Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die deutschen Aktienindizes haben am Donnerstag ohne Ausnahme fester tendiert. Während der DAX, der über weite Strecken des Tages im Minus lag, am Ende um 0,23 Prozent auf 4.738,47 Punkte anzog, verbesserte sich der
MDAX deutlich um 1,81 Prozent auf 5.488,62 Zähler. Der SDAX gewann 0,26 Prozent auf 2.743,63 Punkte. Für den
TecDax ging es um 1,68 Prozent aufwärts auf 594,26 Zähler.
Wie aus dem Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, sehen die Währungshüter erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft in der Eurozone auf niedrigem Niveau. Dabei rechnet die EZB aber für das laufende Jahr weiterhin mit einer schwachen Auslands- und Binnennachfrage. Erst für das nächste Jahr wird eine allmähliche Erholung erwartet.
Wie das US-Arbeitsministerium gestern Nachmittag mitteilte, hat sich die Arbeitsmarktsituation in den USA in der Vorwoche überraschend deutlich verschlechtert. Demnach stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 32.000 auf 637.000, während Volkswirte lediglich eine Zunahme auf 610.000 erwartet hatten. Zudem sind die US-amerikanischen Erzeugerpreise im April um 0,3 Prozent gestiegen. Geschätzt wurde ein Plus von 0,2 Prozent. In der Kernrate stiegen die Preise wie prognostiziert um 0,1 Prozent. Ungeachtet der enttäuschenden Daten vom Arbeitsmarkt lag die Wall Street zum Xetra-Schluss recht deutlich vorne. Titel von Wal-Mart hatten zuletzt mit roten Vorzeichen zu kämpfen. Dabei hat der Einzelhandelskonzern im ersten Quartal die Gewinnerwartungen des Marktes erfüllt.
Mit einem Zuwachs von 5 Prozent thronten Salzgitter an der DAX-Spitze. Der Stahlkonzern hat in den ersten drei Monaten 2009 aufgrund rezessiver Geschäftsentwicklungen mit Schwerpunkt in den Bereichen Stahl, Handel und Technologie rote Zahlen geschrieben. Der Außenumsatz ging dabei um 24 Prozent auf 2,19 Mrd. Euro zurück. Das Nachsteuerergebnis fiel auf -74,1 Mio. Euro, nach einem Überschuss von 194,9 Mio. Euro im Vorjahr. Am Markt wurde allerdings Schlimmeres befürchtet. Wegen der anhaltenden weltweiten Konjunkturschwäche sieht der Konzern die ursprüngliche Prognose bestätigt, dass die erste Jahreshälfte nicht mit einem ausgeglichenen Konzernergebnis abgeschlossen werden kann. Für Papiere des Mitbewerbers ThyssenKrupp ging es um 1 Prozent nach oben. Leicht rote Vorzeichen prägten das Bild dagegen bei RWE (-0,3 Prozent). Der Energieversorger konnte seinen Außenumsatz im Auftaktquartal um 8 Prozent auf 14,5 Mrd. Euro steigern. Bereinigt um Wechselkurseffekte betrug das Plus 12 Prozent. Das nachhaltige Nettoergebnis verbesserte sich um 6 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. In seinem Ausblick für 2009 geht der Konzern davon aus, dass der Außenumsatz auf Höhe des Vorjahres liegen wird. Beim EBITDA will man in der Größenordnung des Vorjahreswertes abschließen. Gleiches gilt für das betriebliche Ergebnis und das nachhaltige Nettoergebnis. Titel des Branchenkollegen E.ON gewannen leicht. Im Automobilsektor zogen BMW um 4 Prozent und Daimler um 0,2 Prozent an, während Volkswagen um 0,9 Prozent abrutschten. Laut Angaben der ACEA verringerte sich die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Europa im April binnen Jahresfrist um 12,3 Prozent auf 1.251.862 Einheiten. Für Deutschland, den größten Automobilmarkt in Europa, wurde ein Wachstum um 19,4 Prozent auf 379.626 Neuzulassungen gemeldet. Deutlich schwächer zeigten sich unter anderem die Commerzbank (-3,2 Prozent), die Deutsche Lufthansa (-3,3 Prozent) und adidas (-3,2 Prozent). METRO (-3 Prozent) und K+S (-5,2 Prozent) wurden ex
Dividende gehandelt.
