Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Aktienindizes sind am Donnerstag kräftig unter die Räder gekommen.
(Börsenkurse) Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten gestern Nachmittag hat der
DAX seine Talfahrt noch einmal beschleunigt. Der deutsche Leitindex schloss am Ende mit 3,81 Prozent im Minus bei 4.718,49 Punkten. Für den
MDAX ging es um 1,98 Prozent nach unten auf 5.762,11 Zähler. Der
SDAX fiel um 1,46 Prozent zurück auf 2.891,59 Indexpunkte. Der
TecDAX bröckelte gleichzeitig um 1,80 Prozent ab auf 623,06 Zähler.
Der Markt musste eine ganze Reihe wichtiger Konjunkturdaten verarbeiten. Laut Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in der Eurozone im Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent gestiegen. In der EU27 erhöhte sich die Arbeitslosenquote ebenfalls um 0,2 Prozentpunkte auf 8,9 Prozent. Für die Eurozone ist dies die höchste Quote seit Mai 1999 und für die EU27 seit Juni 2005. Ferner hat Eurostat einen Rückgang der Erzeugerpreise in der europäischen Industrie im Mai ermittelt. Des Weiteren hat die EZB beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Der zentrale 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken refinanzieren, bleibt damit bei 1,00 Prozent.
Wie außerdem bekannt wurde, hat sich die Arbeitsmarktsituation in den USA im Juni weiter verschlechtert. So erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit August 1983. Volkswirte hatten sogar einen Anstieg auf 9,6 Prozent befürchtet. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 467.000 Personen. Volkswirte hatten einen Stellenabbau um lediglich 363.000 Beschäftigte erwartet. Wie in einer separaten Meldung mitgeteilt wurde, verringerte sich die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche um 16.000 auf 614.000. Dies war so in etwa auch erwartet worden. Gleichzeitig ist der Auftragseingang langlebiger Güter in den USA im Mai angewachsen. So stieg der Auftragseingang der Industrie um 1,2 Prozent. Bereinigt um den Transport-Sektor hatte der Auftragseingang in der Industrie nur bei +0,8 Prozent gelegen. Volkswirte hatten zuvor ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Insbesondere wegen der schwachen Arbeitsmarktdaten lagen die US-Börsen zum Xetra-Schluss kräftig hinten.
Der Autobauer VW verzeichnete im Juni in den USA einen Absatzrückgang um 18 Prozent. Mit einem Minus von 8 Prozent schlug sich die VW-Tocher AUDI noch recht wacker. Die VW-Aktie verlor dennoch als Schlusslicht im Dax 7,8 Prozent. Papiere des VW-Großaktionärs Porsche schlossen 3,9 Prozent leichter. Der Sportwagenbauer hat im Juni in den USA einen regelrechten Absatzeinbruch um satte 62 Prozent erlitten. Bei Daimler (-5,5 Prozent) und BMW (-3,4 Prozent) sanken die Absätze um 26 bzw. um 20 Prozent.
Titel der Deutschen Börse bröckelten gestern um 6,2 Prozent ab. Wie der Börsenbetreiber am Vorabend bekannt gab, wurden im Juni auf Xetra und dem Parkett der Börse Frankfurt laut Orderbuchstatistik 87,9 Mrd. Euro umgesetzt, was einem Rückgang von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Kräftige Abschläge prägten das Bild unter anderem auch bei der Commerzbank (-6,5 Prozent), ThyssenKrupp (-5,6 Prozent) und Siemens (-5,3 Prozent). Bei Linde schlug ein Minus von 3,2 Prozent zu Buche. Dabei hat der Technologiekonzern einen Großauftrag über rund 1,1 Mrd. Dollar erhalten. Anteile des Energieversorgers E.ON, der einem Pressebericht zufolge in seinen drei Zentralen bis zu 300 Stellen streichen will, verloren daneben 4,2 Prozent. Die T-Aktie entwickelte sich mit einem Abschlag von 2,2 Prozent etwas besser als der Gesamtmarkt. Wie in der Presse zu lesen war, prüft auch die spanische Telefonica ein Übernahmeangebot für die britische Mobilfunktochter der Deutschen Telekom. Demnach wollen die Spanier damit die Spitzenposition ihrer Tochter O2 auf dem britischen Markt verteidigen, die durch einen möglichen Verkauf von T-Mobile UK an einen Konkurrenten gefährdet werden könnte. Angesichts der jahrelang schwachen Geschäftsentwicklung wollen die Bonner ihre britische Tochter loswerden. Gegen den Trend konnten einzig FMC 0,9 Prozent zulegen.
Im MDAX gewannen Celesio 1,1 Prozent. Der Pharmagroßhändler hat am Mittwoch die Ausweitung seiner Geschäftsaktivitäten auf den schwedischen Markt bekannt gegeben. Zum Spitzenreiter avancierten Heidelberger Druck mit einem satten Plus von 2,8 Prozent. Auf der anderen Seite brachen Arcandor um gut 10 Prozent ein. Für TUI ging es um über 8 Prozent in die Tiefe.
Im TecDAX konnten sich AIXTRON dem widrigen Umfeld entziehen und um 0,4 Prozent vorrücken. Wie der Technologiekonzern mitteilte, hat die taiwanische Epistar kürzlich einen weiteren Auftrag über mehrere AIXTRON-Anlagen erteilt. Noch deutlich besser entwickelten sich u.a. Phoenix Solar (+6 Prozent), Carl-Zeiss (+2,8 Prozent) und IDS Scheer (+2,4 Prozent). MorphoSys schlossen unverändert. Zuvor hat der Biotechkonzern eine Forschungskooperation mit der Universität von Melbourne bekannt gegeben. Am Indexende brachen Infineon um 6,3 Prozent ein, gefolgt von Q-Cells (-5,8 Prozent) und Roth & Rau (-5,6 Prozent).
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Verlusten. Während der Dow Jones mit 8.280,74 Punkten um 2,63 Prozent abnahm, verlor die Nasdaq um 2,67 Prozent auf 1,796,52 Zähler an. Der S&P 500 fiel daneben um 2,91 Prozent ab und schloss bei 896,42 Zählern. (Börsenkurse USA)
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute infolge der negativen Vorgaben der US-Börsen überwiegend schwächer. Nach der negativen Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Minus von 0,61 Prozent bei 9.816,07 Punkten.
In China zeigen sich die Aktienmärkte uneinheitlich. So steht der Hang Seng derzeit mit 0,46 Prozent im Minus bei 18.094,66 Punkten, während der Shanghai Composite derzeit um 0,38 Prozent auf 3.071,77 Punkte zulegt. (Börsenkurse Asien)
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,02 Prozent auf 121,58 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.741,50 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.744,00 Zählern (+0,5 Prozent).
In Deutschland steht heute der Einkaufsmanagerindex zur Veröffentlichung an. Aus Euroland werden heute der Einkaufsmanagerindex und der Einzelhandelsumsatz gemeldet. In den USA bleibt die Wall Street aufgrund des Feiertages "Independence Day" heute geschlossen.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Hauptversammlungen stehen heute bei Baader Wertpapierhandelsbank AG und Balda AG an.
Wichtige Meldungen:
Die Börsenrat der Deutsche Börse AG hat am Donnerstag Maßnahmen für eine weitere Stärkung der Position der Frankfurter Wertpapierbörse im europäischen Wettbewerb beschlossen. Demnach wurde die Geschäftsführung - neben der fortlaufenden Optimierung des Präsenzhandels - beauftragt, den elektronischen Handel mit dem Xetra-System an der Frankfurter Wertpapierbörse weiter konsequent auszubauen und zu internationalisieren. Nach der bereits erfolgten, erfolgreichen Aufnahme des Handels von Fondsanteilen und strukturierten Produkten auf Xetra im Spezialistenmodell soll auch für weitere Wertpapierklassen ein umfassendes paneuropäisches Angebot der Frankfurter Wertpapierbörse auf Xetra geschaffen werden, hieß es weiter.
Der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing (ISIN US0970231058/ WKN 850471) gab am Donnerstag die Auslieferungszahlen für das zweite Quartal 2009 bekannt. Unternehmensangaben zufolge wurden insgesamt 125 kommerzielle Flugzeuge ausgeliefert. (Aktienkurse)(03.07.2009/ac/n/m)