Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt lag gestern über weite Strecken des Tages deutlich vorne. Belastet von schwachen Vorgaben der US-Börsen gab der
Dax am Nachmittag innerhalb kürzester Zeit rund 150 Punkte ab. Am Ende schloss der deutsche Leitindex mit 1,57 Prozent im Minus bei 4.804,10 Punkten. Der
MDAX kam um 1,22 Prozent auf 5.835,95 Zähler zurück. Der SDAX konnte dagegen 0,80 Prozent zulegen auf 2.823,90 Punkte. Der
TecDax fiel um 1,06 Prozent auf 624,37 Zähler. Am frühen Nachmittag hat der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent beschlossen. Angesichts der angespannten Wirtschaftslage hatten Experten diesen Schritt im Vorfeld erwartet.
Nach einem freundlichen Auftakt ist die Wall Street kurz nach der Eröffnung in die Verlustzone gerutscht. Zum Xetra-Schluss lag der Dow Jones mit 0,9 Prozent und der Nasdaq Composite mit 2,1 Prozent im Minus. Bei der Aktie des Autobauers GM war zuletzt ein Abschlag von gut 4 Prozent zu beobachten. Der angeschlagene Konzern hat im ersten Quartal bei einem massiven Umsatzeinbruch einen Verlust von 6 Mrd. Dollar eingefahren, womit allerdings die Erwartungen der Analysten übertroffen wurden. Anfangs konnte der Markt noch von besser als erwarteten Daten vom Arbeitsmarkt profitieren. Laut Angaben des Arbeitsministeriums sank die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche um 34.000 auf 601.000, wogegen Volkswirte im Vorfeld einen Anstieg auf 635.000 prognostiziert hatten. In einer Rede hat US-Notenbankchef Ben Bernanke im Zusammenhang mit der internationalen Finanzkrise eine schärfere Kontrolle der Banken gefordert. Demnach werde die Fed künftig in Zusammenarbeit mit den zuständigen Regulierungsbehörden ihre Kontrollfunktion für die Geschäftsbanken verstärkt wahrnehmen.
Die EU-Kommission hat mit der Billigung der milliardenschweren Staatshilfen für die Commerzbank für große Erleichterung bei den Anteilseignern gesorgt. In dem Zusammenhang muss sich das zweitgrößte deutsche Finanzinstitut unter anderem von der Tochter Eurohypo trennen. Die Aktie gewann in der Spitze gut 22 Prozent und schloss letztendlich 9 Prozent fester. Mit deutlichem Abstand folgten FMC (+3 Prozent) und METRO (+2,8 Prozent). Das Papier der Deutschen Telekom gab hingegen 1,9 Prozent ab. Das Unternehmen hat seine Erlöse im Auftaktquartal in Zusammenhang mit der Erstkonsolidierung der griechischen OTE-Gruppe um 6,2 Prozent auf 15,90 Mrd. Euro steigern können. Das Ergebnis brach indes von 924 Mio. Euro auf -1,12 Mrd. Euro ein. Die Differenz führten die Bonner im Wesentlichen auf die Wertminderung des Goodwills von T-Mobile UK um 1,8 Mrd. Euro zurück. Der bereinigte Konzernüberschuss fiel von 750 Mio. Euro auf 655 Mio. Euro. E.ON verloren ex Dividende am DAX-Ende 7,8 Prozent. Deutlicher Abgabedruck lastete unter anderem auch auf MAN, der Deutschen Lufthansa und Merck.
Im MDAX gewannen ProSiebenSat.1 ohne fundamentale Neuigkeiten 8,7 Prozent. HeidelbergCement rückten daneben um 5,2 Prozent vor. Die Erlöse des Baustoffherstellers sanken im abgelaufenen Quartal um 23 Prozent auf 2,36 Mrd. Euro. Der Fehlbetrag lag bei -45,9 Mio. Euro, gegenüber einem Vorjahresgewinn in Höhe von 1,29 Mrd. Euro. Das Vorjahresquartal war durch den Buchgewinn aus dem Verkauf der maxit Group geprägt. Papiere des Baukonzerns Bilfinger Berger verbesserten sich um 2,1 Prozent. Eigenen Angaben zufolge ist man trotz der Wirtschaftskrise gut in das neue Fiskaljahr gestartet und konnte in den ersten drei Monaten beim Ergebnis deutlich zulegen. Die Aktie des Immobilienkonzerns IVG gewann ein knappes Prozent. Das Unternehmen erlitt im Auftaktquartal einen Konzernverlust von 44,8 Mio. Euro, nach einem Gewinn im Vorjahr. Bereinigt um die negativen, unrealisierten Marktwertänderungen erzielt man mit 14,4 Mio. Euro (Vorjahr: 25,4 Mio.) ein positives operatives Ergebnis vor Steuern. LANXESS bauten ihre Verluste im Tagesverlauf weiter aus und schlossen am Ende mit 8,3 Prozent im Minus. Zuvor wurde bekannt, dass der Spezialchemie-Konzern im ersten Quartal angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang hinnehmen musste. Die Aktie des Aromenherstellers Symrise, dessen Ergebnis im Startquartal rückläufig war, verlor 5,2 Prozent. Daneben kam die Aktie der HRE (-11,4 Prozent) deutlich von ihren Tageshöchstständen zurück. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin hat im Zuge des Übernahmeangebots für die HRE die Mehrheit an dem durch die Finanzkrise in Schieflage geratenen Kreditinstitut nicht erreicht. Insgesamt hält der SoFFin gut 47 Prozent der ausstehenden HRE-Aktien. Um die Übernahme zur Rettung der Bank fortzusetzen, soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung beschlossen werden.