In der zweiten Reihe gewannen ProSiebenSat.1 gestern im MDAX als Spitzenreiter 13,4 Prozent. Der Medienkonzern konnte das bereinigte EBITDA im ersten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs um 6 Prozent auf 93,8 Mio. Euro steigern. STADA kletterten daneben um 10,1 Prozent. Der Pharmakonzern hat im Auftaktquartal wegen der besonders schwierigen Rahmenbedingungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise wie erwartet einen Rückgang bei Umsatz und Ertrag hinnehmen müssen. Die erreichten Ergebnisse lagen aber im oberen Bereich des Planungskorridors des Konzerns. Nach anfänglichen Verlusten schlossen KlöCo mit 6,3 Prozent im Plus. Dabei hat der Stahl- und Metallhändler in den ersten drei Monaten 2009 bei einem massiven Umsatzrückgang tiefrote Zahlen geschrieben. Für Celesio ging es daneben um 5,9 Prozent aufwärts. Zuvor wurde bekannt, dass der Pharmagroßhändler im ersten Quartal einen operativen Ergebnisrückgang erlitten hat. Die Erlöse gingen um knapp 3 Prozent auf 5,12 Mrd. Euro zurück. Beim EBITDA wurde ein Rückgang von 149,9 Mio. Euro auf 44,5 Mio. Euro verzeichnet. Unter dem Strich wurde beim Überschuss aber ein leichter Anstieg auf 58 Mio. Euro verbucht. HOCHTIEF verfestigten sich um 5,5 Prozent. Der Baukonzern hat im ersten Quartal einen leichten Ergebnisrückgang verzeichnet. Für das Gesamtjahr wurden die Prognosen jedoch bestätigt. Premiere zogen um 6 Prozent an. Der Bezahlfernsehsender hat seinen Verlust im Startquartal deutlich auf 80 Mio. Euro ausgeweitet. Gleichzeitig wurde der Ausblick für 2009 und die Folgejahre bekräftigt. Der Shoppingcenter-Investor Deutsche Euroshop hat in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2009 einen Anstieg bei Umsatz und Ergebnis verzeichnen können. Die Anleger verhalfen dem Wert zu einem Plus von 2,3 Prozent.
Im TecDAX schossen centrotherm um 12,7 Prozent nach oben. Der Konzern hat seine Erlöse in den ersten drei Monaten von 67,7 Mio. Euro auf 131 Mio. Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (EBIT) vor Kaufpreisallokationen konnte auf 18,5 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden. Conergy konnten die am Morgen markierten Höchststände nicht verteidigen und gingen am Ende mit +6,9 Prozent in den Feierabend. Der Solarkonzern hat sein operatives Ergebnis (EBIT) im Auftaktquartal trotz eines Umsatzeinbruchs um 69 Prozent auf 64,6 Mio. Euro um 5 Mio. Euro auf -20,6 Mio. Euro verbessern können. Die
Aktie von Phoenix Solar drehte in der zweiten Tageshälfte noch einmal richtig auf und gewann letztendlich 7 Prozent. Das Photovoltaik-Systemhaus hat im ersten Quartal einen Rückgang der Gesamtumsatzerlöse um 11,8 Prozent auf 36,7 Millionen Euro verzeichnet. Das Ergebnis ging von 0,6 Mio. Euro auf -6 Mio. Euro zurück. Das Solartechnikunternehmen Roth & Rau meldete einen erfolgreichen Start ins Jahr 2009. Zudem wurde die Prognose für 2009 bestätigt. Der Konzernumsatz im ersten Quartal stieg um 50,5 Prozent auf 66,1 Mio. Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 83,4 Prozent auf 9,2 Mio. Euro. Der Wert rückte um 6,9 Prozent vor. Bechtle verteuerten sich um 0,7 Prozent. Die Erlöse des IT-Konzerns sanken im ersten Quartal um 5,3 Prozent auf 318,9 Mio. Euro. Das Vorsteuerergebnis brach dabei um 49 Prozent auf 6,1 Mio. Euro ein. SolarWorld (+3 Prozent) standen ebenfalls auf der Einkaufliste der Anleger. Der Konzern hat mit Vorlage des Quartalsberichtes seine vorab gemeldeten Zahlen bestätigt. Carl Zeiss sackten indes um 4,5 Prozent ab. Dabei konnte das Unternehmen Umsatz und EBIT in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres steigern.
