von Jörg Bernhard
Diesmal enttäuschte Ben Bernanke die internationalen Finanzmärkte nicht und gab seinen Akteuren, was sie brauchten: Hoffnung und billiges Geld. Mit Volumina bis zu 40 Milliarden Dollar pro Monat möchte er Hypothekenanleihen kaufen und das Niedrigzinsniveau bis 2015 beibehalten. Zusammen mit dem positiven Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit des ESM und der in der Vorwoche gemeldeten EZB-Schützenhilfe legte der DAX die zweite Woche in Folge markant zu. Damit beläuft sich die Sommerrally mittlerweile auf über 1.400 DAX-Punkte. Anleger sollten sich daher nicht wundern, wenn Investoren demnächst diese Kursgewinne mitnehmen.
Timingindikatoren wie die Bollingerbänder und der Relative-Stärke-Index deuten auf ein aktuell überkauftes Marktsentiment hin.
In der abgelaufenen Börsenwoche pendelte der DAX zwischen Wochentief (Dienstag) und Wochenhoch (Freitag) in einer Spanne von 260 Punkten. Das Verhältnis zwischen Kursgewinnern und -verlierern fiel mit 23 zu 7 erneut ausgesprochen positiv aus. Als stärkster Wochengewinner erwies sich wieder ein Finanzwert, und zwar die Commerzbank (+14,7 Prozent). Unter den wenigen Kursverlierern musste die Aktie von K+S mit 2,7 Prozent den höchsten Wochenverlust hinnehmen.
Euphorie bei der Commerzbank
Am größten war bei der Commerzbank der Jubel zur Wochenmitte, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Rettungsschirm für verfassungskonform erklärte und lediglich geringe Auflagen machte. Mit einem Tagesgewinn in Höhe von 7,2 Prozent führte sie den Leitindex ganz klar an. Die positive Kursreaktion war nachvollziehbar, schließlich gehört die Commerzbank innerhalb der deutschen Bankenlandschaft nicht gerade zu den solidesten Finanzwerten. Zum Wochenende durften sich die Commerzbanker dann bei der Fed bedanken – für ein Tagesplus von mehr als drei Prozent. Aus charttechnischer ist vor allem das Überwinden der 200-Tage-Linie als besonders positiv zu erwähnen. Dieses Kaufsignal könnte sich im Falle einer technischen Korrektur allerdings schnell als „Bullenfalle“ erweisen. Wie beim DAX sind auch hier Bollingerbänder und Relative-Stärke-Index durch das dicke Wochenplus in die überkaufte Zone vorgestoßen. Tenor: Die Luft wird nun dünner.
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum