von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag
Auf eine ordentliche Kopfwäsche kann sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank am kommenden Donnerstag einstellen. Wegen der Turbulenzen um die Nachfolge für den scheidenden Konzernchef Josef Ackermann muss sich das Gremium auf der Hauptversammlung am 31.Mai den kritischen Fragen institutioneller Investoren stellen. Der mit Abstand größte Aktionärsberater, International Shareholder Services (ISS), hat allerdings schon im Vorfeld erklärt, dass er für die Entlastung der Gremien plädieren werde, weil die Bank bereits dabei sei, die offenkundigen Schwachstellen zu beheben. An der ISS-Empfehlung orientieren sich viele US-Fonds.
Für Nichtentlastung wollen dagegen die Aktionärsberatungen Glass Lewis, Ivox und Pirc stimmen, ebenso der britische Investorenberater Hermes, der etwa 0,5 Prozent der Stimmanteile repräsentiert und sogar eine externe Sonderprüfung fordert. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wird sich dagegen enthalten. „Es war völlig unnötig, dass die Nachfolgeregelung für Ackermann so aus dem Ruder gelaufen ist“, sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. „Deswegen zeigen wir dem Kontrollgremium die gelbe Karte.“
„Keiner weiß, was drin ist“
Der Vorstand bekommt von der DSW dagegen grünes Licht. „Die Deutsche Bank hat sich unter Josef Ackermann insgesamt noch vergleichsweise gut in der Krise geschlagen“, sagt Kurz auch mit Blick auf den „noch wesentlich höheren Leidensdruck bei den Aktionären der Commerzbank“, den Vorstandschef Martin Blessing mit seiner Gehaltsanhebung noch unnötig verstärkt habe.
Das Aktionärstreffen in Frankfurt wollen die Aktionärsschützer aber auch dazu nutzen, die künftige strategische Ausrichtung der Deutschen Bank kritisch zu hinterfragen. „Mit dem künftigen Co-Chef Anshu Jain haben wir jetzt erst mal eine Art Black Box im Führungsduo, von der noch keiner weiß, was wirklich drin ist und ob hier nicht doch ein noch stärkerer Schwenk in Richtung Investmentbanking folgt, was auch auf die künftige Volatilität der Aktie entscheidende Auswirkungen hätte.“
Der gebürtige Inder Jain hatte erst vergangene Woche die wichtigsten Ziele der Bank formuliert und wollte damit offenbar Befürchtungen über eine Abkehr des Instituts von Deutschland zerstreuen. „Die Bedeutung des Heimatmarkts ist größer als je zuvor“, sagte Jain im US-Fernsehen.
Privatkundensparte gestärkt
Der Kauf der Postbank sei ein zentraler Schritt gewesen, um die Position des Geldhauses im deutschen Privatkundengeschäft zu stärken. Außerdem bekräftigte er, dass die Bank zur Erfüllung der neuen Basel-III-Kapitalregeln keine Kapitalerhöhung benötige. Neben dem Heimatmarkt sei auch die weitere Expansion in den Schwellenländern und den USA wichtig. Klar ist für ihn, dass die Bank neue Chancen im Investmentbanking nutzen will. „Wir müssen als globaler Gewinner aus der Krise hervorgehen“, sagt Jain.
Der 49-Jährige übernimmt mit Ablauf der Hauptversammlung zusammen mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen (63) die Führung. Genauere Aussagen zur Strategie werden von der neuen Doppelspitze erst für die Zeit ab dem 1. Juni erwartet.
Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt kritisierte im Vorfeld der HV auch das Vergütungssystem der Bank und die „fehlende Nachhaltigkeit in der Kultur und Strategie“, wie er dem „Spiegel“ sagte. Die Bank habe zwar einen umfangreichen Ethik- und Verhaltenskodex, dessen Relevanz im Alltag aber zweifelhaft sei. Die lange Liste der Rechtsstreitigkeiten, laufende Untersuchungen sowie fragwürdige Geschäfte zeigten, dass die Bank auch ein stärkeres Risikobewusstsein brauche.