von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag
Eineinhalb Jahre nach Gründung der Siemens Bank hat Siemens-Financial-Services-Chef Roland Chalons-Browne eine positive Bilanz gezogen und einen weiteren Ausbau des Bankgeschäfts angekündigt. „Die Siemens Bank hat im ersten Geschäftsjahr ihres Bestehens ein Kreditvolumen von knapp einer Milliarde Euro aufgebaut und bereits schwarze Zahlen geschrieben“, sagte Chalons-Browne dieser Zeitung. Geschäftsvolumen und Profitabilität nähmen weiter zu.
„Wir haben die Lizenz beantragt, weil wir eine verstärkte Nachfrage nach absatzbegleitender Finanzierung festgestellt haben“, erläutert Chalons-Browne. „Darüber hinaus erhöht eine Banklizenz natürlich auch die Freiheitsgrade bei der Refinanzierung des Konzerns. Gerade angesichts der allgemeinen Verunsicherung im Bankensektor erweitert die Banklizenz unsere Refinanzierungsmöglichkeiten durch Hereinnahme von Einlagen oder auch über die Bundesbank. Wir haben damit auch die Möglichkeit, dort Geld sicher anzulegen“, sagt Chalons-Browne. Zielgruppe der Siemens Bank seien vor allem Geschäfts- und Unternehmenskunden, besonders im Bereich der Projektfinanzierung und bei Investitionskrediten.
Interesse an Banklizenzen wächst
Siemens hatte die Banklizenz vor zwei Jahren bei der Finanzaufsicht beantragt und im Dezember 2010 erhalten. Angesichts der schwierigen Lage vieler Geldhäuser prüfen immer mehr Industrieunternehmen wie zuletzt EADS den Einstieg ins klassische Bankgeschäft. „Wir haben eine Reihe von Anfragen von Unternehmen bekommen, welche Erfahrung wir mit der Gründung einer Bank gemacht haben“, bestätigt Chalons-Browne diesen Trend. Die Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen haben bereits vor Jahren eigene Banktöchter gegründet, die Absatzfinanzierung betreiben, aber auch zunehmend Spar- und Tagesgeldkonten für Privatkunden anbieten.
Ob auch Siemens diesen Weg einmal gehen wird, lässt der Siemens-Financial-Services-Chef offen: „Der Aufbau einer Privatkundensparte ist prinzipiell denkbar, liegt aber nicht in unserem Fokus.“
Für EADS wiederum bringe eine eigene Banklizenz nicht nur Vorteile bei der Geldanlage, sondern auch bei der Geldbeschaffung über die Europäische Zentralbank (EZB), sagte Ex-EADS-Finanzchef Hans-Peter Ring kurz vor seinem Ausscheiden Ende Mai in einem Interview. Grund für die Überlegungen des Luftfahrtkonzerns seien auch die Herabstufungen vieler Banken und zunehmende Unsicherheit an den Märkten. Mittlerweile habe EADS ein besseres Rating als viele seiner Partnerbanken, so Ring.
Siemens wiederum habe beobachtet, „dass sich Banken auch wegen verschärfter Eigenkapitalvorschriften bei der Kreditvergabe restriktiver verhalten“, so Chalons-Browne. „Kunden berichten uns, dass sich deren Hausbanken aus der Finanzierung zurückziehen.“ Die Motivation für die Konzerne, eine eigene Bank zu gründen, reiche von erweiterter Refinanzierung über Absatzfinanzierung bis zum Interesse am Privatkundengeschäft.
Aufsicht setzt hohe Hürden
Bei der Finanzaufsicht Bafin weist man darauf hin, dass Misstrauen gegenüber Banken und die Erschließung neuer Refinanzierungsquellen grundsätzlich nicht als Motiv für die Gründung einer eigenen Bank durchgingen: „Wenn ein Industriekonzern eine Bank gründen will, gelten die gleichen Regeln wie für andere Banken. Voraussetzung ist, erlaubnispflichtiges Bankgeschäft zu betreiben, einen tragfähigen Geschäftsplan aufzustellen und über entsprechend qualifiziertes Bankpersonal zu verfügen“, heißt es bei der Bafin.
„Die Anforderungen der Aufsichtsbehörden Bafin und Bundesbank konnten wir gut erfüllen“, erläutert Chalons-Browne, „auch weil wir im Projektteam eine ganze Reihe erfahrener Banker hatten.“ Mehr Freiheitsgrade bei der Refinanzierung habe als Motiv für die Bankgründung auch nicht im Vordergrund gestanden, „aber wir können trotzdem davon profitieren“.
Siemens betreibt mit seiner Bank insbesondere sogenannte strukturierte Finanzierungen zusammen mit anderen Banken. „Die Banken sehen es dann gern, wenn wir als industrienaher Finanzierer dabei sind.“ Eine wichtige Rolle spielt die Bank auch beim Absatz neuer Technologien etwa im Umweltbereich, um Drittbanken zum Mitmachen zu bewegen, was wiederum auch den Kunden zugute kommt.
In diesem Bereich biete Siemens Lösungen an, bei denen die Finanzierung integraler Bestandteil des Produkts sei. „Wir praktizieren das mit dem sogenannten Energiespar-Contracting, einem Vertrags- beziehungsweise Finanzierungsmodell, das den Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik kostengünstig realisieren soll. Die Finanzierungskosten werden dabei über die erzielten Energieeinsparungen gedeckt. Wir haben eine solche Energiepartnerschaft beispielsweise mit der Stadt Berlin für eine Reihe öffentlicher Gebäude.“
Aktienrückkauf
auf Pump
Siemens nutzt das niedrige Zinsniveau, um mithilfe neuer Kredite eigene Aktien für drei Milliarden Euro zurückzukaufen. Die Aktion, die ab sofort bis Jahresende laufen soll, werde mit langfristigen Schulden finanziert, teilte der Konzern in der Nacht zum Freitag mit. Von den zurückgekauften Papieren sollen 33 Millionen Stück eingezogen werden. Der Rest von rund zehn Millionen Aktien ist für Mitarbeiter, Management und zur Bedienung von Wandelanleihen vorgesehen. Das Eigenkapital werde auf 881 Millionen Euro von bislang 914 Millionen Euro herabgesetzt. Die Kriegskasse von rund neun Milliarden Euro wird damit nicht angetastet. Das Unternehmen werde zur Finanzierung Anleihen herausgeben, die Details würden noch festgelegt, sagte ein Sprecher. Mit einer günstig verzinsten Anleihe – Experten rechnen mit einem Coupon von etwa drei Prozent – senkt Siemens seine Kapitalkosten.
Bildquellen: Siemens-Pressebild