Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Hauptgesprächsthema auf dem Frankfurter Parkett
(Börsenkurse) war gestern die Pleite des Warenhaus- und Touristikkonzerns Arcandor. Die deutschen Aktienindizes haben mehrheitlich im Minus geschlossen. Der
DAX verlor am Ende nach einem starken Auftakt 0,14 Prozent auf 4.997,86 Indexpunkte. Der
MDAX gab daneben 0,53 Prozent ab auf 5.788,59 Zähler. Der
SDAX hielt sich dagegen im Plus und konnte 0,39 Prozent zulegen auf 2.933,40 Punkte. Der
TecDAX schloss 0,20 Prozent schwächer bei 634,43 Zählern.
Die deutschen Exporte sind im April um knapp 29 Prozent auf 63,8 Mrd. Euro eingebrochen, so das Statistische Bundesamt. Gleichzeitig sanken die Einfuhren um knapp 23 Prozent auf 54,4 Mrd. Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 9,4 Mrd. Euro ab. Im April 2008 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 19,0 Mrd. Euro betragen. Zudem ist die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe im April vorläufigen Angaben zufolge preis- und saisonbereinigt um 1,9 Prozent zurückgegangen.
Auf dem New Yorker Börsenparkett war zum Handelsschluss in Deutschland keine klare Richtung auszumachen. Laut Angaben des Commerce Departments sind die US-Lagerbestände im Großhandel im April um 1,4 Prozent zurückgegangen. Marktbeobachter hatten zuvor mit einem Rückgang um 1,1 Prozent gerechnet. Die Umsatzerlöse des US-Großhandels verringerten sich gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent.
Eine noch schlechtere Entwicklung des Gesamtmarktes verhinderte die Volkswagen-Aktie, für die es gestern an der DAX-Spitze um 2,5 Prozent nach oben ging. Hier stand ein Pressebericht im Blick, laut dem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking derzeit mit der in Katar ansässigen Qatar Investment Authority (QIA) über den Verkauf von bis 25 Prozent der Anteile verhandelt. Damit wolle sich die Sportwagenschmiede ihrer hohen Konzernverbindlichkeiten entledigen und eine mögliche Übernahme durch VW verhindern. Zurzeit prüfe die QIA die Bücher von Porsche. Eine mögliche Beteiligung würde im Zuge einer Kapitalerhöhung im Gesamtvolumen von bis zu 4,5 Mrd. Euro erfolgen. Für Henkel ging es daneben um 1,5 Prozent nach oben. Einem Pressebericht zufolge will der Konsumgüterkonzern deutlich mehr Arbeitsplätze abbauen als bisher bekannt. Demnach sollen über das "Global Excellence"-Sparprogramm hinaus weitere bis zu 400 Stellen in der Klebstoffsparte gestrichen werden. Anteilsscheine der Deutschen Börse bröckelten am Indexende um 3 Prozent ab. Hier hat ein Pressebericht belastet, dem zufolge der Konzern die Abwicklungsentgelte bei Wertpapiergeschäften senken will. Das Unternehmen reagiere damit auf den steigenden Druck seiner Kunden, überwiegend Banken und Kapitalanlagegesellschaften, die Entgelte für die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen zu senken - und verzichtet auf Erträge. Weitere Verlierer waren unter anderem die Allianz mit -1,7 Prozent und die Deutsche Post mit -1,6 Prozent.
Der angeschlagene Einzelhandelskonzern Arcandor hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eingereicht, um mit Hilfe eines Insolvenzplans den Fortbestand des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaften zu sichern. Gleichzeitig haben auch die Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH Gläubigerschutz beantragt. Die Thomas Cook Group, die Spezialversender der Primondo-Gruppe sowie der Homeshopping-Sender HSE 24 bleiben vom Insolvenzverfahren unberührt. Zuvor waren die Anträge auf Staatsbürgschaft und auf Rettungsbeihilfe abgelehnt worden. Die im MDAX gelistete Aktie wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme des Handels brach der Wert in der Spitze um fast 54 Prozent ein. Am Ende blieb ein Minus von rund 48 Prozent. Die Aktie von Heidelberger Druck rauschte daneben um über 10 Prozent in die Tiefe. Der Druckmaschinenhersteller hat aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der hohen Auftragseinbrüche im Maschinenbausektor im Geschäftsjahr 2008/09 einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang erlitten. Die Erlöse gingen um 18 Prozent auf 3 Mrd. Euro zurück. Der Jahresfehlbetrag lag bei -249 Mio. Euro und damit deutlich unter dem Jahresüberschuss des Vorjahres von 142 Mio. Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet man keine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. So sei voraussichtlich mit einem weiteren Umsatzrückgang zu rechnen. Zudem geht der Konzern erneut von einem Jahresfehlbetrag aus. Für LEONI ging es dagegen um 3 Prozent nach oben. Wie zuvor bekannt wurde, hat der Konzern vom Sportwagenhersteller Porsche einen Folgeauftrag für die Entwicklung und Fertigung von Bordnetz-Systemen erhalten. Der Folgeauftrag hat ein Volumen von rund 200 Mio. Euro über sieben Jahre. Die Aktie des Antriebssystem- und Energieanlagenspezialisten Tognum, der sich mittelfristig wieder auf Wachstumskurs sieht, gewann gut 2 Prozent. Es sei das mittelfristige Ziel, auch weiterhin im Durchschnitt stärker als der Markt zu wachsen und durchschnittlich eine zweistellige Umsatzrendite zu erzielen, so der Vorstandsvorsitzende Volker Heuer bei der Hauptversammlung.
