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04.06.2010 15:57

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BÖRSEN-AUSBLICK/Der Double Dip ist eher unwahrscheinlich


(Wiederholung) Von Jörg E. Jäger Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Neben der Furcht vor einem Flächenbrand bei der Staatsverschuldung im Euroraum hat in den vergangenen Wochen vor allem die Angst vor einem "Double Dip" die Kurse am deutschen Aktienmarkt belastet. Dieser Terminus beschreibt einen Konjunkturverlauf, bei dem die Wirtschaft nach einem durch staatliche Stimuluspakete ausgelösten Strohfeuer wieder in eine Rezession zurückfällt.

   Carsten Klude, Volkswirt bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg, hält dieses Szenario allerdings für unwahrscheinlich. "Alles in allem sehen wir die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin als intakt an. Daher gehen wir davon aus, dass es sich bei den Kursrückgängen an den Aktienmärkten nur um eine temporäre Schwäche handelt und sich der seit dem Frühjahr 2009 zu beobachtende Aufwärtstrend fortsetzen wird", sagt der Ökonom.

   Zwar räumt Klude ein, dass die meisten globalen Frühindikatoren mittlerweile ihren oberen Wendepunkt erreicht hätten, so dass davon auszugehen sei, dass die konjunkturelle Dynamik in den kommenden Monaten wieder nachlassen werde. Doch bedeute dies nicht automatisch, dass ein nachhaltiger konjunktureller Abschwung eingeläutet werde. Angesichts der positiven Dynamik, die die meisten Indikatoren in den vergangenen Monaten aufgewiesen hätten, sei die begonnene Abschwächung derzeit nur als eine überfällige Normalisierung zu werten.

   "Ein entscheidender Faktor, der die globale Konjunkturerholung in den vergangenen Monaten beflügelt hat, ist die Entwicklung des Welthandels", sagt Klude. Dieser habe sich ausgehend von den Schwellenländern in den vergangenen Monaten sehr stark erholt, so dass die Welthandelsorganisation ihre Prognose für das Wachstum des internationalen Handels in diesem Jahr vor einiger Zeit auf knapp 10% von 2% erhöht habe. "Angesichts der bis März 2010 vorliegenden Daten halten wir es aber für wahrscheinlich, dass die Zuwachsrate in diesem Jahr mindestens bei 15%, vielleicht sogar bei 20% liegen wird", so der Volkswirt.

   Derzeit liege das Welthandelsvolumen nur noch 5% unter seinem Höchstwert vom April 2008 und es sei nicht unwahrscheinlich, dass der bis Mai 2009 zu verzeichnende Einbruch bereits im laufenden Jahr komplett wieder aufgeholt sein werde. Aus europäischer Sicht besonders erfreulich sei dabei die Tatsache, dass zuletzt gerade die Länder der Europäischen Währungsunion überdurchschnittlich stark vom Welthandel profitiert hätten. Dies stehe in deutlichem Kontrast zu der gerade in der angelsächsischen Welt verbreiteten Meinung, dass der globale Aufschwung an den Ländern der Europäischen Währungsunion großteils vorbei gehe.

   Die Sorge, dass sich die globalen Konjunkturaussichten deutlich verschlechtern könnten, liege auch darin begründet, dass die chinesische Regierung begonnen habe, mit administrativen Maßnahmen das Wachstum zu bremsen. Besonders die Kreditvergabe, die im vergangenen Jahr kräftig zugenommen und damit einen Boom am Immobilienmarkt ausgelöst habe, solle zurückgefahren werden.

   "Wir teilen nicht die verbreitete Einschätzung, dass China das eigene Wirtschaftswachstum abwürgen wird, sondern halten die ergriffenen Maßnahmen für geeignet, um ein moderateres und dafür anhaltendes Wachstum zu erreichen", sagt Klude allerdings. Wichtige makroökonomische Zeitreihen wie die Industrie-, die Stahl- und Stromproduktion sowie die Entwicklung von Einzelhandelsumsätzen und Exporten zeigten, dass die Gefahr eines konjunkturellen Einbruchs in China derzeit überschätzt werde.

   Auch mit Blick auf die USA werde davon ausgegangen, dass die wirtschaftliche Dynamik in nächster Zeit deutlich nachlassen könne. Allerdings gäben wichtige Frühindikatoren, wie der Index der Frühindikatoren oder der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, bislang keine Hinweise auf eine bevorstehende und nachhaltige Wachstumsabschwächung. "Die nachlassenden fiskalpolitischen Effekte, die sich in der zweiten Jahreshälfte Wachstums dämpfend auswirken werden, können über einen zunehmenden Privaten Konsum zwar nicht vollständig, aber immerhin weitgehend kompensiert werden", erläutert Klude. Zudem schienen die US-Banken von ihrer restriktiven Kreditvergabe Abstand zu nehmen, die Summe der von Geschäftsbanken vergebenen Konsumentenkredite habe sich seit Beginn dieses Jahres stabilisiert.

   "Vor dem Hintergrund dieser makroökonomischen Einschätzung sehen wir das Risiko einer substanziellen konjunkturellen Abschwächung als gering an", fasst der Ökonom zusammen. An dieser Einschätzung ändere auch die Tatsache nichts, dass der Stress an den Finanzmärkten zuletzt wieder zugenommen habe, was zu negativen Folgen für die Realwirtschaft führen könne. Im Vergleich zur Lehman-Krise seien die Spread-Ausweitungen an den Geld- und Kreditmärkten bislang jedoch relativ moderat geblieben. Auch sei die Liquiditätsausstattung des europäischen Bankensystems deutlich besser als Ende 2008.

   Angesichts der niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien an den Aktienmärkten darüber hinaus deutliche Gewinnenttäuschungen durch die Unternehmen bereits eingepreist. "Diese erwarten wir aber nicht, denn normalerweise ist es so, dass Unternehmensanalysten im Aufschwung das positive Momentum der Unternehmensgewinne eher unter- als überschätzen", sagt Klude. Setze man beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P-500-Index in Relation zu der Rendite für US-Unternehmensanleihen mit einem "BBB"-Rating, komme man mit einer Regressionsrechnung zu dem Ergebnis, dass das "faire" Kurs-Gewinn-Verhältnis des Aktienmarkts bei knapp 15 liegen müsse und nicht bei gut 12, wie es derzeit der Fall sei.

   "Von daher sind Aktien unserer Meinung nach zurzeit deutlich unterbewertet, während Staatsanleihen, vor allem US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen, zu teuer geworden sind", so der Ökonom.

-Von Jörg E. Jäger, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 220, joerg.jaeger@dowjones.com DJG/jej/flf Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de (END) Dow Jones Newswires

   June 04, 2010 09:27 ET (13:27 GMT)

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