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04.09.2012 14:00

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AUTOMARKT RUSSLAND

Russlands WTO-Beitritt: Welche deutschen Autobauer den Turbo zünden

Daimler zu myNews hinzufügen Was ist das?


Der Beitritt zur Welt­handels­organisation WTO dürfte Russlands ­boomendem Automarkt zusätzliche Impulse verleihen. ­Welche deutschen Premium-Anbieter ­davon ­profitieren.

von Christiane Habrich-Böcker, Euro am Sonntag

Attraktive junge Damen und viel PS: Auf dem internationalen Autosalon in Moskau, der am Donnerstag eröffnet wurde, stehen vor allem Boliden im Blickpunkt, die viel Geld kosten. Russen zeigen gern, was sie haben. Und am liebsten haben Russen teure Autos. Bei den fahrbaren Untersätzen wird von der Felge bis zur Soundanlage mit allem geprotzt, was die Zubehörliste zu bieten hat. „Für die hiesige Klientel ist das Auto in allererster Linie eine Imagefrage“, sagt Peter Kronschnabl, Statthalter von BMW in Russland.

BMW, Audi, Porsche, Mercedes — Deutschland liefert, was das Image aufpoliert. Marktforscher bestätigen, dass nichts dem Russen so heilig ist wie das berühmte Blechle. Auf die Frage, welches Konsumgut die eigene Persönlichkeit am besten zum Ausdruck bringt, nannten in einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Sigma drei Viertel der Russen das Auto. In der EU tat dies gerade mal ein Drittel der Teilnehmer.

Und die Chancen, dass Deutschlands Autokonzerne die russische Liebe zum Auto in noch höhere Umsätze ummünzen können, stehen gut. Zwar bleibt auch die russische Wirtschaft nicht von wirtschaftlichen Turbulenzen im Zuge der Eurokrise verschont. Das Wachstum der Wirtschaft soll 2012 von über vier auf rund drei Prozent sinken. Doch Autoliebhaber, die sich teure Karossen leisten können, gibt es immer mehr. 2010 verfügten sieben Millionen Einwohner über ein Jahreseinkommen von mindestens 60.000 Dollar, hat das Analysehaus Global Insight ermittelt. Bis 2025 soll die Gruppe der Besserverdienenden demnach 13 Millionen zählen.

Die Lust auf den fahrbaren Untersatz ist deshalb so groß, weil der Besitz etwas sehr Exklusives ist. Die Pkw-Dichte im Putin-Staat ist gering, nur jeder Vierte hat überhaupt ein Auto. In Deutschland waren im vergangenen Jahr rund 620 Wagen pro 1000 Einwohner angemeldet.

Immer noch Nachholbedarf
Nicht wenige der Pkws, die zwischen Sankt Petersburg und Wladiwostok über teils urzeitlich anmutende Pisten rumpeln, stammen noch aus alten Sowjetzeiten. Der Fuhrpark gilt als hoffnungslos veraltet — fast zwei Drittel der Autos sind älter als sieben Jahre. „Der Ersatzbedarf ist groß“, sagt Detlef Borscheid, Experte bei BDW Automotive, einem Beratungsunternehmen für die Automobilbranche.

Während in Europa die Autoverkäufe sinken, glänzt der russische Markt deshalb mit zweistelligen Zuwachsraten. Im vergangenen Jahr schnellte die Zahl der Neuzulassungen um knapp 40 Prozent nach oben. 2012 soll der Absatz laut CAR Center der Universität Duisburg-Essen abermals um zwölf Prozent steigen.

Die Folge der automobilen Revolution: Spätestens 2015 soll Russland den deutschen Automarkt mit 3,5 Millionen Neufahrzeugen überholen und damit zum größten Absatzmarkt Europas aufsteigen. Für 2020 rechnet die Unternehmensberatung Boston Consulting Group mit einem jährlichen Absatz von vier Millionen Stück — das wären mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Eine besonders intensive Leidenschaft hegen vermögende Russen für teure deutsche Fabrikate. Premiummodelle der Marken Mercedes, BMW, Audi oder Porsche gelten als äußerst begehrenswert. Mehr als jeder fünfte Neuwagen, der im ersten Halbjahr in Russland verkauft wurde, trägt laut Zahlen des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) ein deutsches Markenzeichen.

Angesichts der Schwäche in Europa und des abflauenden Geschäfts in China kommt den Autokonzernen der Boom im größten Land der Erde gerade recht. Zwischen Januar und Juni steigerten die deutschen Hersteller ihren Absatz in Russland um über 40 Prozent. Grund genug etwa für BMW, das aktuelle Topmodell zuerst in Russland zu präsentieren. Der Stapellauf des optisch aufgefrischten 7er in Sankt Petersburg war die erste Premiere eines deutschen Premiumherstellers im Land. Wirklich wohlhabende Russen gibt es schließlich reichlich. Die Zahl der Millionäre soll sich in den kommenden 13 Jahren verdoppeln. Da sind auch gut 130.000 Euro Listenpreis für einen neuen 7er kein Problem.

