09.03.2012 14:00
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BMW & Co.: Die neue Lust auf Luxuskarossen

Autoaktien: BMW & Co.: Die neue Lust auf Luxuskarossen | Nachricht | finanzen.net
Geschäft mit Luxusfahrzeugen geht steil bergauf
Autoaktien
Bei arabischen Scheichs und chinesischen Kapitalisten sind Oberklasseautos und Nobelmarken gefragt wie nie. Wer profitiert.
€uro am Sonntag
von C. Habrich-Böcker, €uro am Sonntag

Das Beste vom Besten ist gerade gut genug. Darum zeigt man in diesem Jahr auf dem 82. Internationalen Autosalon in Genf, der am 8.  März startet, schwerpunktmäßig die Haute Couture des Automobils. Das High-End-Segment ist — Krise hin, Krise her — gefragt wie nie zuvor. Die neuen Märkte wie China wuchsen 2011 im Nobelmarkensegment im Schnitt um 40 Prozent.

Traditionelle Märkte wie die USA, Russland oder Saudi-Arabien erleben derzeit eine Renaissance und punkten ebenso mit zweistelligen Wachstumsraten. Ein Signal für das Comeback am Persischen Golf beispielsweise war die Eröffnung des Megastores für die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce: 62 Millionen Euro investierten die Scheichs, um auf 35.000 Quadratmetern bayerische und britische Upper Class zu präsentieren. Die Vertriebsregion, die 14 Länder umfasst, ist zwar in Bezug auf Stückzahlen für den Münchner Konzern marginal, jedoch laufen hier nur Spitzenmodelle — und die mit satter Sonderausstattung. Ein Beleg dafür ist, dass Saudi-Arabien der drittgrößte Markt für das 7er-Modell ist (hinter den USA und China). Experten glauben, dass die Renditen im Nahen Osten doppelt so hoch sind wie im Rest der Welt.

Bis an die Geschmacksgrenze
Auch im oberen Luxussegment klingeln die Kassen. BMWs Luxuslabel Rolls-Royce verkauft hier den höchsten Anteil an „Bespoke“-Fahrzeugen, sagt BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson. Unter dem Begriff „Bespoke“ versteht man bei der britischen Manufaktur die Individualisierung bis zur Geschmacks- und Geldbeutelgrenze.

Das kann zu erklecklichen Summen führen: „Der teuerste Rolls-Royce war seinem Besitzer 4,5 Millionen Euro wert. Unter anderem ließ der Käufer den Namen seiner Frau in Diamanten einlegen“, erzählt Arno Husselmann, Chefverkäufer bei Abu Dhabi Motors. „Hierzulande ist das Auto Ausdruck des eigenen Stellenwerts. Wer hier nicht alles bietet, was bei der Sonderausstattung möglich ist, hat verloren.“
Und da haben die Bayern mächtig was zu bieten — dank Bespoke-Programm oder M-Varianten. Vielleicht der Grund, dass BMW in den vergangenen Jahren Mercedes-Benz vom Marktführerthron stieß. Nicht nur in den Golfstaaten, auch auf den anderen Märkten, die das Geschäft mit den Nobelkarossen betreiben, liefern sich Premium- und Luxuslabels einen harten Wettbewerb. Das lässt sich am letzten Quartal 2011 in den Vereinigten Staaten ablesen. Mercedes- und BMW fochten dort eine Rabattschlacht aus, um in der Jahresbilanz die Marktführerschaft reklamieren zu können.

Doch die Konkurrenz rüstet auf. Anbieter wie Volvo, Lexus, Lincoln, Jaguar und Co wollen sich in diesem Jahr nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die Aussichten sind nach Branchenexperten nämlich rosig. Auch in den USA ist das Auto wie in den Emiraten eine Statusfrage. Wie lukrativ das Geschäft mit High End ist, lässt sich am Absatz des vergangenen Jahres ablesen.

