17.10.2012 19:47
Bewerten
 (0)

Biokraftstoff-Boom könnte bald vorbei sein

   Von Claudia Wiese

   Der wachsende Markt für Biokraftstoffe könnte bald abflauen: Die EU-Kommissare für Energie und Klimaschutz, Günther Oettinger und Connie Hedegaard, wollen den Boom stoppen, indem sie weniger Anreize setzen.

   Sie präsentierten am Mittwoch Vorschläge für die Überarbeitung zweier EU-Richtlinien. Die sollen den Anteil von Biokraftstoffen aus Nahrungspflanzen am Energieverbrauch im Verkehr auf 5 Prozent begrenzen. Außerdem sollen die vorgeschriebenen Treibhausgaseinsparungen von Biokraftstoffen im Vergleich zu normalem Benzin und Diesel ab 2014 auf 60 Prozent von jetzt 35 Prozent erhöht werden.

   Sollten das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten dem Gesetz in dieser Form zustimmen, läuft die EU Gefahr, ihr Ziel für einen umweltfreundlicheren Verkehr zu verfehlen. Die beiden Kommissare bestätigten, dass es damit schwerer werde, aber es sei immer noch erreichbar. "Unser heutiger Vorschlag ist mit Sicherheit noch nicht die perfekte Lösung, aber wir werden in Zukunft weitere Erkenntnisse erzielen", erklärte Oettinger vor Journalisten.

   Mit der Kehrtwende reagiert die EU-Kommission auf die Kritik, der Anbau von Energiepflanzen beeinträchtige die Nahrungsmittelproduktion und verteuere Lebensmittel. Auch soll negativen Klimafolgen durch die Produktion von Biokraftstoffen entgegengewirkt werden.

   Seit Jahren kritisieren Klima- und Umweltschützer, dass Biokraftstoffe nicht weniger Kohlendioxid in die Luft blasen als herkömmliche Kraftstoffe, sondern zum Teil sogar mehr. Denn für den Anbau der Energiepflanzen wird die Nahrungs- und Futtermittelproduktion auf bisher nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen verdrängt, etwa auf Waldgebiete, die mehr CO2 binden als Kulturpflanzen.

   Während der Gesetzesvorschlag Umweltverbänden nicht weit genug geht, befürchtet die Biokraftstoffbranche den Verlust von Arbeitsplätzen. Kommissarin Hedegaard widersprach dem. "Wir schließen nicht morgen Produktionsanlagen, auch nicht übermorgen. Es wird nur ein klares Signal gesandt".

   Europaabgeordnete waren geteilter Meinung. Der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer sieht die EU-Kommission in einer "Sackgasse". Biokraftstoffe müssen sich selbst rechnen, daher sei die Senkung der Beimischungsquote richtig. Allerdings erzeuge die Mehrfachanrechnung für neuere Biokraftstoffe wieder eine klimapolitische Konstruktion, die "keine Investoren mehr überzeugen wird", so Krahmer.

   Kontakt zur Autorin: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/DJN/chg

   (END) Dow Jones Newswires

   October 17, 2012 12:46 ET (16:46 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 46 PM EDT 10-17-12

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

DAX schließt in Grün -- Dow sehr fest -- Sägt Google mit neuem Produkt an Apples Thron? -- Ökonomen senken wegen Brexit deutsche Wachstumsprognosen -- Nike erhält weniger Bestellungen -- KUKA im Fokus

Wirecard steigt mit Zukauf in US-Markt ein. EU-27 beschließen nach Brexit "Nachdenkphase" bis September. EZB-Vizepräsident: Weitere Lockerung nur noch begrenzt möglich. Monsanto mit überraschend deutlichem Umsatz- und Gewinnrückgang. Bei adidas ist die Luft raus nach bisher starkem Jahr.
So hoch sind die Bundesländer verschuldet
Welches ist das wertvollste Team?
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Marke ist die teuerste?
Volatilität in Schwellenländern
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Welches Land gewann am häufigsten die europäische Fußballkrone?
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Nach dem Brexit-Votum der Briten werden in Europa Stimmen laut, die auch in anderen EU-Ländern Referenden über die Zugehörigkeit zur EU fordern. Sehen Sie unsere Zukunft in der EU?