Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt ist gestern Nachmittag nach enttäuschenden Daten zum US-Verbrauchervertrauen schwer unter Beschuss gekommen.
(Börsenkurse) Der
DAX rauschte innerhalb weniger Minuten um über 100 Punkte in die Tiefe und schloss am Ende mit 1,56 Prozent im Minus bei 4.808,64 Zählern. Für den
MDAX ging es um 0,51 Prozent abwärts auf 5.754,01 Stellen. Der
SDAX büßte daneben 0,83 Prozent ein auf 2.904,78 Punkte. Dagegen stieg der
TecDAX um 0,31 Prozent auf 626,89 Punkte.
Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Juni auf Monatssicht um 48.000 auf insgesamt 3.410.000 Menschen. Das Saisonbereinigungsverfahren errechnet für den Juni einen Anstieg um 31.000. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist ein Zuwachs der Zahl der Arbeitslosen um 250.000 zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote ging gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent zurück.
Die Wall Street hat gestern Nachmittag mit leichten Gewinnen eröffnet. Zum Xetra-Schluss lagen die US-Börsen dann allerdings deutlich hinten. Die Vereinigung der Chicagoer Einkaufsmanager hat für Juni einen Anstieg beim saisonbereinigten Konjunktur-Index ermittelt. So stieg der Einkaufsmanager-Index von 34,9 Punkten im Vormonat auf 39,9 Zähler. Volkswirte hatten lediglich einen Wert von 39,0 Stellen prognostiziert. Dagegen ist das US-Verbrauchervertrauen im Juni laut einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board zurückgegangen. Demnach sank der entsprechende Index von revidiert 54,8 Zählern im Vormonat auf 49,3 Punkte. Volkswirte hatten zuvor eine Verbesserung auf 55,3 Punkte erwartet. Hauptursache für den Rückgang des Verbrauchervertrauens war die nach wie vor unsichere Situation am US-Arbeitsmarkt sowie in der US-Wirtschaft, hieß es.
Die im Dax gelisteten Volkswagen-Stämme gaben am Indexende 4 Prozent ab. Dagegen konnten die Vorzüge im breiten Markt gut 3 Prozent zulegen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat einen Kreditantrag des VW-Großaktionärs Porsche (+2,9 Prozent) abgelehnt. Nach der Ablehnung dieses Antrags werde Porsche alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen. Derzeit befindet sich der Sportwagenhersteller in Verhandlungen mit dem Emirat Katar über eine Beteiligung. BASF schlossen mit 2,7 Prozent im Minus. Der Konzern hat Umstrukturierungen innerhalb des Unternehmensbereichs Petrochemicals angekündigt. Die optimierten Organisationsstrukturen sollen dabei zu höherer Effizienz und Effektivität führen und ein noch besseres Eingehen auf die Kundenbedürfnisse ermöglichen. Gleichzeitig erhöht der weltgrößte Chemiekonzern seine Verkaufspreise für Butandiol und dessen Folgeprodukte.
Anteilsscheine des Energieriesen E.ON schlossen daneben 2,4 Prozent schwächer. Presseangaben zufolge beabsichtigt der Konzern, sein Solargeschäft gemeinsam mit dem arabischen Staatsfonds Masdar aus Abu Dhabi auszubauen. Beide Seiten hätten bereits eine Reihe von konkreten Kooperationsmöglichkeiten geprüft. Vorstand Lutz Feldmann sprach sich gegen Akquisitionen im Solarbereich aus. Einen Börsengang der Renewables-Sparte von E.ON halte er aber für eine mögliche künftige Option. RWE gaben 1,5 Prozent ab. Der Versorger stellt seine Übertragungsnetzgesellschaft neu auf und stärkt so deren Unabhängigkeit im Rahmen der Anforderungen der vor kurzem endgültig verabschiedeten 3. EU-Energiebinnenmarkt-Pakete.
Unterdessen schlug sich die T-Aktie mit -0,4 Prozent recht wacker. Einem Medienbericht zufolge rechnet der Konzern damit, dass sich seine Zahlen wegen des anhaltend schwierigen Auslandsgeschäfts erst im zweiten Halbjahr spürbar verbessern werden. Dennoch sehen sich die Bonner auf gutem Weg, die Ergebnisziele einhalten zu können. Problematisch entwickle sich vor allem das Auslandsgeschäft. Dabei wurde ein möglicher Verkauf der britischen Mobilfunktochter T-Mobile UK als mögliche Option genannt. Fresenius konnten sogar leicht zulegen. Wie der Gesundheitskonzern mitteilte, erweitert er seine Produktionskapazitäten in Deutschland. Demnach wird der Bereich Fresenius Kabi in den kommenden drei Jahren insgesamt 100 Mio. Euro in den Ausbau seines Produktionsstandorts im hessischen Friedberg investieren.