2011 legte das englische BMW-Derivat um 31 Prozent zu: 3585 Bestellungen registrierte man bei Rolls-Royce. Beim VW-Luxusableger Bentley lief es noch besser: Für 2011 meldete die britische Edelmarke einen Zuwachs um 37 Prozent auf immerhin 7.000 Einheiten. Hauptmarkt für dieses Segment sind die USA  — und dort vor allem die Region Südkalifornien.

Maserati für das Reich der Mitte
Doch China ist schon im Rückspiegel zu sehen. Vor allem im sogenannten F2-Segment, das sich der Rolls-Royce Phantom und der Bentley Mulsanne seit Maybachs Abgang vom Luxusmarkt teilen. Die Käuferschicht im Reich der Mitte wächst weiter, und sie ist bedeutend jünger als anderswo.

Davon profitieren auch „kleinere“ Fahrzeuge wie die Modelle von Maserati. Mit mehr als 780 ausgelieferten Fahrzeugen hat der Fiat-Ableger seine Verkäufe im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt. Für Maserati ist die Volksrepublik China inzwischen größter Markt in Asien sowie der zweitgrößte Markt weltweit hinter den USA. Dasselbe gilt für die Ferrari-Flitzer aus Maranello.

Trotz staatlicher Restriktionen wie dem Aus für ausländische Marken als chinesische Dienstfahrzeuge sind die Autobauer auch mit Blick aufs Premiumsegment optimistisch. Dank der Dynamik des Markts erheben sich auch Totgesagte. Besonders interessant ist Volvo, inzwischen Teil der chinesischen Geely-Gruppe, nachdem Ford das Geschäft mit den schweren Schweden an den Nagel gehängt hat: 2011 war Volvo die am schnellsten wachsende Marke und legte weltweit um 20,3 Prozent auf knapp 450.000 Fahrzeuge zu. Die anderen Nobelmarken können sich ebenfalls nicht beklagen: „Wir eröffnen wöchentlich ein bis zwei Händlerbetriebe“, beschreibt BMW-Vorstand Robertson das Expansionstempo, das für die oberen Segmente anhalten wird. Ob wieder ein so großer Laden wie in Abu Dhabi dabei sein wird, bleibt allerdings offen.

Interview mit Volvo-Chef Jacoby
Im Vorfeld des Genfer Automobilsalons sprach €uro am Sonntag mit Stefan Jacoby, der seit August 2010 die schwedische Marke führt.

€uro am Sonntag: Herr Jacoby, sind Premiumautos überhaupt noch politisch korrekt?
Stefan Jacoby: Ein Volvo schon.

Warum ausgerechnet ein Volvo?
Volvo ist eine sympathische Marke, und ihre Produkte sind schon immer mit positiven Attributen besetzt. Ein Volvo wirkt nicht aggressiv und nicht protzig. Er überzeugt mit eigenständigem Design, höchster Sicherheit, Komfort und Fahrspaß — gleichzeitig ermöglicht ein Volvo-Modell nachhaltige, umweltfreundliche Mobilität. Daran arbeiten wir hart. Unser ausgezeichneter Kundenservice komplettiert das Gesamtangebot aus Marken- und Produktstärken, sodass sich die Frage nach politischer Korrektheit eigentlich erübrigt.

Volvo hat es gegenüber der Konkurrenz doch schwer? Die Marke ist schließlich nur ein kleiner Fisch im großen Premiumteich.
Da zitiere ich gern den ehemaligen BMW-Chef Eberhard von Kuenheim, der sagte: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen.“

Und sind Sie schnell?
Ja, vor allem jetzt, da Volvo sich nicht mehr in einer starren Konzernumgebung bewegt. In einem solchen Konstrukt besteht die Gefahr, dass die Mitarbeiter möglichst keine Risiken wagen, nach dem Motto „Das genehmigen die da oben eh nicht“. Eine kleine Einheit hat viele Stärken: Wir können schnell allein entscheiden und sind somit sehr schlagkräftig.

