Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die negativen Nachrichten aus der Solarbranche reißen nicht ab: Am Dienstag warnte das Solarunternehmen
Q-Cells Gläubiger vor möglichen Zahlungsausfällen bei einer Anfang 2012 fälligen Anleihe, Anfang des Monats verkündete Solar Millenium den Verkauf seines US-Geschäfts und dann gab es auch noch Gewinnwarnungen bei SMA Solar und nun bei Phoenix Solar. Die Erholung des Sektors an den Börsen in Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat sich als eine kurze Korrektur in einem intakten Abwärtstrend erwiesen. Der Sektor notiert in der Nähe der Jahrestiefs und Marktbeobachter sehen derzeit noch kein Licht am Ende des Tunnels, erwarten aber eine Marktbereinigung in der Solarbranche.
Der Sektor hat sich an der Börse damit vom Hoffnungsträger zur Nischenbranche entwickelt. Der Bedeutungsverlust deutscher Solarunternehmen manifestiert sich nicht zuletzt in der Gewichtung der noch verbliebenen vier Titel im TecDAX. Zusammen bringen es centrotherm, Q-Cells, SMA Solar und SolarWorld auf ein TecDAX-Gewicht von gerade noch 6,1%, wobei Q-Cells mit einer Gewichtung von 0,41% das Schlusslicht bilden. Lange her, dass der Sektor die Geschicke des TecDax bestimmte. Zu Hochzeiten lag die Gewichtung im Gesamtindex noch bei über 50%.
Bei Phoenix Solar zeigen sich die meisten Analysten weniger von der am Vorabend ausgesprochenen Umsatz- und Gewinnwarnung per se überrascht, sondern vielmehr von deren Höhe. Phoenix Solar erwartet nun einen Umsatz von 350 Mio bis 400 Mio EUR und einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 42 bis 49 Mio EUR. Bisher war das Unternehmen davon ausgegangen, einen leicht niedrigeren Konzernumsatz als die im letzten Jahr erreichten 635,7 Mio EUR zu erreichen und hatte keine konkrete EBIT-Prognose abgegeben.
Als Ursache für die sich abzeichnenden hohen Verluste nannte das Unternehmen einen ungebrochenen Preisverfall bei Solarmodulen. Der Konzern steht dabei in der Branche nicht allein mit diesem Problem da. Didier Laurens, Analyst der Societe Generale, spricht von einer "teuflischen Spirale" aus fallenden Preisen und daraus resultierenden Abschreibungen. Dieser Trend dürfte auch anderen Playern aus dem Sektor zunehmend Probleme bereiten, befürchtet der Experte. Hintergrund sei die anhaltend schwache Nachfrage aus den europäischen Kernländern Deutschland und Italien.
Phoenix Solar hat zudem davor gewarnt, dass die erhoffte Markterholung in Deutschland im zweiten Halbjahr vermutlich ausbleiben wird. Für Analyst Laurens keine Überraschung: Die Hoffnungsträger USA und China konnten auch bislang schon die an sie geknüpften Erwartungen nicht erfüllen. Während der chinesische Markt ähnlich wie der europäische von einer schwachen Nachfrage geprägt sei, komme in den USA noch erschwerend die weiterhin rückläufige Bauaktivität hinzu.
Mit der ausbleibenden Erholung rücken die Lagerbestände ins Visier der Analysten. Denn wenngleich die den Solarsektor plagende schwache Nachfrage in der Zwischenzeit in den Konsensusschätzungen der Analysten Niederschlag gefunden haben dürfte, sieht die Societe Generale die Gefahr, dass dies bei den noch drohenden Wertberichtigungen auf Lagerbestände nicht der Fall ist. Ungemach komme hier gleich von zwei Seiten: Einerseits durch den anhaltenden Preisverfall und andererseits dürften die Lagerbestände noch langsamer zurückgehen als die Nachfrage. Mit anderen Worten, die Diskrepanz zwischen Lagerbeständen und Nachfrage wird vermutlich weiter zunehmen und damit auch der Abschreibungsbedarf.
Einige Unternehmen aus dem Sektor gingen sogar davon aus, dass ihre Lagerbestände noch mindestens drei Quartale ansteigen werden, was natürlich das Risiko von Abschreibungen erhöhe. Immerhin, das Marktumfeld sollte sich in der Zukunft angesichts der sich abzeichnenden Sektorkonsolidierung für die Gewinner des Abnutzungskampfes verbessern, sagt Laurens. Die Societe Generale bevorzugt Solarunternehmen mit einem geringen Refinanzierungsbedarf und nennt als Sektorfavoriten unter den deutschen Anbietern SolarWorld.
SolarWorld ist ein voll integrierter Photovoltaikhersteller, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Solarsiliziumproduktion bis hin zur Lieferung von Solarmodulen abdeckt. Laut Sebastian Zank, Analyst bei Silvia Quandt Research, weist SolarWorld aufgrund seines Geschäftsmodells vermutlich die geringsten Produktionskosten aller europäischer Anbieter auf. Auf der einen Seite seien die Herstellungskosten in Freiberg gering, auf der anderen Seite könne das Unternehmen aufgrund seiner hohen Qualität Premiumpreise durchsetzen.
Allerdings könne sich auch SolarWorld dem Preisverfall nicht entziehen, so Zank. Der Analyst geht davon aus, dass die Marge bei SolarWorld im kommenden Jahr auf 7,0% von 9,1% im Jahr 2011 fallen wird. Auch sei nicht auszuschließen, dass das Unternehmen im Rahmen der im November anstehenden Geschäftszahlen für das dritte Quartal Abschreibungen bekannt geben wird. Dennoch bleibt er für die Aktie positiv gestimmt: Viele der negativen Nachrichten dürften bereits eingepreist sein, die aktuelle Bewertung impliziere einen langfristigen Rückgang der Marge auf 5%. Zank stuft die SolarWorld aufgrund des schwierigen Marktumfelds mit "Neutral" ein.
-Von Manuel Priego Thimmel, Dow Jones Newswires;
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October 12, 2011 10:24 ET (14:24 GMT)
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