NEW YORK (Dow Jones)--In den USA, in Großbritannien und in Portugal gibt es Beispiele dafür, wie einzelne Großbanken lokale Strukturen verändern oder Geschäfte zwischen Tochtergesellschaften verschoben haben, um den härteren Auflagen zu entgehen.
Das jüngste Beispiel wurde diese Woche in Portugal bekannt: Dort machte die Deutsche Bank aus ihrer bislang eigenständigen Landesgesellschaft eine Filiale des Mutterkonzerns. Mit der Änderung der Rechtsform sind die portugiesischen Aktivitäten des Frankfurter Bankenkonzerns nun nicht länger den neuen Kapital- und anderen Erfordernissen des Euro-Peripherielands unterworfen. Portugal wurde finanziell von der Staatengemeinschaft gerettet und hatte den Banken des Landes neue Regeln auferlegt.
In Großbritannien sind schon einige Finanzkonzerne diesen Weg gegangen. Die französische BNP Paribas etwa verschob jüngst Aktiva zwischen einzelnen Konzerngesellschaften. Wie Kenner der Maßnahmen einräumten, geschah dies auch, um einen Teil der Geschäfte der aggressiven britischen Regulierung zu entziehen.
In den Vereinigten Staaten haben europäische Kreditinstitute wie Deutsche Bank und Barclays die Strukturen derart verändert, dass sie die mit dem Dodd-Frank-Act verbundenen Anforderungen abstreifen konnten. Das von der US-Regierung durchgesetzte Gesetz soll eigentlich der Stabilisierung der Finanzmärkte dienen und sieht vor, dass die Tochtergesellschaften von Auslandsbanken in wenigen Jahren die gleichen Kapitalanforderungen erfüllen müssen, wie die US-Banken.
Die Banken selbst begründen ihre Manöver damit, dass sie auf diese Weise effizientere Strukturen schaffen und dass an keiner Stelle die Regeln verletzt würden. Gewollt oder nicht ist der Nebeneffekt aber klar: Sie unterliegen nicht mehr den stringenten örtlichen Regeln für Kapitalausstattung und Liquidität, indem sie den Gültigkeitsbereich der Regulierung verlassen.
Es gibt einzelne Experten, die in einem solchen Trend neue Gefahren für das Finanzsystem erkennen. Im Wesentlichen geht es nämlich um die Frage, ob die Auslandsaktivitäten eine Landesgesellschaft sind - hier müsste die Bank der örtlichen Bankenaufsicht eine Bilanz vorlegen - oder ob sie als Auslandsfiliale organisiert ist - damit unterläge sie nicht den entsprechenden Auflagen.
Noch bevorzugen viele Banken - wie die Regulierer - den Ansatz, ihr Auslandsgeschäft als Tochtergesellschaft zu führen. Damit wird verhindert, dass finanzielle Schieflagen auf die Konzernmutter durchschlagen. Das gilt zum Beispiel für die spanische Banco Santander und die britische HSBC Holdings - beides Finanzkonzerne mit einem weitreichenden Auslandsgeschäft.
In einigen Fällen haben sich auch die Bankregulierer durchgesetzt. Die britische Bankenaufsicht FSA etwa hat erreicht, dass die UBS Portfolien mit Krediten und Derivaten von der Londoner Filiale in die britische Tochtergesellschaft überführt hat, wie aus informierten Kreisen zu hören war.
Andererseits gehen Banken eben auch den gegenteiligen Weg und geben das Modell der Tochtergesellschaft auf, um den vor Ort inzwischen strengeren Anforderungen an Kapitalpuffer zu entgehen. Vor allem die Deutsche Bank geht diesen Weg: Jüngst machte sie die Töchter in Portugal und Ungarn zu Auslandsfilialen, jetzt kommt dieser Schritt auch in Belgien. In einem Brief an die Kunden in Portugal heißt es, der Schritt sei als verstärktes Bekenntnis zum portugiesischen Markt zu verstehen. Für die Aufsicht sei künftig die deutsche BaFin zuständig, heißt es in dem Schreiben aber auch.
Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Portugal muss im Zuge der 78 Mrd EUR schweren Rettungsaktion die Anforderungen an Banken erhöhen. Konkret müssen ortsansässige Institute jetzt mehr Kapital vorhalten. Auslandsbanken verringern auf diese Weise ihre Abhängigkeit von der Muttergesellschaft. Mit der Änderung der Rechtsform hat die Deutsche Bank einen Schleichweg gefunden.
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December 02, 2011 09:14 ET (14:14 GMT)
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