Von Manuel Priego-Thimmel
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Berichtssaison in den USA und Europa neigt sich dem Ende zu, und damit fällt einer der wichtigsten Impulsgeber an den internationalen Börsenplätzen der vergangenen Wochen aus. Wie geht es nun also weiter? Die Frage, ob die Welt nun auf ein W-geformtes Konjunkturbild zusteuert, oder ob sich die Erholung - dank massivster Regierungshilfen - letztendlich als selbsttragend erweist, wird sich auch nicht in den kommenden Wochen nicht mit Sicherheit beantworten lassen.
So ist zwar die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal mit einem Anstieg von 0,7% gegenüber dem Vorquartal kräftig gewachsen. Allerdings sind die wirtschaftlichen Ungleichgewichte nur teilweise bereinigt, schränkt die Commerzbank ein. Auch dürften die US-Wirtschaftszahlen in der kommenden Woche zeigen, dass die dortige Industrie ihre Produktion zwar im vierten Monat nacheinander erhöht hat, und auch der Einzelhandel dürfte sich beleben. Die Erholung der Wirtschaft stecke aber erst in den Anfängen, so die Analysten weiter.
Da es also auch in den nächsten Tagen keine konjunkturelle Klarheit geben wird, rückt die Liquiditätsfrage zunehmend in den Fokus des Marktgeschehens. Sollte es zu weiteren Netto-Geldzuflüssen kommen, geht es mit den Notierungen weiter nach oben, bei Abflüssen wird das Gegenteil zu beobachten sein. Auf ersteres Szenario spekulieren einige Investoren, die auf den bislang sehr parallelen Entwicklungsverlauf der Jahre 2003 und 2009 verweisen und sich für eine Jahresendrally positionieren.
Diese Gruppe argumentiert mit der noch immer recht skeptischen Stimmung vieler Anleger. Angesichts der Tatsache, dass zahlreiche Investoren bislang überhaupt nicht an der Rally seit März teilgenommen haben, stellen steigende Notierungen für diese Anlegerschar sicherlich das Hauptrisiko dar - insbesondere, da es bis zum Jahresabschluss - und damit der möglicherweise negativen Performancebeurteilung - nicht mehr fern ist.
Die Pessimisten argumentieren andererseits, dass der Dax nun bereits mehrfach an der Marke von 5.700 Punkten gescheitert ist, und dies bei zuletzt nachlassenden Umsätzen. Dem lässt sich entgegen setzen, dass die gesamte Erholung von den Jahrestiefs in weiten Strecken von unterdurchschnittlichen Volumina begleitet worden ist, und das angesichts einer nur niedrigen Verkaufsbereitschaft auch nicht zwangsläufig schädlich sein muss.
Daneben dürften die geringen Volumina an den Börsenplätzen auch darauf zurückzuführen gewesen sein, dass sehr viel Liquidität seit der Erholung von den Tiefs an die Kreditmärkte geflossen ist. Nach einer Jahrhundertrally und einem Ende der Emissionswelle an Unternehmensanleihen sehen die Renditechancen hier leider lange nicht mehr so üppig aus. Zusätzliches frische Mittel könnten sich somit ihren Weg an die Aktienmärkte bahnen.
Die größte Gefahr für die Börsen scheint derzeit eine abrupte und nachhaltigere Erholung der US-Währung zu sein, welche sich angesichts der Nullzinspolitik der US-Notenbank zum bevorzugten Finanzierungsinstrument der Welt entwickelt hat. Dies würde zweifelsohne für Unruhe sorgen, da für diesen Fall vor allem aus dem Dollarraum operierende Investoren ihre Euro-Investitionen auflösen dürften, und die so frei werdenden Mittel in den "sicheren Hafen" Greenback zu transferieren.
Wenngleich die Erfahrung der vergangenen Wochen gezeigt hat, dass es an den Devisenmärkten immer wieder zu Turbulenzen kommen kann, scheint die Zeit der großen Dollarschwäche noch nicht vorbei zu sein. Die Federal Reserve hat auf ihrer jüngsten Sitzung deutlich gemacht, dass sie derzeit nicht an Leitzinserhöhungen denkt. Die Inflationserwartungen sind bislang noch moderat, wenngleich sich die Zinsstrukturkurve zuletzt stark versteilert hat.
Wenn das bedeutet, dass die Investoren am langen Ende des Rentenuniversums wieder zuversichtlicher in die wirtschaftliche Zukunft schauen, wären das nicht nur gute Nachrichten für Aktien allgemein, sondern für den Frankfurter Börsenplatz im Besonderen. Wenngleich Deutschland den Titel des Eportweltmeisters in der Zwischenzeit eingebüßt hat, so ist der Standort dennoch gut aufgestellt an den Wachstumsschauplätzen der Zukunft, nämlich in Asien.
-Von Manuel Priego Thimmel, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 - 29725 223, manuel.priego-thimmel@dowjones.com
DJG/mpt/mod/gei
Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
(END) Dow Jones Newswires
November 13, 2009 08:07 ET (13:07 GMT)
Copyright (c) 2009 Dow Jones & Company, Inc.- - 08 07 AM EST 11-13-09