von Jörg Bernhard
Die Ängste um Europa ließen sich auch durch den jüngsten EU-Krisengipfel nicht zerstreuen. Der Weg zu mehr Stabilität dürfte aufgrund des Neins der Briten ausgesprochen steinig werden, da die praktische Umsetzung der hehren Ziele alles andere als ein Kinderspiel ist. Zwischen Wochentief (Mittwoch) und Wochenhoch (Montag) lag beim DAX in der abgelaufenen Handelswoche eine Bandbreite von über 277 Punkten. Das Verhältnis zwischen Wochengewinnern und -verlierern fiel mit 3 zu 27 extrem negativ aus.
Besonders hohe Wochenverluste verbuchten drei Aktien aus dem Finanz- bzw. Versorgungssektor, die sich in diesem Jahr alles andere als mit Ruhm bekleckert haben: E.ON (-9,3 Prozent), Allianz (-8,3 Prozent) und Deutsche Bank (-7,6 Prozent). Zusammen kamen die drei Indexmitglieder auf ein DAX-Gewicht von über 18 Prozent und waren damit für die negative Indextendenz maßgeblich verantwortlich. Während die beiden Finanzwerte einmal mehr unter der Schuldenkrise litten, gab es beim Versorger neue Hiobsbotschaften. Erstmals muss das Unternehmen einen Nettoverlust ausweisen. Tage zuvor gab die Firma zudem bekannt, drei Milliarden Euro auf Geschäfte in Süd- und Osteuropa sowie in den Benelux-Staaten abzuschreiben.
Defensive Titel stark gefragt
Unter sämtlichen Indexwerten gab es lediglich drei Wochengewinner: Merck KGaA (+0,5 Prozent), Fresenius Medical Care (+1,5 Prozent) und Deutsche Post (+2,7 Prozent). Letztere profitierte von der Aussicht auf eine Sonderdividende und positiven Analystenkommentaren. Gegenüber der FTD erwähnte Finanzvorstand Larry Rosen, dass man aufgrund der guten Geschäftslage überschüssige Liquidität habe. Diese könnte möglicherweise in Form einer Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Analysten sehen den Logistikkonzern extrem positiv. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei 14,40 Euro, fast 30 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum