Rund 3,5 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen nach eigenen Angaben durch die Ausgabe neuer
Aktien und einer Pflichtwandelanleihe einsammeln. Damit will der Stahlriese auch einen Teil der drückenden Schuldenlast abtragen.
Das ThyssenKrupp-Werk in Alabama sei "ein Weltklasse-Asset", sagte ArcelorMittal-CFO Aditya Mittal und fügte hinzu, er sehe zahlreiche Synergien: Das Unternehmen könne Brammen für das Werk in Alabama aus den USA, Mexiko und Brasilien beziehen. Zu dem ebenfalls zum Verkauf stehenden ThyssenKrupp-Werk in Brasilien sagte er nichts.
ThyssenKrupp will sich seit dem vergangenen Jahr von Steel Americas, seiner amerikanischen Stahlsparte, trennen. Erst im Dezember hat der Konzern wegen enormer Schwierigkeiten mit den Investments abermals einen Milliardenbetrag auf den Unternehmensbereich abgeschrieben. Nun stehen die Stahlwerke in Brasilien und dem US-Staat Alabama mit einem Wert 3,9 Milliarden Euro in den Büchern. Ursprünglich lag die Investitionssumme bei rund 12 Milliarden Euro.
Das Thyssen-Werk in Alabama alleine ist nach Einschätzung eines Analysten 1,5 bis 2 Milliarden Euro Wert.
Ein ThyssenKrupp-Sprecher wollte mit Verweis auf den laufenden Verkaufsprozess zu Details nicht äußern. Im Dezember sagte der Konzern, den Verkauf möglichst bis zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13 per Ende September abgeschlossen zu haben.
ArcelorMittal bezeichnete es in einer Mitteilung als vorrangig, seine Schulden zu reduzieren, um die "strategische Flexibilität" des Unternehmens zu erhalten. Durch die Kapitalerhöhung und weitere Maßnahmen will ArcelorMittal den Angaben zufolge seine Nettoverschuldung bis Ende Juni auf rund 17 Milliarden Dollar reduzieren. Das mittelfristige Ziel liegt laut Mitteilung bei 15 Milliarden Dollar.
Arcelor sitzt aktuell auf einem Schuldenberg von 22 Milliarden Dollar. Wegen der hohen Schulden haben die drei großen Ratingagenturen ihre Bonitätsbewertungen letztes Jahr auf Ramschniveau abgestuft. Daraufhin hat der Konzern angefangen, Unternehmensteile zu verkaufen.
Vor allem in Europa bekommt Arcelor die schwächere Nachfrage zu spüren, die auch in diesem Jahr voraussichtlich weiter nachgeben wird. Der in Luxemburg beheimatete Stahlhersteller hat angesichts der Überkapazitäten bereits mit der Stilllegung mehrerer Hochöfen reagiert.
Die Familie Mittal, die gut 41 Prozent der ArcelorMittal-Anteile hält, wird sich an den Kapitalmaßnahmen beteiligen. Sie kündigte an, 600 Millionen Dollar zu investieren.
Der ThyssenKrupp-Aktie gab die Nachricht Aufwind. Ihr Kurs stieg um 3,3 Prozent auf 18,56 Euro. Die Aktie von ArcelorMittal brach ein. Die Anleger schickten sie um mehr als 5 Prozent auf Talfahrt. "Für Arcelor macht das Ganze Sinn, denn dadurch dürfte sich die Zinslast verringern", kommentiert ein Händler die Maßnahmen. Für die Aktionäre sähe es wegen des Verwässerungseffekts der Kapitalerhöhung aber anders aus.
Mitarbeit: Jan Hromadko
Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com DJN/DJG/hev/mgo/kla Dow Jones Newswires January 09, 2013 10:28 ET (15:28 GMT) Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 10 28 AM EST 01-09-13
Von Hendrik Varnholt und Alex MacDonald
Bildquellen: ThyssenKrupp AG