28.07.2012 06:00
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DAX: Gequälter Optimismus

Deutschlands Topkonzerne stemmen sich gegen die Eurokrise
Berichtssaison
Deutschlands Topkonzerne stemmen sich gegen die Eurokrise. Vor allem die Autowerte überraschen weiter durch hohe Gewinne. Ein tieferer Blick in die Bilanzen zeigt aber Ermüdungserscheinungen.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, €uro am Sonntag

Die von einigen Börsianern befürchtete Gewinnwarnungswelle beim DAX blieb in der ersten Woche der Berichtssaison aus. Dennoch: „Man sieht, dass das makroökonomische Umfeld die Unternehmen zunehmend belastet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, werden auch im DAX einige Unternehmen ihre Jahresprognose nicht erfüllen können“, kalkuliert Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg.

Glanzlichter im Deutschen Aktienindex setzten erneut vor allem die Autokonzerne: Volkswagen und Daimler verdienten im zweiten Quartal mehr Geld als von Analysten erwartet. Die Zahlen sind angesichts der Entwicklung in Europa bemerkenswert. Der Autoabsatz wird hier 2012 voraussichtlich zum fünften Mal in Serie schrumpfen. Die deutschen Hersteller konnten sich durch ihre globale Aufstellung und Fokussierung auf das weniger krisenanfällige Luxussegment vom Trend abkoppeln. So hat Volkswagen im ersten Halbjahr in China 18 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als ein Jahr zuvor, in den USA sogar 30 Prozent. „Unsere starke Stellung auf den Weltmärkten wird uns trotz des fordernden Umfelds helfen, die Entwicklung des Gesamtmarkts zu übertreffen“ — Volkswagen-Chef Martin Winterkorn verbreitet weiterhin Optimismus.

Aber selbst für die erfolgsverwöhnten Autobauer wachsen die Herausforderungen. Schon jetzt flacht die Wachstumsdynamik ab, da auch Topmarken ihre Kunden zunehmend mit Rabatten locken müssen. Das Umsatzwachstum von Volkswagen ging von 26 Prozent zum Jahresauftakt auf 19 im zweiten Quartal zurück. Auch Daimler wächst nicht mehr so stark wie im ersten Quartal.

Ziele in Frage gestellt
Vor allem hinter dem Jahresziel von Daimler stehen Fragezeichen. Konzernchef Dieter Zetsche strebt ein operatives Ergebnis (Ebit) „in der Größenordnung des Vorjahres“ an. Das entspräche einem Betrag von 8,8 Milliarden Euro. Analysten gehen laut der vom Datendienst Bloomberg ermittelten Konsensschätzung von einem leicht niedrigeren Wert aus.

Auch bei Siemens, BASF und Deutsche Börse könnte die Gewinnwarnung nur aufgeschoben sein. „Unsere Kunden agieren weiterhin sehr vorsichtig und reduzieren ihre Lagerbestände“, berichtet BASF-Chef Kurt Bock. Noch will der Chemiekonzern beim Gewinn vor Sondereffekten den Spitzenwert des Vorjahres übertreffen.

Deutlicher wird die Deutsche Börse. Sofern sich das Marktumfeld im zweiten Halbjahr nicht signifikant verbessere, werde man die Jahresziele wohl moderat unterschreiten, heißt es im Geschäftsbericht. Einen Schritt weiter ist MAN. Der Lkw-Bauer meldete für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von operativ 50 Prozent und kassierte seine Jahresprognose. Verantwortlich sei in erster Linie eine sehr verhaltene Weltkonjunktur und die Verunsicherung vieler Kunden vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise, erklärte das Unternehmen.

Bislang liegen die Quartalsergebnisse von neun DAX-Mitgliedern vor. Daimler, Linde, SAP und VW lagen beim Nettogewinn über den Erwartungen. BASF, Deutsche Bank, Deutsche Börse, MAN und Siemens schnitten schlechter ab.

In der kommenden Woche melden 15 weitere DAX-Mitglieder neue Zahlen, darunter BMW, Allianz und Bayer.

Berichtssaison: So schlugen sich die DAX-Riesen bislang:

 

Platz 30: Merck

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal wegen Millionenbelastungen aus seinem bis 2014 laufenden Sparprogramm erneut rote Zahlen geschrieben. Von April bis Juni fiel ein Verlust von 60,5 Millionen Euro an. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Minus gerechnet.

Bildquellen: Julian Mezger
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