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30.03.2008 09:00

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Ausgesprochen fruchtbar (EuramS)


Der weltweite Agrarboom lässt auch die Preise für Düngemittel wie Kali, Phosphat und Stickstoff nach oben schießen. Eine wahre Goldgrube für die Produzenten.

von Günter Heismann

Sie haben eine blassbraune bis rötliche Färbung, sind kristallisierend und wasserlöslich. Auf den ersten Blick wirken Kalisalze alles andere als aufregend. "Pottasche" wird das Gemisch auch oft genannt. Die Bezeichnung ist freilich nicht ganz korrekt.

Ökonomisch gesehen handelt es sich bei Kali keineswegs um Asche, sondern um ein Edelmetall. Auf dem Weltmarkt sind die unscheinbaren Mineralien so begehrt wie Silber, Gold oder Platin. Die Preise schießen derzeit steiler in die Höhe als bei Erdöl und Gas. Mit Macht hat der anhaltende Agrarboom Düngemittel wie Kali, Phosphat und Stickstoff erfasst. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren nahezu überall auf der Welt unaufhaltsam steigen. Damit kann die Erzeugung kaum Schritt halten.

Mehrere Banken haben ihre Preisprognosen gerade kräftig hochgesetzt. "Wir erwarten jetzt, dass die Preise 2008 um rund 200 US-Dollar auf durchschnittlich etwa 370 Dollar pro Tonne steigen", prophezeit David Silver, Analyst beim New Yorker Geldhaus JP Morgan. Noch optimistischer sieht die Schweizer Großbank UBS die Entwicklung: 2008 könnte Kali im Mittel auf 475 Dollar pro Tonne zulegen. Im nächsten Jahr seien sogar 525 Dollar zu erwarten. 2007 waren es noch 168 Dollar.

Auch Phosphat und Stickstoff, die beiden anderen wichtigen Düngemittel, werden sich drastisch verteuern. Der Grund für die Preisexplosion ist ganz einfach: Ohne den steigenden Einsatz von Nährstoffen kann die Landwirtschaft die Menschheit nicht mehr ernähren. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wächst die Weltbevölkerung von jetzt 6,7 auf circa neun Milliarden Menschen. Obendrein verlangen die Verbraucher in den jungen Industrieländern zunehmend hochwertige Nahrungsmittel wie Eier, Mich und Fleisch. Dafür werden enorme Mengen an Futtergetreide benötigt. Die Ackerfläche lässt sich aber weltweit kaum noch ausweiten.

Die Folge: Mais, Weizen und andere Nahrungsmitteln werden immer knapper. "Die Getreidebestände sind weltweit auf historischem Tief, und selbst mögliche Rekordernten würden hieran kaum etwas ändern", sagt Norbert Steiner, Chef von K?+?S, der ehemaligen Kali + Salz AG. Verstärkter Einsatz von Kunstdünger kann helfen, den Wettlauf mit dem Hunger und den wachsenden Ansprüchen wohlhabender Konsumenten zu gewinnen. In der richtigen Dosierung lassen sich mit Mineraldünger die Ernteerträge um 50 bis 100 Prozent steigern.

So sind Kali & Co derzeit gefragt wie lange nicht. Der Fachverband International Fertilizer Industry Association sagt voraus: Der Verbrauch an Düngemitteln, der im laufenden Erntejahr weltweit schätzungsweise 169 Millionen Tonnen beträgt, steigt bis zur Saison 2011/12 auf 184 Millionen Tonnen. Am stärksten legt Kali zu; hier wächst der globale Bedarf laut K+S um drei bis fünf Prozent pro Jahr. Die zusätzliche Nachfrage kommt hauptsächlich aus Asien und Lateinamerika. Doch auch die USA und Europa treiben mit der steigenden Produktion von Biosprit den Düngerverbrauch in die Höhe.

"Der Kalimarkt wird auch in den fünf kommenden Jahren von einem anhaltend knappen Angebot geprägt sein", prognostizieren die Experten von K+S. Es dauert rund fünf bis sieben Jahre, bis neue Vorkommen erschlossen und abgebaut werden können. Der weltgrößte Düngerproduzent, die kanadische Potash Corp, will die Kaliproduktion bis 2015 von derzeit 9,5 Millionen auf 17 Millionen Tonnen ausweiten.

Das begehrte Mineral findet sich freilich nur an wenigen Orten auf der Welt. Rund 90 Prozent der globalen Förderung entfallen auf Kanada, Russland, Weißruss­land, Deutschland, Israel und Jordanien. Mit einem Anteil von 98 Prozent an den weltweiten Exporten kontrollieren diese sechs Nationen nahezu lückenlos den internationalen Kalihandel. Allein die drei nordamerikanischen Düngerkonzerne Agrium, Mosaic und Potash stellen ein Drittel der Kaliweltproduktion. Europas größter Düngerproduzent K?+?S hält einen Marktanteil von gut zwölf Prozent.

Bei der überschaubaren Zahl von Anbietern können die Produzenten relativ leicht Preiserhöhungen durchsetzen. Die Kalierzeuger kämpfen ihrerseits zwar mit steigenden Transport- und Energiekosten, können sie aber an die Kunden weitergeben. Um eine Tonne Ammoniak (das Ausgangsmaterial für Stickstoffdünger) herzustellen, werden rund 1100 Kubikmeter Erdgas benötigt. Das entspricht dem Energiegehalt von 110 Litern Erdöl, das heute rund fünfmal so teuer ist wie im Jahr 2000.

Ein besonderes Kostenproblem droht auf K?+?S zuzukommen. Das Unternehmen, dessen Kaligruben vor allem in Hessen und Thüringen liegen, leitet seine salzhaltigen Abwässer großenteils in die Werra ein. Umweltschützer machen dagegen seit Langem Front. 2012 laufen die Genehmigungen aus. Werden sie von der künftigen hessischen Landesregierung nicht erneuert, müsste K?+?S für die Salzlaugen möglicherweise eine teure Pipeline zur Nordsee bauen.

In der Regel zahlen die Bauern aber die Preiserhöhungen. Es besteht daher wenig Gefahr, dass die explodierenden Düngerpreise auf die Umsätze und Erträge der Produzenten zurückschlagen. Im Gegenteil: Experten erwarten durchweg weiter kräftig steigende Börsenkurse. Der kanadische Agrarexperte Terence Ortslan resümiert: "Die Verbraucher sehen sich einer anhaltenden Inflation der Lebensmittelpreise gegenüber. Dennoch werden sie ihre Konsumgewohnheiten nicht ändern." Sein Fazit: "Die Marktbedingungen für Düngemittelaktien sind sehr fruchtbar."

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