Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach einem verhaltenen Auftakt hat der deutsche Aktienmarkt gestern in der zweiten Handelshälfte noch einmal richtig Fahrt aufgenommen
(Börsenkurse). Der
DAX sprang letztendlich um 3,19 Prozent und schloss bei 4.722,34 Indexpunkten. Für den
MDAX ging es daneben um 2,05 Prozent in die Höhe auf 5.577,32 Zähler. Der
SDAX gewann 0,64 Prozent auf 2.817,76 Stellen. Der Technologieindex
TecDAX konnte um 2,48 Prozent vorrücken auf 626,87 Zähler.
Einem Medienbericht zufolge sieht das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) nach der schweren Rezession wieder Licht am Horizont. Laut internen Berechnungen sei die Wirtschaft im April und Mai nicht weiter geschrumpft. Mit einer kräftigen Erholung rechne man allerdings nicht. Die Entwicklung könnte dazu führen, dass die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für 2009 (-6 Prozent) nach oben korrigiert.
Rückenwind kam dabei auch aus New York. Zum Xetra-Schluss lagen die breiten US-Indizes mit bis zu 1 Prozent im Plus. Medienberichten zufolge wurde das Papier der US-Bankgesellschaft Goldman Sachs, deren Ergebnisse am Dienstag erwartet werden, von Meredith Whitney Advisory zum Kauf empfohlen.
Belastet von einer negativen Analystenstudie sackten Titel des Düngemittelkonzerns K+S gegen den Trend am DAX-Ende um 3 Prozent ab. ThyssenKrupp schafften im Tagesverlauf die Trendwende und gingen mit +0,8 Prozent in den Feierabend. Dabei treibt die Rezession den Stahl- und Industriegüterkonzern einem Presseartikel zufolge tief in die roten Zahlen. Demnach gehe der Vorstand für das gesamte Geschäftsjahr nach internen Schätzungen zurzeit von einem Vorsteuerverlust von über 1,5 Mrd. Euro aus. Wie es weiter hieß, werde von den insgesamt fünf Sparten einzig das Aufzuggeschäft positiv abschließen. Papiere des Mitbewerbers Salzgitter zeigten sich davon vollkommen unbeeindruckt und kletterten um 3,5 Prozent. Volkswagen verabschiedeten sich mit einem Plus von 4,9 Prozent in den Feierabend. Laut einem Medienbericht ist der Wüstenstaat Katar nur an einem Einstieg beim Sportwagenhersteller Porsche (+9,7 Prozent) interessiert, wenn die Firmeneigentümer ihre seit Monaten tobende Familienfehde beenden. Katar sorge sich, zwischen die Fronten der Familien Porsche und Piëch zu geraten. Unbestätigt blieben laut dem Artikel Meldungen, wonach der Golfstaat rund 7 Mrd. Euro für den Kauf von 25 Prozent der Porsche-Stammaktien sowie die VW-Optionen biete. Auf jeden Fall habe das Scheichtum Interesse an den Optionen auf rund 20 Prozent an VW, die Porsche noch hält. VW hatte den Eigentümerfamilien angeboten, für rund 4 Mrd. Euro 49 Prozent am unter der Holding aufgehängten Sportwagenbauer Porsche AG zu kaufen, hieß es. Zum Spitzenreiter avancierten allerdings Daimler mit +6 Prozent. Der Großaktionär Aabar Investments übernimmt 40 Prozent des Daimler-Anteils am auf Elektroautos spezialisierten amerikanischen Hersteller Tesla Motors. Erst Mitte Mai hatte sich Daimler mit knapp 10 Prozent an Tesla beteiligt. Bayer standen mit einem Aufschlag von 4,3 Prozent ebenfalls weit oben auf der Einkaufliste. Wie der Pharma- und Chemiekonzern bekannt hab, hat Bayer Schering Pharma auf der Internationalen Alzheimer-Konferenz ICAD in Wien positive Ergebnisse einer weltweiten Phase-II-Studie mit dem neuen Positronen-Emissionstomographie (PET)-Tracer Florbetaben präsentiert. Der Technologiekonzern Siemens teilte mit, dass sich Siemens Energy gemeinsam mit weiteren Industrieunternehmen in der Desertec-Initiative, die eine nachhaltige Stromversorgung für Europa, den Nahen Osten und Nordafrika zum Ziel hat, engagiert. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding sei unterzeichnet worden. Die Desertec-Initiative ziele darauf ab, bis 2050 einen Anteil von 15 bis 20 Prozent des europäischen Strombedarfs als Solar- und Windstrom zu liefern. Siemens gewannen 4,4 Prozent. Anteilsscheine von METRO konnten 1,7 Prozent zulegen. Hier stand ein Pressebericht im Blick, dem zufolge Konzernchef Eckhard Cordes den 39 Jahre alten Olaf Koch - einen Weggefährten aus Daimler-Zeiten - in die Zentrale nach Düsseldorf holt. Koch sei noch beim Finanzinvestor Permira tätig und solle den Vorstand des Einzelhandelskonzerns erst ab 2010 verstärken. Dort werde er den derzeitigen Finanzchef Thomas Unger ablösen.