Aber Sie sind doch Bestandteil eines großen und dazu noch chinesischen Unternehmens ...
Das ist richtig. Allerdings sind wir nicht Teil der Autodivision, sondern in die Finanzholding eingegliedert. Und man lässt uns selbstständig agieren.

Verdient Volvo wieder Geld?
Ja, wir haben 2011 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen und sind profitabel, aber leider noch nicht in der Höhe, wie ich es gern hätte. Die Bruttomargen sind alles andere als glänzend. Aber das ist den Investitionen in die Werke, dem Aufbau einer neuen Produktion in China sowie den Produktentwicklungen geschuldet. Aber wir verbessern unsere Effizienz und somit unsere Kosten ständig, zum Beispiel durch eine heruntergefahrene Lagerhaltung oder mithilfe unserer neuen Plattformstrategie SPA (Scalable Product Architecture). Dadurch reduzieren wir allein die Anzahl der Bauteile erheblich. Vor allem beim Einkauf werden wir noch viel optimieren. All diese Maßnahmen sollen das Etappenziel von 800.000 Einheiten bis 2020 ermöglichen.

2011 waren es schon fast 450.000 Einheiten. Da sollten 800.000 doch schon früher gehen ...
Jetzt haben Sie mich erwischt. Es ist mein Wunsch, dass wir dieses Ziel schon früher erreichen, und ich gehe davon aus, dass wir es auch schaffen. Wir sind derzeit zwar die am schnellsten wachsende Luxusmarke, aber bedenken Sie, wir stecken noch in der Restrukturierung. Doch wir sind sehr ehrgeizig.

In China konnten Sie 2011 um 50 Prozent zulegen. Hängt der Erfolg nicht damit zusammen, dass Volvo für Chinesen nun chinesisch ist?
Nein, das stimmt überhaupt nicht. Die chinesischen Käufer sehen uns als traditionsreiche europäische Marke. Und vor allem als sichere Marke. Das spielt in China eine immer größere Rolle. Und ein Volvo ist eines der sichersten Fahrzeuge der Welt.

Und wie sieht die Zukunft von Volvo aus?
Höchst profitabel.

Investor-Info

Autoabsatzmärkte
Die Hotspots des Luxus

In den kommenden Jahren werden die Segmente Luxus und Premium höhere Wachstumsraten aufweisen als der breite Markt für Automobile. Noch sind die Vereinigten Staaten Hauptmarkt. Allerdings holt China auch hier beim Absatz rasant auf.
Marktschwerpunkte nach Ländern und Regionen (pdf)

BMW
Freude an Zahlen

BMW-Vertriebsvorstand Robertson sieht weiterhin großes Potenzial in den USA und vor allem in Asien. Im vergangenen Jahr meldete BMW mit 1,67 Millionen verkauften Autos einen Rekord. Im Januar legte der Absatz um über sieben Prozent zu. Mit den Marken Mini, BMW und Rolls-Royce verfügen die Bayern über eine breite Modellpalette. Kommende Woche werden die Zahlen für 2011 bekannt gegeben. Es dürften auch hier Rekorde gebrochen werden.

Fiat
Suche nach Lösungen

Der Autokonzern erwartet eine schwache Nachfrage bis 2014. Doch der Pessimismus beim Verkauf bezieht sich nur auf die Marken Alfa Romeo, Fiat und Lancia, denn bei Maserati und Ferrari läuft es weiterhin gut. Insgesamt nur eine Halteposition.

Geely
Volvo bringt Glanz

Credit Suisse stufte den Volvo-Eigner Geely kürzlich von „Outperform“ auf „Neutral“ zurück. Die Analysten glauben jedoch nach wie vor an das langfristige Potenzial der Chinesen, vor allem durch eine verbesserte Produktmischung. Die Premiumtochter Volvo kostet den Konzern auf jeden Fall kein weiteres Geld. Mutige Investoren greifen doch schon jetzt zu.

Bildquellen: BMW AG, Keystone
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