von Jörg Bernhard
Die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi – bei Bedarf – Staatsanleihen gefährdeter Mitgliedsstaaten in unbegrenztem Volumen aufzukaufen, versetzte die internationalen Finanzmärkte in Jubellaune. Wie lange diese Freude anhält, wird sich zeigen, schließlich steht am kommenden Mittwoch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit des Rettungsfonds ESM auf der Agenda. Nachdem die Notenbanker den Wünschen der Finanzmärkte entsprochen haben, müssen nun noch die Richter mitziehen. Sollten sie sich verweigern, wäre ein Kurssturz praktisch vorprogrammiert. Ernüchternd könnten auch die aktuellen Daten zur chinesischen Konjunkturentwicklung ausfallen, die noch an diesem Wochenende auf dem Terminplan stehen.
In der abgelaufenen Börsenwoche pendelte der DAX zwischen Wochentief (Mittwoch) und Wochenhoch (Freitag) in einer relativ breiten Spanne von 356 Punkten. Das Verhältnis zwischen Kursgewinnern und -verlierern fiel mit 25 zu 5 eindeutig positiv aus. Als stärkster Wochengewinner erwies sich zum dritten Mal in Folge die Aktie der Deutschen Bank (+10,9 Prozent), gefolgt von der Commerzbank (+10,4 Prozent). Am DAX-Ende musste der Indexabsteiger MAN einen leichten Wochenverlust in Höhe von 0,6 Prozent hinnehmen.
Deutsche Bank an der Indexspitze
Die gute Laune im Bankensektor war natürlich in erster Linie der EZB zu verdanken, die durch ihre Hilfszusage für kriselnde Mitgliedsstaaten „Druck vom Kessel“ nahm. Vor dem Wochenende wurde aber zudem in einem Zeitungsbericht über zusätzliche Stellenstreichungen beim Branchenprimus berichtet. Bereits Ende Juli hatte das Führungsduo Jain/Fitschen den Abbau von 1.900 Stellen angekündigt. Das langfristige Ziel sieht eine Kürzung der Kosten um drei Milliarden pro Jahr vor. Am Dienstag sollen Details zu den Plänen veröffentlicht werden. Dann könnte die Aktie wieder einmal im Fokus der Börsianer stehen.
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum