11.12.2012 12:16
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BMWi: Erste Zeichen für allmähliche Überwindung der Winterschwächephase

   Von Beate Preuschoff

   BERLIN--Die deutsche Wirtschaft wird die Talsohle nach Einschätzung der Konjunkturexperten im Bundeswirtschaftsministerium im Schlussquartal des laufenden Jahres durchschreiten, um dann voraussichtlich im kommenden Jahr wieder Fuß zu fassen und an Tempo zuzulegen. "Erste Aufhellungen bei den Stimmungsindikatoren könnten ein Zeichen dafür sein, dass die Schwächephase nach dem Winterhalbjahr allmählich überwunden wird", heißt es im aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi).

   Die Frühindikatoren ergäben für die kommenden Monate "ein gedämpftes Bild, aber durchaus mit Lichtblicken". Zwar blieben die Auftragseingänge in der Industrie in der Tendenz abwärts gerichtet. Die Aktivität in der deutschen Industrie dürfte daher vorerst verhalten sein. Doch habe sich die Stimmung in der Wirtschaft nach Monaten der Eintrübung im November leicht aufgehellt. "Die Stimmungsverbesserung könnte ein erstes Signal für ein Auslaufen der Schwächephase nach dem Winterhalbjahr sein", schreiben die BMWi-Experten.

   Das internationale wie vor allem das europäische Umfeld seien nach wie vor schwierig und belasteten die deutsche Konjunktur. Dadurch sei das Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahresverlauf gebremst worden und dürfte sich auch im Schlussquartal weiter abschwächen. "Zusammengenommen deuten die nationalen und internationalen Konjunktursignale vorerst auf eine weitere Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland im Jahresschlussquartal hin", schreiben die BMWi-Experten.

   Belastend wirkten vor allem die geringe Investitionsbereitschaft und die schwache Entwicklung der Industrieproduktion. Besonders der anhaltende und kräftige Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen sowie der Vorratsabbau dämpften. Das habe jedoch durch die gestiegenen privaten und staatlichen Konsumausgaben sowie durch die Bauinvestitionen nahezu kompensiert werden können. Die maßgeblichen Wachstumsimpulse seien wie schon im gesamten laufenden Jahr vom Außenbeitrag gekommen. Allerdings habe auch das Exportwachstum an Schwung verloren.

   Wegen der tendenziell schwachen Auftragseingänge der vergangenen Monate seien aus der Industrie vorerst keine wesentlichen konjunkturellen Impulse zu erwarten. Der abnehmende Exportüberschuss sei ein weiterer Grund für die gedämpfte gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Winterhalbjahr.

   Positive Impulse kommen laut BMWi hingegen vom privaten Konsum. Dieser dürfte die Konjunktur weiter stützen. Denn die weiter günstigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie die Entwicklung der Beschäftigung, der Tariflöhne und der Preise, sprächen dafür, dass die privaten Konsumausgaben in den nächsten Monaten zunehmen. Zu Beginn des kommenden Jahres dürften aus BMWi-Sicht zudem Entlastungen bei der Einkommensteuer und die Senkung der gesetzlichen Rentenbeiträge die Kaufkraft der Verbraucher spürbar stärken. Trotz der schwächeren Konjunktur zeige sich der Arbeitsmarkt nach wie vor in guter Verfassung. Zwar sei der Beschäftigungsaufschwung vorerst zum Stillstand gekommen und die Arbeitslosigkeit sei im November weiter gestiegen. Auch die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sei zurückhaltender geworden. Dennoch bewegten sich die Zugänge an gemeldeten Arbeitsstellen immer noch auf hohem Niveau.

   Aktuell sieht das BMWi für Kurzarbeit daher "keinen zwingenden Handlungsbedarf". Vorsorglich hat die Bundesregierung aber die maximale Kurzarbeitergeld-Bezugsdauer von 6 auf 12 Monate verlängert. Damit soll Unternehmen eine verlässliche Grundlage für die Geschäftsplanung 2013 gegeben werden. "Eine weitere Öffnung des arbeitsmarktpolitischen Instrumentenkastens ist nicht angezeigt", stellt das BMWi klar. Sie wäre angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage und auch der Erwartungen der Unternehmen ein falsches konjunkturelles Signal, heißt es.

   Die Signale aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld bewerten die Konjunkturexperten aus dem Wirtschaftsministeriums als "gemischt". In den südeuropäischen Ländern dauerten die teilweise ausgeprägten Rezessionen an. Wegen der notwendigen Anpassungsprozesse rechnen sie für die Eurozone im Jahresschlussquartal mit einer weiteren Abschwächung und erst im späteren Verlauf des kommenden Jahres mit einer Erholung.

   Für die USA ließen die vorliegenden Indikatoren wie auch die politischen Unwägbarkeiten keineswegs gesichert erwarten, dass das Wachstum der US-Wirtschaft als größtem Wirtschaftsraum anspringen werde. Aus China seien zuletzt hingegen vermehrt positive konjunkturelle Nachrichten gekommen. Davon könnten auch global stärkere Impulse ausgehen. "Vieles spricht dafür, dass im Laufe des kommenden Jahres mit einer Belebung der Weltwirtschaft gerechnet werden kann", schreiben die BMWi-Experten. Zugleich räumen sie jedoch ein, dass die Abwärtsrisiken "beachtlich" bleiben.

   Kontakt zum Autor: beate.preuschoff@dowjones.com

   DJG/bep/sgs

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   December 11, 2012 05:50 ET (10:50 GMT)

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