Im MDAX schossen HeidelbergCement als stärkster Wert um 10,4 Prozent in die Höhe. Weitere Gewinner waren unter anderem ElringKlinger (+8,4 Prozent) und Praktiker (+6,2 Prozent). MLP rauschten am Indexende um 3 Prozent in die Tiefe.
Im TecDax stachen SOLON mit einem Zuwachs von 8,2 Prozent ins Auge. Der Konzern habe mit dem größten norwegischen Energieversorger Statkraft einen Rahmenvertrag zum Bau von Photovoltaikkraftwerken im Gesamtumfang von 40 MWp abgeschlossen und damit einen strategisch wichtigen Neukunden gewonnen. Die beiden Solarschwergewichte SolarWorld und Q-Cells gewannen 4,2 bzw. 4,3 Prozent. Q-Cells-Chef Anton Milner rechnet einem Presseinterview zufolge noch für das laufende Jahr mit einer Markterholung. Bei Infineon schlug ein Plus von 5 Prozent zu Buche. Einem Pressebericht zufolge will sich der Investor Apollo den Einstieg beim Chipkonzern vom Bundeswirtschaftsministerium möglichst bald genehmigen lassen. Apollo möchte möglichst schnell auf 29,9 Prozent kommen, hieß es. Gesucht waren unter anderem auch freenet (+7,4 Prozent) und SINGULUS (+4,3 Prozent). (Aktienkurse)
Asiatische und US-Börsen:
Die US-Leitindizes beendeten den Handel am Montag mit Gewinnen. Während der Dow Jones mit 8.331,68 Punkten um 2,27 Prozent zunahm, zog die Nasdaq um 2,12 Prozent auf 1.793,21 Zähler an. Der S&P 500 kletterte daneben um 2,49 Prozent und schloss bei 901,05 Zählern. Die Futures notieren derzeit im Plus. So tendiert der Dow Jones Future bei 8.282,00 Punkten (+23,00 Punkte), der NASDAQ Future bei 1.444,75 Punkten (+2,25 Punkte) und der S&P Future bei 897,80 Zählern (+2,20 Punkte). (Börsenkurse USA)
Die größten Börsen in Asien entwickeln sich heute infolge der freundlichen Vorgaben der US-Börsen stärker. Nach der negativen Entwicklung des vorangegangenen Handelstages notiert der Nikkei-Index heute in Tokio mit einem Plus von 2,29 Prozent bei 9.257,61 Punkten.
In China zeigen die Aktienmärkte ebenfalls grüne Vorzeichen. So steht der Hang Seng derzeit mit 2,36 Prozent im Plus bei 17.661,01 Punkten, während der Shanghai Composite um 1,97 Prozent anzog auf 3.141,25 Punkte.(Börsenkurse Asien)
Der Markt heute:
Der Bund Future fällt bisher um 0,11 Prozent auf 121,97 Punkte.
Die Banken und Handelshäuser sehen den Deutschen Aktienindex heute mit Gewinnen starten. Die Deutsche Bank rechnet zu Handelsbeginn mit 4.748 Punkten. Der DAX-Future notiert derzeit bei 4.747,25 Zählern (+0,2 Prozent).
In Deutschland stehen heute die ZEW Konjunkturerwartungen zur Veröffentlichung an. Ferner werden in Italien die Handelsbilanz, in Großbritannien die Verbraucherpreise und in der EU die Industrieproduktion bekannt gegeben. Aus den USA werden heute die Erzeugerpreise, der Einzelhandelsumsatz sowie die Lagerbestände gemeldet.
Quartalszahlen, Hauptversammlungen und Analystenkonferenzen:
Quartalszahlen stehen heute bei Altera Corp., Goldman Sachs Group Inc., Intel Corp., Johnson & Johnson, Yum! Brands Inc., Jelmoli Holding AG und WILEX AG an.
Wichtige Meldungen:
Wie das US-Finanzministerium am Montag mitteilte, erreichte das Budgetdefizit der USA für den Monat Juni 94,3 Mrd. Dollar. Das kumulierte Budgetdefizit der USA stieg so auf die Rekordhöhe von 1,08 Bio. Dollar.
Die Software AG (ISIN DE0003304002) wird 47,68 Prozent der ausgegebenen Aktien der IDS Scheer AG (ISIN DE 0006257009) übernehmen.
Der britische Ölkonzern BP plc teilte am Montag mit, dass er mit der SOCAR (State Oil Company of the Republic of Azerbaijan) ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet hat, das die gemeinsame Exploration und Entwicklung der Shafag und Asiman Strukturen im aserbaidschanischen Sektor des Kaspisches Meeres vorsieht.
Der amerikanische IT-Dienstleister Unisys Corp. (ISIN US9092141087/ WKN 850546) gab am Montag seine Prognosen für das zweite Quartal bekannt. Den Angaben zufolge rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 1,09 bis 1,14 Mrd. Dollar (Vorjahr: 1,34 Mrd. Dollar). Der Gewinn vor Steuern soll zwischen 30 und 55 Mio. Dollar liegen, nach einem Verlust vor Steuern in Höhe von 5 Mio. Dollar im zweiten Quartal 2008. (14.07.2009/ac/n/m)