Eine besondere Schwäche hegt die vermögende Klientel für üppig motorisierte Geländewagen. Jeder zweite BMW, für den erstmals Schlüssel ausgehändigt werden, ist ein SUV. Die Abkürzung steht für „Sport Utility Vehicle“, so werden im Fachjargon die margenträchtigen Luxusschlitten der X-Serie genannt. Bei Sportwagenhersteller Porsche hinterlässt der SUV-Boom besonders dicke Beschleunigungsspuren. Vier von fünf verkauften Porsches in Russland sind Wagen vom Typ Cayenne. Dank der Vorliebe der Russen für dicke Reifen steigerten die Zuffenhausener ihren Absatz im ersten Halbjahr um rund 60 Prozent. Damit ist das Land für Porsche der weltweite Wachstumsmarkt Nummer 1.

Der Volkswagen-Konzern, zu dem der Sportwagenbauer gehört, verdient auch im Massenmarkt gutes Geld. Die Wolfsburger freuten sich in diesem Jahr über Zuwachsraten von knapp 80 Prozent. „Russland ist für den Volkswagen-Konzern der strategische Wachstumsmarkt Nummer 1 in Europa“, sagt Vorstandschef Martin Winterkorn. Bis 2018 wolle man dort jährlich eine halbe Million Fahrzeuge verkaufen.

Daimler setzt in Russland auf klassische Limousinen. „Die beiden meistverkauften Fahrzeuge sind Wagen der E- und der C-Klasse“, sagt Joachim Schmidt, Mitglied der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Cars. Die Schwaben sind die Nummer 1 unter den deutschen Premiummarken in Russland. Die Konzernstrategien setzen auf die Boomregion. „Das Premiumsegment ist relativ gesehen unter den BRIC-Staaten am größten. Es wird sich auch deutlich stärker als der Gesamtmarkt entwickeln“, heißt es aus dem Konzern.

Wachstumsschub voraus
Die Chancen stehen gut, dass das Wachstum nachhaltig ist. Eine positive Wirkung erhoffen sich ausländische Autobauer zu Recht vom WTO-Beitritt Russlands Mitte August. Die Mitgliedschaft bei der Welthandelsorganisation hat zur Folge, dass die Russen ihre Einfuhrzölle in den folgenden Jahren sukzessive senken müssen. Heute werden noch 30 Prozent Gebühr auf einen importierten 7er BMW fällig.

Bis zum Jahr 2019 soll sich der Satz auf 15 Prozent halbieren. Auch die Produktion in Russland wird im Zuge des WTO-Beitritts erleichtert. Das Dekret 166 etwa befreit russische Hersteller von der Einfuhrabgabe auf Zulieferteile. Die Voraussetzung: Pro Jahr müssen 300.000 Fahrzeuge im Land produziert werden, die Wertschöpfung muss mindestens zu 60 Prozent in Russland erfolgen. Ausländische Hersteller nutzen die Regelung und verbünden sich mit russischen Partnern. So wollen unter anderem Ford und Autohersteller OJSC Sollers in Produktionskapazitäten investieren. Gleiches gilt für Volkswagen und Partner GAZ, die ebenfalls eine Produktionspartnerschaft vereinbart haben.

Premiumhersteller BMW, der die geforderten Stückzahlen aus eigener Kraft nicht erreicht, hat sich etwas anderes einfallen lassen: Die Bayern führen komplett zerlegte Fahrzeuge ein und lassen diese beim Lohnfertiger Avtotor wieder zusammensetzen. Die Russen montieren auch für Chevrolet und Kia. „Für Avtotor sind die Stückzahlen daher kein Problem“, sagt BDW-Experte Borscheid. Vor allem BMW-Geländewagen werden auf diese Weise ohne Einfuhrzollabgaben auf Russlands Straßen gebracht. Bewundernde Blicke der Passanten ernten sie allemal.

Investor-Info

Daimler
Spitze im Premiumsegment
Die Stuttgarter sind die Nummer 1 unter den deutschen Premiumanbietern in Russland und profitieren in besonderem Maß vom Wachstum dort. Die Jahresprognose des Konzerns für 2012 steht. Vorstand Jürgen Zetsche bestätigte Ende Juli den Vorsatz, den operativen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres, neun Milliarden Euro, zu halten. Die zweite Jahreshälfte wird für die Stuttgarter allerdings schwieriger. Auch wenn die Aktie trotzdem attraktiv erscheint, hat momentan ein Discount-Zertifikat das bessere Chance-Risiko-Verhältnis.

BMW
Großes Potenzial
Noch ist der russische Markt für BMW eher klein: In diesem Jahr wollen die Bayern gut 36.000 Fahrzeuge verkaufen. Zum Vergleich: Allein im ersten Halbjahr lag der Absatz in China bei fast 200.000 Fahrzeugen. Das Potenzial ist dennoch groß, da die Marke einen glänzenden Ruf hat. Laut Vorstandschef Norbert Reithofer soll sich das Gesamtgeschäft des Konzerns im zweiten Halbjahr etwas abschwächen. Die Aktie bleibt dennoch ein Top-Investment im DAX.

Bildquellen: Audi AG

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