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Donnerstag mit Gewinnen. Während der Dow Jones mit 8.331,32 Punkten um 0,56 Prozent zunahm, zog die Nasdaq um 1,50 Prozent auf 1.689,21 Zähler an. Der S&P 500 kletterte um 1,04 Prozent und schloss bei 893,07 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.302,00 Punkten (+15,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.356,00 Punkten (+2,25 Punkte) und der S&P Future bei 890,90 Zählern (+1,40 Punkte).
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute angesichts der guten Entwicklung der US-Börsen mehrheitlich stärker. Nach der schwächeren Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 1,92 Prozent bei 9.268,73 Punkten.
In China notieren die Aktienmärkte uneinheitlich. So steht der Hang Seng derzeit mit 1,84 Prozent im Plus bei 16.845,27 Punkten, wogegen der Shanghai Composite um 0,22 Prozent abgibt auf 2.634,07 Punkte.
Der Markt heute:
Der Bund Future steigt bisher um 0,11 Prozent auf 121,72 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.752 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.754,25 Zählern (+0,3 Prozent).
In Deutschland stehen heute das BIP und die Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Italien und der EU das BIP und die Inflation bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Verbraucherpreise, der Empire State Index, die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung sowie die Verbraucherstimmung gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Abercrombie & Fitch Co., J. C. Penney Co. Inc., 4SC AG, Alphaform AG, Altira AG, ATOSS Software AG, Bauer AG, Beate Uhse AG, Biotest AG, CURANUM AG, EMPRISE AG, ersol Solar Energy AG, ESTAVIS AG, euromicron AG, Fortis S.A., Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Homag Group AG, IM Internationalmedia AG, init - innovation in traffic systems AG, Jerini AG, Koenig & Bauer AG, LPKF Laser & Electronics AG, Maternus-Kliniken AG, MediGene AG, MVV Energie AG, nextevolution AG, Panasonic Corp., Schaltbau Holding AG, SKW Stahl-Metallurgie Holding AG, SMA Solar Technology AG, Sunways AG, Travel24.com AG und UMS United Medical Systems International AG an.
Wichtige Meldungen:
Die amerikanische Agilent Technologies Inc. , ein Messtechnik-Unternehmen für Elektronik, Kommunikation, Life Science und Chemische Analysentechnik, meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss, dass sie im zweiten Fiskalquartal 2008/09 nach einem Umsatzeinbruch einen Verlust ausweisen musste.
Die Blockbuster Inc. (ISIN US0936791088/ WKN 924821), die größte Filmverleihkette in den USA, meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss, dass sie im ersten Quartal 2009 einen Gewinnrückgang hinnehmen musste. Auf bereinigter Basis wurden die Erwartungen jedoch klar geschlagen.
Die Deutsche Post AG (ISIN DE0005552004/ WKN 555200) hat am Donnerstag wie vorgesehen die erste Hälfte ihres Aktienpakets an der Deutsche Bank AG (ISIN DE0005140008/ WKN 514000) am Markt verkauft und hält nun nur noch 4 Prozent an dem Frankfurter Geldinstitut. Damit ist der Anteil an der Deutschen Bank unter die meldepflichtige Grenze von 5 Prozent gefallen.
Die Europäische Kommission hat am Donnerstag die geplante Übernahme der britischen Luftfahrtgesellschaft British Midland (bmi) durch die Deutsche Lufthansa AG (ISIN DE0008232125/ WKN 823212) nach der EU-Fusionskontrollverordnung geprüft und genehmigt. (15.05.2009/ac/n/m)