Infineon konnten gestern im TecDax 2,9 Prozent zulegen, nachdem der US-Technologiekonzern Texas Instruments am Vorabend seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das zweite Quartal angehoben hat. Zum Spitzenreiter avancierten Carl-Zeiss mit einem satten Plus von 4,7 Prozent. Drägerwerk hatten mit -4,2 Prozent die rote Laterne inne. (Aktienkurse)
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Dienstag uneinheitlich. Während der Dow Jones mit 8.763,06 Punkten um 0,02 Prozent abnahm, zog die Nasdaq um 0,96 Prozent auf 1.860,13 Zähler an. Der S&P 500 kletterte um 0,35 Prozent und schloss bei 942,43 Zählern. Die Futures notieren derzeit unterschiedlich. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.806,00 Punkten (+64,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.500,00 Punkten (-0,75 Punkte) und der S&P Future bei 946,60 Zählern (+7,00 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute trotz der unentschlossenen Vorgaben der US-Börsen stärker. Nach der positiven Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 2,09 Prozent bei 9.991,49 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte ebenfalls grüne Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 2,13 Prozent im Plus bei 18.442,85 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,84 Prozent zulegt auf 2.811,23 Punkte. (Börsenkurse Asien)
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,12 Prozent auf 118,30 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 5.053 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 5.054,75 Zählern (+0,9 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Verbraucherpreise, Insolvenzen und der Umsatzindex im Verarbeitenden Gewerbe zur Veröffentlichung an. Ferner wird in Frankreich die Industrieproduktion, in Italien die Industrieproduktion und das BIP sowie in Großbritannien die Industrieproduktion und Handelsbilanz bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Hypothekenanträge, Handelsbilanz, der Ölmarktbericht, Staatshaushalt und das Beige Book gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Halfords Group plc und Rémy Cointreau S.A. an.
Wichtige Meldungen:
Aktuellen Presseberichten zufolge beschleunigt der italienische Telekommunikationskonzern Telecom Italia S.p.A. den Verkaufsprozess seiner Tochter Hansenet und hat nach Informationen von "manager-magazin.de" nun die Bücher für Interessenten offengelegt.
Das Land Baden-Württemberg übernimmt für einen 550 Mio. Euro umfassenden Betriebsmittelkredit der Heidelberger Druckmaschinen AG (ISIN DE0007314007/ WKN 731400) eine Ausfallbürgschaft im Umfang von 229,02 Mio. Euro. Einer entsprechenden Finanzhilfe hat der Wirtschaftsausschuss des Landtags in seiner Sitzung am Dienstag nach intensiver Beratung bei zwei Gegenstimmen mit großer Mehrheit zugestimmt.
Der insolvente US-Automobilhersteller General Motors Corp. (GM) (ISIN US3704421052/ WKN 850000) hat am Dienstag ein neuen Chairman für die Zeit nach dem Gläubigerschutz genannt. Demnach soll Edward Whitacre Jr., ein früherer CEO und Chairman des US-Telekommunikationskonzerns AT&T Inc. (ISIN US00206R1023/ WKN A0HL9Z), Nachfolger von Kent Kresa werden.
Das amerikanische Finanzministerium hat am Dienstag zehn Banken gestattet, Mittel aus dem sogenannten TARP-Programm (Troubled Asset Relief Program) zurückzuzahlen. (Aktienkurse) (10.06.2009/ac/n/m)