Banken könnten großen Anteil an Conti-Schaeffler-Gruppe übernehmen - FTD
FRANKFURT (Dow Jones)--Im Ringen um ein Bündnis zwischen den Autozulieferern Continental und Schaeffler zeichnet sich laut einem Pressebericht die Übernahme eines großen Aktienpakets durch die Banken ab. Wie die Zeitung "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Freitagsausgabe berichtet, hat die Commerzbank die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, eine für die Banken möglichst kapitalschonende Integration durchzurechnen.
"Am Ende könnten die Banken Haupteigner des neuen Großkonzerns sein", zitiert das Blatt einen Teilnehmer der Diskussionen. Die Commerzbank sei größter Kreditgeber der Schaeffler-Gruppe. Weitere wesentliche Gläubiger seien die LBBW, die HypoVereinsbank und UBS. Die Banken kontrollierten faktisch die hoch verschuldete Schaeffler-Gruppe, die wiederum knapp 90% an Continental hält. Die Commerzbank war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
2008 kamen Schaeffler und Conti zusammen auf einen Umsatz von rund 33 Mrd EUR. "Über die Integrationsrichtung, Schaeffler in Conti einzubringen, gibt es keinen Dissens mehr", zitiert die FTD Conti-Kreise. Ein Conti-Sprecher wollte am Freitagmorgen den Bericht gegenüber Dow Jones Newswires nicht kommentieren.
Das Szenario sehe derzeit als bevorzugte Variante vor, dass Conti das operative Geschäft von Schaeffler kauft. Den Kredit dafür würden die Schaeffler-Banken stellen, möglicherweise mit Hilfe einer Staatsbürgschaft. Der Wert von Schaeffler liege bei 6 Mrd bis 8 Mrd. EUR - "aber in guten Zeiten", sagte eine informierte Person laut der Zeitung. Das Geld würden Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg sofort an ihre Banken weiterleiten. Ein Schaeffler-Sprecher konnte den Bericht am Freitagmorgen gegenüber Dow Jones Newswires zunächst nicht kommentieren.
Für die Banken hätte dieser Weg laut FTD den Vorteil, dass sie einen Teil ihrer Forderungen von Schaeffler auf die dann kombinierte Gruppe umgeleitet hätten. Die Continental AG ist börsennotiert und seit Jahren am Kapitalmarkt aktiv.
Dem Plan zufolge bleiben die Schaefflers laut der Zeitung anfangs zwar formal weiter im Besitz ihrer Conti-Anteile. Sie wären allerdings weiter so hoch verschuldet, dass sie die Kreditvereinbarungen mit ihren Banken brechen würden und diese die Übergabe der Conti-Aktien fordern könnten. Nach jetzigem Stand planten die Banken, Schaeffler einen gesichtswahrenden Anteil am Gesamtkonzern von 5% bis 10% zu ermöglichen, schreibt die FTD.
Bislang scheuten die Banken diesen so genannten Debt-to-Equity-Swap, weil sie eine massive Abwertung ihres Engagements fürchten, die wiederum ihr Eigenkapital abschmelzen lassen würde. Die Unternehmensberatung Roland Berger soll laut dem Blatt nun berechnen, wann dies bei der Übernahme der Aktien einer kombinierten Gruppe nicht oder zumindest nicht in großem Ausmaß der Fall wäre.
Eine Reihe von Detailfragen seien noch zu lösen. So würden etwa die Gläubigerbanken von Conti scharf darauf achten, dass für Schaeffler kein zu hoher Preis bezahlt werde, berichtet die FTD unter Berufung auf Konzernkreise. Das würde ihre Position im Gesamtgebilde schwächen. Zudem müsse geklärt werden, welche Sparten zusammengeführt, welche verkauft werden und welche Werke bestehen bleiben. Schließlich kämen auf Schaeffler-Haupteigner Georg Schaeffler bei einem Verkauf hohe Steuernachzahlungen zu, für die er auf eine Lösung poche.
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May 22, 2009 02:19 ET (06:19 GMT)
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