18.01.2013 11:11
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ThyssenKrupp-Chefaufseher verteidigt Arbeit des Aufsichtsrats

Ausblick für 2013 vorsichtig
ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die Arbeit des Kontrollgremiums verteidigt.
"Wir haben die Kraft gehabt, Fehler zu erkennen, zu korrigieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen", hieß es am Freitag in einem vorab verteilten Redemanuskript des Aufsichtsratsvorsitzenden. Bereits im Vorfeld des Aktionärstreffens in Bochum hatte es massive Kritik an Cromme gegeben. Die in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik bezeichnete Cromme als "bisweilen auch unberechtigt". "Was in den Medien steht, ist letztlich nicht maßgeblich", meinte er. An die Aktionäre appellierte der Aufsichtsratschef: "Lassen Sie sich nicht beirren."

    Cromme räumte aber auch ein: "Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können." Immer dann, wenn entsprechende Fakten dies ermöglicht hätten, habe der Aufsichtsrat konsequent gehandelt. Erste Erfolge seinen bereits erkennbar. Trotz aller Anstrengungen sei es in der Vergangenheit jedoch nicht gelungen, Fehlentwicklungen im Stahlgeschäft in Übersee zu verhindern.

AUFSICHTSRAT VERZICHTET AUF TEILE DER VERGÜTUNG

    "Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen", meinte er. Durch massive Probleme bei den Stahlwerken in den USA und in Brasilien war ThyssenKrupp im zurückliegenden Geschäftsjahr mit einem Verlust von fünf Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gestürzt. Als Geste der Betroffenheit und Solidarität mit den Anteilseignern des Konzerns habe der Aufsichtsrat beschlossen, für das Geschäftsjahr 2011/2012 auf die Hälfte seiner Vergütung zu verzichten, so Cromme.

    Vor dem Hintergrund von Kartell- und Korruptionsfällen betonte Cromme, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat "mit Nachdruck" verurteilt werden. "Dem Aufsichtsrat ist es außerordentlich wichtig, dass Verantwortung und persönliche Integrität unumstößliche, unverrückbare Maßstäbe in unserem Unternehmen sind und bleiben", so Cromme.

Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich ThyssenKrupp weiter vorsichtig. Das Unternehmen wolle im Geschäftsjahr 2012/13 ein bereinigtes Betriebsergebnis (EBIT) von rund einer Milliarde Euro erzielen, bekräftigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf der Hauptversammlung in Bochum. In dem Betrag sind nur die Ergebnisse der fortgeführten Aktivitäten enthalten. Das amerikanische Stahlgeschäft, das zum Verkauf steht, ist demnach ausgeklammert. Im Vorjahr hatte ThyssenKrupp ein bereinigtes EBIT von rund 1,4 Milliarden Euro ausgewiesen.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2012/2013 werde sich auf dem Vorjahresniveau bewegen, prognostizierte Hiesinger. ThyssenKrupp hatte in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr rund 40 Milliarden Euro mit den fortgeführten Aktivitäten erlöst.

Hiesinger sprach von einem "herausfordernden Umfeld": Eine durchgreifende Belebung der Weltwirtschaft sei auch im Geschäftsjahr 2012/2013 nicht in Sicht. ThyssenKrupp gehe zudem von einer "rückläufigen Dynamik" in der Automobilbranche aus. In der Stahlindustrie sei das Unternehmen Mengenrückgängen und Preisdruck ausgesetzt. Die Vereinbarung über Kurzarbeit in einigen Unternehmensbereichen habe man mit dem Betriebsrat bis Ende Juli verlängert. Hiesinger bestätigte gleichwohl die Prognose für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres: ThyssenKrupp habe zwischen Oktober und Dezember voraussichtlich ein bereinigtes EBIT von rund 200 Millionen Euro erwirtschaftet.

BOCHUM (dpa-AFX) und Dow Jones Newswires

Bildquellen: ThyssenKrupp AG
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