22.01.2013 07:14

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Bank of Japan beugt sich politischem Druck


   Von Megumi Fujikawa und Andreas Plecko

   TOKIO--Die japanische Notenbank beugt sich dem massiven Druck des Ministerpräsidenten Shinzo Abe und öffnet die Geldschleusen ohne zeitliche Befristung, um die Spirale aus Deflation und Rezession zu überwinden. Zugleich setzten sich die Währungshüter ein Inflationsziel von zwei Prozent und erfüllten damit eine weitere Forderung der Regierung. Die Bank of Japan (BoJ) verdoppelte damit ihr bisheriges Inflationsziel.

   Nach einer zweitägigen Sitzung beschloss der BoJ-Rat, das Wertpapierkaufprogramm ab dem nächsten Jahr zu einer dauerhaften Einrichtung zu machen. Gegenwärtig beträgt der Umfang des Kaufprogramms 101 Billionen Yen und 2014 soll das Volumen um weitere 10 Billionen Yen steigen. Damit drehen die Währungshüter den Geldhahn noch ein Stück weiter auf, denn bisher waren neue Kaufrunden zeitlich befristet.

   Die Sitzung des neunköpfigen BoJ-Rats war die erste Zusammenkunft seit der Amtsübernahme von Abe Ende Dezember. Zugleich war es das erste Mal seit über neun Jahren, dass die Zentralbank die schlaffe japanische Wirtschaft in zwei Sitzungen hintereinander stützte. Einen solchen geldpolitischen Doppelschlag der Notenbank hatte es zuletzt 2003 gegeben.

   Die neue japanische Regierung setzt auf eine aggressive Geldpolitik und ein massives Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft des Landes aus der Krise zu holen. Vor wenigen Tagen beschloss das Kabinett Stützungshilfen von 10,3 Billionen Yen. Die Regierung stellte das Paket als das zweitgrößte Konjunkturprogramm in der Geschichte des Landes heraus. Ein größeres Paket gab es nur nach dem Kollaps von Lehman Brothers im Jahr 2008.

   Japan kämpft seit geraumer Zeit mit Wachstumsschwächen, Strukturproblemen in der Binnenwirtschaft und hartnäckigen Deflationstendenzen. Die Hoffnung auf eine aggressive Geldpolitik hat dem japanischen Aktienmarkt in jüngster Zeit zu einem kräftigen Aufschwung verholfen, während der Yen sich abschwächte, was den Exporteuren hilft.

   Viele Experten zweifeln jedoch, ob die japanische Wirtschaft mit einer noch höheren Staatsverschuldung und einer weiteren Lockerung der Geldpolitik auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zurückkehren wird. Schließlich resultieren viele Probleme Japans aus der Alterung der Gesellschaft und der geringen Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe in der Binnenwirtschaft. Zu Reformen in diesen Bereichen hat sich der neue Ministerpräsident Abe aber bisher nicht aufraffen können.

   Kontakt zum Autor: andreas.plecko@dowjones.com

   DJG/apo/jhe

   (END) Dow Jones Newswires

   January 22, 2013 00:43 ET (05:43 GMT)

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