von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag
Die jüngsten EU-Beschlüsse zu Bankenunion und direkten Bankenhilfen durch den Rettungsschirm ESM wirken sich zwar positiv auf den Finanzsektor aus, Experten erwarten jedoch noch keine nachhaltige Belebung bei Bankaktien. „Grundsätzlich ist es sinnvoll, insbesondere das Bankensystem in Spanien zu stabilisieren, ohne die Neuverschuldung des Landes weiter anzutreiben“, sagt Dieter Hein vom Analyseinstitut Fairesearch. „Das stabilisiert das globale Finanzsystem und beruhigt die Märkte.“
Die Regierungschefs der Eurozone hatten sich vor einer Woche im Grundsatz auf mehr Krisenhilfen verständigt. Dies hatte bis Wochenmitte teilweise zu deutlich höheren Börsenkursen geführt, insbesondere bei Banktiteln. Doch schon die pessimistischen Töne von EZB-Präsident Mario Draghi bei der historischen Leitzinssenkung auf 0,75 Prozent am Donnerstag schickten die Kurse wieder auf Talfahrt.
Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck hält Skepsis denn auch für gerechtfertigt. „An den grundsätzlichen Problemen der Banken vor allem in Krisenländern hat sich nichts geändert. Selbst wenn sie sich einfacher finanzieren können, müssen sie dafür höhere Kosten in Kauf nehmen, was die Ertragslage drückt.“ Die Branche sei zudem immer noch abhängig von der politischen Großwetterlage. Dass sich die Konjunktur von Quartal zu Quartal eintrübe, drücke ebenfalls auf das Wachstum des Kreditvolumens. Auch Fairesearch-Analyst Dieter Hein will für Bankinvestments keine Entwarnung geben: „Jede Verschärfung der Krise kann sich negativ auf Gewinne und Kurse auswirken. Ein Anleger, der nicht in Banken investieren muss, schläft ruhiger.“ Sollten Negativmeldungen jedoch ausbleiben, sieht Becker am ehesten noch Erholungspotenzial bei Titeln wie Deutsche Bank oder der Aareal Bank, die gleichermaßen unter der Sippenhaft gelitten hätten.
Neue Dynamik
Noch weiter geht Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet: „Wir rechnen damit, dass der Euro als Ganzes erhalten bleibt. Unter dieser Prämisse kann man in Finanztitel wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Aareal Bank investieren. Wer am Fortbestand des Euro zweifelt, sollte davon die Finger lassen.“
Deutsche Bank: Die Unsicherheit an den Märkten belastet den Kurs. Gemessen an der Ertragskraft, ist ein Kurs unter 30 Euro sehr niedrig. „Durch die EU-Beschlüsse ist ein direkter Bankkollaps in Europa erst einmal unwahrscheinlich. Da die Deutsche Bank von funktionsfähigen Finanzmärkten profitiert, könnte Dynamik in den Kurs kommen. 35 bis 40 Euro halte ich für erreichbar“, sagt Becker. Häßler sieht das ähnlich, er warnt jedoch vor einer möglichen Kapitalerhöhung und den vielen rechtlichen Risiken.
Commerzbank: Nur für Hartgesottene. Der Rückzug aus der gewerblichen Bau- und Schiffsfinanzierung lässt neue Probleme vermuten; hohe Abwicklungskosten könnten die Ertragskraft schmälern. Für Häßler ist die Bank aber nach wie vor eine „interessante Turnaround-Story“; eine mögliche Kapitalerhöhung sei hier im Kurs längst enthalten.
Aareal Bank: Günstig bewertet, gut kapitalisiert, auch das vergleichsweise risikoarme Geschäftsmodell spricht für ein Investment. Bei erneuter Zuspitzung der Eurokrise sind die südeuropäischen Staatsanleihen die Achillesferse im Portfolio.
Auch bei den stark in Griechenland engagierten französischen Banken hat sich die Lage etwas entspannt. Noch am besten steht BNP Paribas da, die ihre Risiken reduziert hat und über ein profitables Retailgeschäft verfügt. In Italien könnte Unicredit aufholen, wenn sie Restrukturierungserfolge vorweist. Die spanischen Großbanken Santander und BBVA profitieren von ihren starken Standbeinen in Südamerika. Kritisch wird es, wenn auch dort die Wirtschaft schwächelt.
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