BERLIN (Dow Jones)--Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hat am Montag vor einem irreversiblen Ausstieg aus der Kernenergie, vor höheren Strompreisen und kritischen Netzschwankungen gewarnt. "Die deutlich erkennbare politische Absicht, in einem beispiellos beschleunigten Verfahren einen finalen und irreversiblen Schlusspunkt für die Nutzung von Kernenergie in diesem Land zu fixieren, erfüllt mich zunehmend mit Sorge", erklärte Keitel in einem vom BDI in Berlin veröffentlichten Schreiben an die Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft.
"Ein so komplexes Vorhaben wie ein Atomausstieg, bei dem Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Klima- und Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit erfüllt sein müssen, braucht die Möglichkeit zum Nachjustieren - auch auf der Zeitschiene," betonte Keitel. Die Erreichung der Klimaschutzziele werde "schwieriger und viel teurer", da der Wegfall der CO2-armen Kernkraft durch zusätzliche Kohle- und Gaskraftwerke zu kompensieren sei, und die Stromerzeuger also mehr Emissionszertifikate kaufen müssten. "Das wird die Strompreise in die Höhe treiben", warnte Keitel.
Der BDI verlange "Alternativen, die Wirtschaft, Verbraucher und Klima nicht über Gebühr belasten". Es gelte, in Deutschland Produktion und Arbeitsplätze zu sichern. Die zuverlässig gesicherte Stromversorgung rund um die Uhr gehöre zu den Stärken des Industriestandorts Deutschland. Sei sie nicht mehr gewährleistet, schwäche dies das Industrieland Deutschland. "Die Politik muss bei der Energiewende die Netz- und Systemstabilität garantieren," verlangte der BDI-Präsident.
Allerdings forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen schnelleren Atomausstieg. In dem Kompromiss der Regierungsparteien für einen Atomausstieg bis 2022 sehe der BUND "keine akzeptable Antwort auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima". Die Atomenergie sei ein tägliches, unverantwortbares Risiko für die Bevölkerung und könne viel schneller durch umweltfreundliche und sichere Alternativen ersetzt werden. Der schwarz-gelbe Atomkompromiss ignoriere zudem die Aussage der Ethikkommission, ein endgültiger Atomausstieg sei auch vor 2022 machbar, kritisierte der BUND in einer Mitteilung.
Die Stadtwerke begrüßten hingegen das Ausstiegsszenario. "Die Bundesregierung setzt damit das richtige Signal", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, in einer Mitteilung. Die Ereignisse in Japan hätten gezeigt, dass es notwendig ist, möglichst schnell aus der Atomkraft auszusteigen. Ein Technologieland wie Deutschland sei hierzu auch in der Lage. "Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Bau und der Nutzung hoch effizienter Kraftwerke auf Gasbasis kann Deutschland als Exportnation davon profitieren und die notwendige eigene Versorgungssicherheit herstellen," so Reck.
-Von Andreas Kißler,
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