von Erik Nolmans, Bilanz
Der ältere Herr lehnt sich entspannt zurück und lächelt. Hinter der dezenten Hornbrille, die vor einiger Zeit das wuchtige Gestell mit dem Sechziger-Jahre-Charme ablöste, blinzeln verschmitzt zwei hellwache Augen. Natürlich sei es normal, wenn man in seinem Alter – am 30. August ist er 79 Jahre alt geworden – über die Nachfolgeregelung nachdenke. Natürlich gebe es da schon seit längerem drei, vier Namen, die in der engeren Auswahl stünden und die «wahrscheinlich einen besseren Job machen würden als ich».
So weit, so unspektakulär. Doch was sich zunächst anhört wie typische Nachfolgeüberlegungen eines mittelständischen Unternehmers – der alternde Patriarch denkt ans Abdanken, aber mit der Wahl eines Kronprinzen tut er sich schwer –, ist in diesem Fall ein Vorgang von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Handelt es sich bei dem grauhaarigen Herrn doch um Amerikas Überinvestor Warren Buffett, Guru der globalen Anlegergemeinde und auf der «Forbes»-Liste der Reichsten zuletzt wieder auf Platz 2 – hinter seinem Intimfreund Bill Gates.
Denkt einer wie Buffett ans Aufhören, erhitzt das naturgemäss die Fantasie der internationalen Finanzwelt. Und waren dem «Orakel aus Omaha» früher solche Diskussionen immer zutiefst zuwider («Haben Sie denn nicht irgendein anderes Thema, über das wir uns unterhalten können?»), so scheint sich der Mann inzwischen mit den ständigen Spekulationen angefreundet zu haben. Zuweilen scheint Buffett es zu geniessen, die Debatte höchstpersönlich anzuheizen. Und dabei ein diabolisches Grinsen aufzusetzen, das einem Jack Nicholson in seinen besten Zeiten zur Ehre gereicht hätte.
So wie zuletzt: Ja, es gebe diese hausinterne Liste von Namen, die in der engeren Auswahl stünden. Ja, eine der Grundvoraussetzungen sei, dass der entsprechende Kandidat «mehr als nur ein paar Jahre jünger als ich sein muss – sonst würde das Ganze ja nicht lohnen». Ziemlich offensichtlich, dass hier jemand seine Freude hat, mit den Medien Katz und Maus zu spielen.
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