Im MDAX verloren Arcandor nach anfänglichen Gewinnen 1,6 Prozent. Am Vorabend hat sich der interministerielle Bürgschaftsausschuss für die Gewährung eines Massekredits in Höhe von 50 Mio. Euro an die Versandhandelstochter Quelle ausgesprochen. Titel des Baukonzerns HOCHTIEF fielen leicht zurück. Dabei haben zwei Unternehmen der Tochtergesellschaft Leighton in Neuseeland und Australien Aufträge im Wert von knapp 712 Mio. Euro an Land gezogen. GEA gewannen gegen den Trend 0,5 Prozent. Das Unternehmen hat von einer Tochter der American Dairy in China Aufträge mit einem Gesamtvolumen von mehr als 17 Mio. Euro erhalten.
Im TecDax schossen QSC zeitweise um mehr als 8 Prozent in die Höhe. Letztendlich blieb ein Plus von 2,1 Prozent. Der Konzern hat einen Auftrag zur Vernetzung von mehr als 1.000 Wi-Fi Hotspots von The Cloud Networks in Deutschland vermeldet. Wie das Solartechnikunternehmen Roth & Rau mitteilte, hat sein Aufsichtsrat den im Mai 2010 auslaufenden Vorstandsvertrag von Carsten Bovenschen vorzeitig um weitere fünf Jahre verlängert. Der Wert konnte 2,6 Prozent zulegen. Bei Conergy schlug ein Plus von 3,3 Prozent zu Buche. Der Konzern hat den Verkauf von drei Photovoltaikanlagen in Bayern mit einer Gesamtleistung von Leistung von 10,7 MWp erfolgreich abgeschlossen. Des Weiteren stand hier ein Pressebericht im Blick, dem zufolge sich Conergy vom Vorstandsvorsitzenden Dieter Ammer getrennt hat. Conergy dementierte dem Bericht zufolge den Wechsel an der Konzernspitze. Am Indexende brachen centrotherm um über 6 Prozent ein. (Aktienkurse)
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Dienstag mit Verlusten. Während der Dow Jones mit 8.447,00 Punkten um 0,97 Prozent abnahm, verlor die Nasdaq um 0,49 Prozent auf 1.835,04 Zähler an. Der S&P 500 sackte daneben um 0,85 Prozent ab und schloss bei 919,32 Zählern. Die Futures notieren derzeit mehrheitlich im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.397,00 Punkten (+3,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.481,50 Punkten (+5,25 Punkte) und der S&P Future bei 915,20 Zählern (-0,30 Punkte).(Börsenkurse USA)
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute infolge der negativen Vorgaben der US-Börsen mehrheitlich schwächer. Nach der positiven Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Minus von 0,19 Prozent bei 9.939,93 Punkten.
In China zeigen sich die Aktienmärkte uneinheitlich. So stand der Hang Seng zuletzt mit 0,81 Prozent im Minus bei 18.378,73 Punkten, während der Shanghai Composite derzeit um 1,28 Prozent auf 2.997,29 Punkte zulegt.(Börsenkurse Asien)
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,08 Prozent auf 121,13 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit leichten Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.821 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.810,75 Zählern (-0,2 Prozent).
In Deutschland stehen heute der Einzelhandelsumsatz und der Einkaufsmanagerindex zur Veröffentlichung an. In Japan wird der Tankan-Bericht gemeldet. Ferner wird in Euroland der Einkaufsmanagerindex bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die wöchentlichen Hypothekenanträge, der ADP-Arbeitsmarktbericht, der ISM Manufacturing Index, die anstehenden Hausverkäufe und die Bausausgaben. gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Constellation Brands Inc., General Mills Inc. und Marks & Spencer plc an.
Wichtige Meldungen:
Die Europäische Kommission hat am Dienstag eine Rettungsbeihilfe von 50 Mio. Euro zugunsten der Quelle GmbH, der Versandhaustochter des insolventen Einzelhandels- und Touristikkonzerns Arcandor AG , nach den Beihilfevorschriften des EG-Vertrags geprüft und genehmigt.
Der US-Technologiekonzern Broadcom Corp. (ISIN US1113201073/ WKN 913684) hat seine Offerte für den Rivalen Emulex Corp. (ISIN US2924752098/ WKN 868379) um 19 Prozent erhöht. (01.07.2009/ac/n/m)