Im TecDAX thronten gestern AIXTRON mit +8,2 Prozent an der Spitze. Der weltweit führende Hersteller von Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie hat in den ersten drei Monaten bei rückläufigen Erlösen einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen müssen. SINGULUS legten 0,8 Prozent zu. Der Spezialist für Optical Disc Produktionslinien hat im Auftaktquartal bei gestiegenen Erlösen einen Fehlbetrag von gut 6 Mio. Euro erwirtschaftet. An letzter Stelle fanden sich SMARTRAC mit -8,4 Prozent. Einen weiten Bogen machten die Anleger aber auch um Q-Cells, IDS Scheer und centrotherm.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Verlusten. Während der Dow Jones mit 8.409,85 Punkten um 1,20 Prozent abnahm, ging die NASDAQ um 2,44 Prozent auf 1.716,24 Zähler zurück. Der S&P 500 schrumpfte um 1,32 Prozent und schloss bei 907,39 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.444,00 Punkten (+57,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.400,25 Punkten (+5,75 Punkte) und der S&P Future bei 914,40 Zählern (+7,40 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute trotz der positiven Entwicklung der US-Börsen freundlich. Nach der starken Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 0,58 Prozent bei 9.440,56 Punkten.
In China notieren die Aktienmärkte ebenfalls mit grünen Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 0,21 Prozent im Plus bei 17.253,63 Punkten, während der Shanghai Composite um 0,70 Prozent zulegt auf 2.615,52 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,06 Prozent auf 120,66 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.852 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.860,50 Zählern (+0,7 Prozent).
In Deutschland stehen heute die Außenhandelsdaten und Produktion im produzierenden Gewerbe zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Großbritannien die Erzeugerpreise bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Arbeitsmarktdaten und Großhandelsdaten gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Beazer Homes USA Inc., Calpine Corp., Edison International, Gartner Inc., Huntsman Corp., Johnson Outdoors Inc., Mirant Corp., Commerzbank AG, Dyckerhoff AG, Endesa S.A., IDS Scheer AG, Klöckner-Werke AG, Marseille-Kliniken AG, MediClin AG, Mitsubishi Corp., OMV AG, PUMA AG Rudolf Dassler Sport, Rheinmetall AG und Toyota Motor Corp. an.
Wichtige Meldungen:
Der amerikanische Rundfunk- und Medienkonzern CBS Corp. meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss, dass er im ersten Quartal 2009 aufgrund des drastischen Rückgangs des Werbemarktes einen Verlust ausweisen musste.
Der US-Versicherungskonzern Allstate Corp. (ISIN US0200021014/ WKN 886429) gab am Donnerstag nach US-Börsenschluss bekannt, dass er im ersten Quartal 2009 einen Verlust verzeichnet hat, was auf die Finanzkrise zurückzuführen ist.
Die Telecom Italia S.p.A. (ISIN IT0003497168/ WKN 120470), Italiens größte Telefongesellschaft, präsentierte am Donnerstag die Geschäftszahlen für das erste Quartal. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wurde ein Rückgang auf 1,35 Mrd. Euro ausgewiesen, nach 1,51 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.
Aktuellen Presseberichten zufolge sieht der Übernahmeplan des italienischen Automobil- und Industriekonzerns Fiat S.p.A. (ISIN IT0001976403/ WKN 860007) für Opel vor, dass die Zentrale der jetzigen Tochter des angeschlagenen US-Automobilkonzerns General Motors Corp. (GM) (ISIN US3704421052/ WKN 850000) in Rüsselsheim bleibt. Dies berichtet das "Handelsblatt" am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe. (08.05.2009/ac/n/d)