlusten starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.822 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.840,25 Zählern (+1,0 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Daten des Bauhauptgewerbes zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Italien das Geschäftsklima und die Handelsbilanz sowie in der EU die Auftragseingänge der Industrie bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und das BIP gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Accenture Ltd., ConAgra Foods Inc., Lennar Corp., McCormick & Co. Inc., Micron Technology Inc., Palm Inc., Barry Callebaut AG, GERRY WEBER International AG, Hennes & Mauritz AB und REpower Systems AG an.
Wichtige Meldungen:
Der Offenmarktausschuss FOMC der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch über die aktuelle Wirtschaftsentwicklung und weitere Maßnahmen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise beraten. Dabei wurden die Leitzinsen erwartungsgemäß bei 0,0 bis 0,25 Prozent belassen.
Die Nike Inc. , der weltgrößte Hersteller von Sportschuhen und -bekleidung, meldete am Mittwoch nach US-Börsenschluss für das vierte Fiskalquartal 2008/09 einen Umsatz- und Gewinnrückgang.
Der amerikanische Sanitärausrüster Bed Bath & Beyond Inc. (ISIN US0758961009/ WKN 884304) gab am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das abgelaufene erste Fiskalquartal 2009/10 bekannt und konnte dabei die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen.
Der amerikanische Linux-Anbieter Red Hat Inc. (ISIN US7565771026/ WKN 923989) meldete am Mittwoch nach US-Börsenschluss für das abgelaufene erste Fiskalquartal 2009/10 einen Umsatz- und Gewinnanstieg.
Quelle, die Versandhaustochter des insolventen Einzelhandels- und Touristikkonzerns Arcandor AG (ISIN DE0006275001/ WKN 627500), hat am Mittwoch einen Massekredit aus Bayern erhalten. (25.06.2009/ac/n/m)