31.07.2010 06:00
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AUTOMOBILBRANCHE

VDA-Chef: „Ein solcher Aufschwung benötigt dringend Finanzierung“

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Matthias Wissmann ist Präsident des Autoverbandes VDA
Der Präsident des Autoverbandes VDA, Matthias Wissmann, warnt vor einer Kreditkrise insbesondere bei mittelständischen Zulieferern. Die Banken fordert er auf, bei der Kreditvergabe das Zukunftspotenzial der Betriebe einzubeziehen.

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Euro am Sonntag: Einige große Wirtschaftsverbände sind besorgt, dass es gerade bei anziehender Konjunktur zu Engpässen in der Kreditversorgung kommen könnte. Wie schätzen Sie die Lage bei den VDA-Verbandsunternehmen ein?
Matthias Wissmann: So erfreulich ein solch rasanter Aufschwung ist, er birgt auch Risiken. So benötigen die Unternehmen dringend Liquidität. Denn wenn die Nachfrage anzieht, müssen sie Betriebsmittel finanzieren und Investitionen tätigen. Für manche unserer mittelständischen Zulieferer ist die Situation aufgrund der krisenbedingt schlechten Bilanzen aus den Jahren 2008/2009 noch schwierig. Auch wenn die Perspektiven deutlich besser geworden sind, stehen gerade diese Firmen noch immer vor großen Herausforderungen.

Eine Bank wird es sich gerade jetzt zweimal überlegen, ob sie ausgerechnet an ein ausgeblutetes Unternehmen einen Kredit vergibt.
Wir appellieren an die Banken, bei der Kreditvergabe eine Bewertung auf die Zukunft hin vorzunehmen, die zum Beispiel das Technologiepotenzial und die Marktanteile eines Unternehmens mit einbezieht. Man kann das auch „Zukunftsrating“ nennen. Hier hoffen wir, dass die Partnerschaft mit der Finanzindustrie funktioniert.

Welche Konsequenzen befürchten Sie angesichts möglicher Finanzierungsengpässe?
Eine fehlende oder sehr teure Kreditversorgung kann dazu führen, dass der Aufschwung ausgebremst wird. Wenn die Firmen aufgrund mangelnder Liquidität Aufträge nicht erfüllen, kann es für manche noch mal eng werden. Das wäre kontraproduktiv.

 

Gerade hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle noch einmal bekräftigt, dass der Deutschlandfonds Ende 2010 auslaufen soll. Wäre es besser, den Fonds noch mal zu verlängern?
Die Finanzierung des Aufschwungs, die für uns zentrales Thema zu Beginn des laufenden Jahres war, ist nicht abgeschlossen. Es ist zu erwarten, dass die Finanzierungsbedingungen 2010 und 2011 weiter schwierig sein werden. Derzeit ist es richtig, an dem geplanten Termin erst einmal festzuhalten. Allerdings wäre eine genaue Analyse der Lage im dritten Quartal 2010 wünschenswert. Hier sollte auch das Votum des Kreditmediators gehört werden. Möglicherweise wäre ein langsames Auslaufen besser als eine abrupte Beendigung.

Wie bewerten Sie den Erfolg der Finanzierungsinitiativen der deutschen Kreditwirtschaft, insbesondere den im Frühjahr gestarteten Mittelstandsfonds der Deutschen Bank und den Mittelstandsfonds der Sparkassen?
Nicht nur die Mittelstandsfonds sind begrüßenswert. Wir erwarten generell, dass die Finanzwirtschaft die Unternehmen – wie wir es von Beginn an gefordert haben – individuell anschauen. Hierbei ist nicht immer nur die Bilanz entscheidend, sondern auch zum Beispiel das Innovationspotential eines Unternehmens. Diese Faktoren werden mehr und mehr bei einer Kreditentscheidung berücksichtigt.

Laut Ifo-Institut sinkt die Kredithürde seit Monaten kontinuierlich, Wirtschaftsverbände wie der Chemieverband VCI, der Elektroindustrieverband ZVEI und der Maschinenbauverband VDMA berichten von einer deutlichen Entspannung bei der Kreditversorgung. Wie passt das alles zusammen?
Wir erleben hier durchaus eine Entspannung. Natürlich kann auch die Bankenwelt die Augen nicht vor der deutlich verbesserten Absatzsituation der Automobilindustrie verschließen. Dennoch muss klar sein, dass gerade ein solcher Aufschwung Finanzierung dringend benötigt. Die Anpassungsprozesse des Finanzsektors sind keinesfalls abgeschlossen. Daher ist es für eine Entwarnung noch zu früh.

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